Christliche Themen für jede Altersgruppe

Fröhlich, trotz allem - Johann Daniel Falk, in der Krise zum Wohltäter geworden

„O du fröhliche“ ist neben „Stille Nacht“ das bekannteste Weihnachtslied in Deutschland. Sein Verfasser Johann Daniel Falk (1768 – 1826) aus Weimar hatte es vor über 200 Jahren Waisenkindern gewidmet, die er in seinem Haus aufnahm. Ein Menschenfreund mit tiefem Glauben, der kurz zuvor in der eigenen Familie einen großen Schicksalsschlag erlitten hatte.

Weihnachten. Froehlichkeit. Foto: Scott Payne, pixabayFoto: Scott Payne, pixabay

Von wegen fröhlich. Zum Freuen und Lachen war dem evangelischen Theologen und Publizisten Johann Daniel Falk 1813 nicht zumute. Die Napoleon-Kriege tobten, Flüchtlinge kamen in die Stadt, Seuchen grassierten. Bei einer Typhus-Epidemie verlor Falk vier seiner Kinder.

Doch ansttatt sich verbittert von der Welt abzuwenden, wurde er zum Wohltäter. Den Kindern wollte er helfen, den vielen Waisen, die in den Kriegen und Hungersnöten ihre Eltern verloren hatten. Er nahm sie bei sich auf und erwarb, ähnlich wie Johann Hinrich Wichern mit seinem Rauhen Haus, ein eigenes Wohnheim für sie, den Lutherhof.

Die schönste Geschichte geht so, dass einer dieser Waisen, ein italienisches Findelkind, ihm eines Tages ein Marienlied der sizialinischen Fischer vorsang: „O sanctissima, o purissima“: Die Melodie berührte ihn so sehr, dass er darauf 1815 einen neuen, deutschen Text verfasste. Ein Text, der seinen kleinen Schützlingen die wichtigsten Feste des Kirchenjahres näherbringen sollte.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Er nannte es „Alldreifeiertagslied“ und es begann mit den Worten „O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit.“ Die anderen beiden Strophen waren Ostern und Pfingsten gewidmet, so dass eines der berühmtesten Weihnachtslieder ursprünglich gar kein richtiges Weihnachtslied war.

Johann Daniel Falk und seine Dichtung: Ursprünglich war „O du fröhliche“ ein Lied für drei Feiertage: Weihnachten, Ostern und Pfingsten (siehe auch Originaltext unten). Foto: epd-bild, pd

Seine Verwandlung kam erst zehn Jahre später. Da war Falk bereits gestorben und einer seiner Sozialarbeiter Heinrich Holzschuher dabei, eine Weihnachtsfeier vorzubreiten. Er entsann sich des Liedes, das sein früherer Vorgesetzter verfasst hatte, und ersetzte die beiden unpassenden Strophen durch zwei weihnachtliche: „Christ ist erschienen, uns zu versühnen“ und „Himmlische Heere jauchzen dir Ehre“. Es ist jene Version, die wir bis heute singen, die Oster- und Pfingstverse hingegen sind schon lange vergessen.

Bis 1993 sollte es aber dauern, ehe das Lied in den Hauptteil des evangelischen Gesangbuchs aufgenommen wurde. Manchem Kirchenmusiker schien die Weise wohl zu banal, in der Ausgabe von 1952 war es mit Ach und Krach im Anhang gelandet, versehen mit einem Sternchen als „für den Gottesdienst ungeeignet“. Bei den Menschen in den Gemeinden hingegen erfreute sich das Lied schon immer großer Beliebtheit, oft in Verbindung mit Krippenspielen.

Heute beschließt „O du fröhliche“ klassischerweise die Christvesper, eine Empfehlung der EKD, die allerdings nicht verbindlich ist. Stehend und auswendig wird es gesungen, was aufgrund des einfachen Textes problemlos möglich ist: Drei der fünf Zeilen sind in jeder Strophe identisch. Ein feierlicher und fröhlicher Ausklang, bevor es nach Hause zum Essen und zur Bescherung geht. □

»

Das Leben schreibt die schönsten Geschichten.

«

Oh du froehliche. Johann Daniel Falk. Foto: pd, epd-bild

Johann Daniel Falk und seine Dichtung: Ursprünglich war „O du fröhliche“ ein Lied für drei Feiertage: Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Foto: epd-bild, pd