Christliche Themen für jede Altersgruppe

Froh wie Pippi Langstrumpf - Kirche Kunterbunt

LEINGARTEN (Dekanat Heilbronn) – Mit ihrem neuen ökumenischen Konzept „Kirche kunterbunt“ möchten die christlichen Kirchengemeinden von Leingarten den Glauben auf moderne Art vermitteln und damit alle Generationen ansprechen. Das scheint zu gelingen.

Leingarten. Kirche kunterbund. Foto: Privat„Wasser – Gottes Schöpfung entdecken“ hieß es bei der zweiten „Kirche kunterbunt“ auf einem Reiterhof. Foto: Privat

„Kirche kunterbunt ist frech und wild und wundervolle Kirche für die ganze Familie – so kreativ und lebensfroh wie Pippi Langstrumpf“, steht auf dem Flyer der Kirchengemeinden von Leingarten, die seit neuestem eine abwechslungsreiche Mitmach-Kirche für fünf- bis zwölfjährige Kinder mit ihren Bezugspersonen anbieten.

Die Resonanz bei der Premiere des ungewöhnlichen Formats war überwältigend: Über 100 Gäste kamen auf die Freizeitanlage der evangelischen Kirchengemeinde des Leingartener Teilortes Großgartach, um diese andere Art der Glaubensvermittlung zu erleben.

„Mit dem üblichen Gottesdienst bekommen wir kaum noch jemanden in die Kirche. Da braucht es eine gewisse Kreativität, um die Menschen zu erreichen. Wir möchten den Glauben nicht nur über den Kopf, sondern auch über Herz und Hand erlebbar machen“, erklärt Christof Gebhardt, evangelischer Pfarrer im Leingartener Teilort Schluchtern. Er ist der Initiator der aus England stammenden Idee. Bei dieser geht es darum, die christliche Botschaft jenseits des klassischen Gottesdienstes zu vermitteln, um auch kirchenferne Menschen zu erreichen.

Andreas Kuhn sagt: „Die Gottesdienste haben ihre Relevanz im Leben verloren. Es gibt nur noch wenige Menschen, für die der Gottesdienst zum Sonntag gehört“ Der Diakon und Jugendreferent war deshalb gleich von der neuen Idee begeistert. Mit Pfarrer Gebhardt gehört Kuhn zum neunköpfigen ökumenischen Leitungsteam, das die zwei- bis dreistündige Veranstaltung plant und organisiert. Sie soll alle sechs bis acht Wochen stattfinden. Diese im vollen Kirchenkalender und zusätzlich zum Berufsalltag umzusetzen, ist eine Herausforderung für alle Beteiligten.

Lockere Atmosphäre

„Wer kann uns unterstützen? Wie soll das Programm aussehen? Dürfen Menschen außerhalb der Zielgruppe teilnehmen? Ist die Kreativzeit auch für Erwachsene interessant und wie können wir der Skepsis gegenüber diesem Angebot begegnen? Damit müssen wir uns beschäftigen“, erläutert Andreas Kuhn. Die Glaubensbotschaft steht natürlich im Mittelpunkt des Konzepts, aber eher spielerisch und zwanglos. Die Atmosphäre ist locker, ein Thema zieht sich als roter Faden durch das Programm.

„Wasser – Gottes Schöpfung entdecken“ hieß es bei der zweiten „Kirche kunterbunt“ auf einem Reiterhof. Der sehr heiße Tag wurde mit einer Wasserschlacht zum erfrischenden Erlebnis. Auch die wechselnden Orte machen den Charme des Konzepts aus, das durchaus strukturiert abläuft. „Feier-Zeit“ wird die Phase mit Geschichten, Musik und Gedanken zu Gott und der Welt genannt. Bei der „Aktiv-Zeit“ werden verschiedene Stationen zum Toben, Kreativsein und Experimentieren angeboten. Sackhüpfen und Stelzenlaufen gab es schon, man konnte eine Kerze mit dem Namen gestalten oder jemandem eine Postkarte schreiben. Im digitalen Zeitalter ist das eine Besonderheit.

Christof Gebhardt (rechts) und Andreas Kuhn möchten den Glauben „über Herz und Kopf erlebbar machen“. Foto: Astrid LinkChristof Gebhardt (rechts) und Andreas Kuhn möchten den Glauben „über Herz und Kopf erlebbar machen“. Foto: Astrid Link

Ein Höhepunkt war das Spielen auf einem besonderen Gefährt: auf einem über 50 Jahre alten Feuerwehrfahrzeug, das von seinem Besitzer zum Spielmobil umgebaut worden war. Das gute Netzwerk der Organisatoren zahlt sich bei solchen Aktionen aus. Wichtig ist das gemeinsame kostenlose Essen mit Gesprächen. Wer kann, darf gerne spenden.

„Wir möchten als Kirche füreinander da sein, Solidarität zeigen und hoffen, auch Bedürftige zu erreichen, die mit der Kirche abgeschlossen haben“, sagt Pfarrer Gebhardt. Andreas Kuhn ergänzt: „Wir müssen die eigenen Leute in der Kirchengemeinde begeistern, damit neue dazu kommen. Das kann als Baukastensystem funktionieren, bei dem jeder seine Begabungen einbringt. Je mehr mitmachen, umso besser.“

„Kirche kunterbunt“ als sonntägliches Programm für alle etablieren zu können: das wünschen sich die Veranstalter. Die nächste kunterbunte Kirche ist in Planung. □

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Information

Veranstalter der „Kirche kunterbunt“ in Leingarten sind die evangelischen Kirchengemeinden der Teilorte Großgartach und Schluchtern sowie die katholische Seelsorgeeinheit Leintal. Das Konzept stammt aus England, dort heißt es „Messy Church“, zu deutsch „Chaos-Kirche“. Ziel ist es, auch Familien anzusprechen, die wenig bis gar nichts mit der Kirche zu tun haben.

Nähere Informationen zu dem Konzept gibt es unter www.kirche-kunterbunt.de