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Frieden ohne Pfarramt - Ökumenische Friedensdekade

Die Ökumenische Friedensdekade findet dieses Jahr vom 7. bis zum 17. November statt. Ein Akteur aus Württemberg aber fehlt, der über Jahrzehnte immer wieder dabei war.

Seit 1. September ist das Friedenspfarramt in der Landeskirche unbesetzt. Die Stelle wurde bisher nicht neu ausgeschrieben und noch ist unklar, ob sie es wieder wird.

Foto: Gerd Altmann, pixabayFoto: Gerd Altmann, pixabay

Eigentlich sollte es ein frohes Jubiläum werden, das Gunther Wruck mit vorbereitet. 50 Jahre Friedenspfarramt in der Landeskirche Württemberg, das gäbe es 2023 zu feiern, erzählt er. Doch: „Wir fürchten, dass dieses Jubiläum zugleich der Endpunkt ist.“

Gunther Wruck ist der Erste Vorsitzende der EAK Württemberg, der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Friedensarbeit und Betreuung der Kriegsdienstverweigerer im Land. Derzeit kümmert sich der Gemeindepfarrer aus Biberach auch um die Aufgaben, die zum Friedenspfarramt gehören. Denn seit 1. September dieses Jahres ist das Amt nicht mehr besetzt.

Der vorherige Stelleninhaber Joachim Schilling arbeitet seit Anfang 2021 als Landesmännerpfarrer und inzwischen auch an einer beruflichen Schule in Kirchheim. Das Friedenspfarramt war für ihn zuletzt eine 50-Prozent-Stelle. Es war das Ende der Wehrpflicht, mit dem 2012 die Kürzungen beim Friedenspfarramt begannen. Die damals noch volle Stelle wurde halbiert, eine zusätzlich bestehende Stelle für einen Diakon beim Friedenspfarramt gestrichen. Der Grund war, dass nun eine der zentralen Aufgaben – die konkreteste – fast ganz wegfiel: die Beratung von Kriegsdienstverweigerern.

Seltene und komplizierte Fälle

Seit damals dienen nur noch Freiwillige in der Bundeswehr. Es gäbe zwar immer noch Fälle von Kriegsdienstverweigerung, sagt Gunther Wruck. „Das Recht besteht weiterhin.“ Doch wer heute den Kriegsdienst verweigern möchte, ist in der Regel aktiver Soldat der Bundeswehr. Diese Fälle sind so selten und so kompliziert, dass sie von der EAK Bund in Bonn übernommen werden. In den meisten Landeskirchen gibt es daher heute kein Friedenspfarramt mehr.

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Gunther Wruck sieht aber weiter gute Argumente für den Erhalt der Sonderpfarrstelle. „Wenn man sagt, wir möchten eine Kirche auf dem Weg der Gerechtigkeit und des Friedens sein, kann man nicht auf das Friedenspfarramt verzichten“, sagt er. Insbesondere für die Vernetzungsarbeit zum Thema Frieden – sowohl innerhalb Württembergs als auch auf Ebene der EKD. Im Land selbst gebe es nur in 28 von 50 Dekanaten derzeit Friedensbeauftragte, da komme dem Friedenspfarramt eine wichtige Rolle zu. Hier bündele sich jahrzehntelange Erfahrung zu allen Aspekten des Friedensthemas – ob zu Rüstungsindustrie und Rüstungsexporten, zu Atomwaffen oder zu europäischer Sicherheitspolitik. Gerade die aktuellen globalen Entwicklungen zeigten, dass ein hauptamtlicher landeskirchlicher Beauftragter für den Bereich Frieden nötig sei, meint Gunther Wruck.

Gunther Wruck ist Vorsitzender der EAK. Er hofft auf eine baldige Wiederbesetzung des Friedenspfarramts.Foto: PrivatDerzeit jedoch scheint die Entwicklung in die andere Richtung zu gehen. Als im Februar 2021 absehbar war, dass das Friedenspfarramt bald vakant sein würde, bereitete die EAK eine Stellenausschreibung vor, erzählt Gunther Wruck. Diese habe man als Eingabe an das zuständige Dezernat 1 des Oberkirchenrats gesandt, bei dem das Friedenspfarramt angesiedelt ist. Gehört hätten sie erst einmal nichts. Auf Nachfrage wurde Wruck und der EAK mitgeteilt, dass es einen Beschluss des Oberkirchenrats gab, vorerst auf eine Wiederbesetzung der Stelle zu verzichten. Mit der Begründung, dass in einer Arbeitsgruppe des Ausschusses Schwerpunktsetzung der Synode über die Weiterführung des Friedenspfarramts diskutiert wird. Wie der Stand der Beratungen dort ist, weiß Gunther Wruck nicht.

Ganz am Anfang der Beratungen

Oberkirchenrat Ulrich Heckel bestätigt dem Gemeindeblatt, dass derzeit im Oberkirchenrat und in Abstimmung mit der Landessynode über die künftige Struktur der Friedensarbeit beraten werde. Näheres lasse sich noch nicht sagen.

Nach einem Gespräch mit Synodalpräsidentin Sabine Foth im Juni haben Wruck und die EAK erst einmal abgewartet. Jetzt aber möchte die EAK eine Eingabe bringen mit der dringenden Bitte, die Stelle auszuschreiben. Denn: „Ich befürchte, dass wir auf der ‚Streichliste‘ landen werden“, sagt Gunther Wruck. So wie es möglicherweise auch anderen Sonderpfarrstellen ergehen könnte.

Bei der Synodaltagung vom 25. bis 27. November möchte die EAK für ihr Anliegen werben. Von den Gesprächskreisen der Synode hat sich die Offene Kirche öffentlich für eine Wiederbesetzung des Friedenspfarramts ausgesprochen. Der Synodale Martin Plümicke hat gegenüber dem Gemeindeblatt angekündigt, dieser Forderung bei der Herbstsynode mit einer förmilichen Anfrage an den Oberkirchenrat Nachdruck zu verleihen.

Ansonsten verweisen die Offene Kirche und die Vertreter der anderen Gesprächskreise auf die Vertraulichkeit der Beratungen des Ausschusses und den laufenden Prozess. Matthias Hanßmann vom Gesprächskreis Lebendige Gemeinde sagt: „Im Rahmen von Pfarrplan und Zielstellenplanung wird über alle Pfarrstellen unserer Landeskirche diskutiert. Das Vorschlagsrecht in Bezug auf die landeskirchlichen Pfarrstellen liegt beim Oberkirchenrat und seinen Dezernaten. Dort sind im Rahmen der Planungen ebenfalls Kürzungen vorzusehen, wie es auch bei Gemeindestellen zu erwarten ist.“ Und: „Wir stehen ganz am Anfang der Beratungen.“

Gunther Wruck hofft, dass sich vielleicht doch eine Mehrheit für den Erhalt des Friedenspfarramts findet. Zumal aktuell auch eine beim Pädagogisch-theologischen Zentrum (PTZ) in Stuttgart angesiedelte Projektstelle zur Friedenspädagogik Ende August ausgelaufen ist. „Derzeit fehlen uns gleich zwei Stellen mit der Expertise zum Frieden“, sagt Wruck. Inwieweit das Thema beim PTZ weitergeführt wird, sei noch nicht klar.