Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Frohe Ostern!?“ - Mutmachende Worte von Landesbishof Frank Ofried July

Auch wenn die Krise uns lähmt: Ostern kommt zur rechten Zeit! Die Botschaft von der Auferstehung Jesu kann gerade in diesen Zeiten Hoffnung machen. Sie hilft Ängste zu überwinden und zeigt, dass es am Ende ein Licht gibt, das einen neuen Horizont eröffnet.

Frank Ofried July Landesbishof der Evangelischen Kirche WürttembergFrank Otfried July ist seit 2005 Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.  Foto: Pressebild/EMH/ Gottfried Stoppel

„Frohe Ostern!“ Zu den Feiertagen rufen wir uns das normalerweise zu oder schreiben es auf Karten. Wie ist das in diesem Jahr: Können wir einander auch in dieser Situation noch „Frohe Ostern!“ wünschen?

Werden wir in diesem Jahr stumm bleiben? Oder schreiben und rufen wir es uns gerade heute ganz besonders zu, verbunden mit dem Wunsch, dass die Epidemie bald überwunden, ein Neustart des Lebens möglich sein wird?

Die österliche Zeit erleben wir inmitten einer Krise. Für uns Christinnen und Christen ist Ostern das Fest einer Zeitenwende. Mit der Auferstehung Jesu Christi ist dem Tod ein für alle Mal der Schrecken genommen. Wir wissen seitdem: Über den Tod siegt die Liebe – die Liebe Gottes.

Über 2000 Jahre, ob in Krisen-, Kriegs- oder Seuchenjahren, in Jahren des Wohlergehens, auf den Tal- oder Höhenwegen des Lebens, ob als verfolgte Minderheit oder gestaltende Mehrheit, hat die christliche Kirche die Botschaft Jahr um Jahr verkündet: „Christus ist auferstanden!“ – „Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Der alte Ruf und seine Antwort sind ein Zeugnis vom Brechen der Todesmacht, die nun nicht mehr das letzte Wort hat über unsere Welt und unser Leben. Wir bezeugen mit Rufen und Antworten unsere Gewissheit von der ganz neuen Wirklichkeit im auferstandenen Herrn Jesus Christus.

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In diesen Wochen der Pandemie erleben wir uns erneut auf einem Talweg des Lebens. Alltägliche Selbstverständlichkeiten sind uns genommen. Das freundliche Händeschütteln, die Umarmung, die persönliche, helfende und tröstende Nähe, das Treffen mit Freunden und Nachbarn – all das kann in dieser Zeit nicht mehr stattfinden. Schmerzlich trifft uns auch, dass wir einander als Gemeinden nicht in der vertrauten Weise begegnen können. Und was besonders schmerzt in Tagen, die von Krankheit und Abschied gezeichnet sind: Bestattungen können nur mit großen Einschränkungen durchgeführt werden, die den Schmerz der Trauernden noch vermehren.

»Ich bin bei euch alle Tage «

Aus Einsicht in den Ernst der Lage und aus Nächstenliebe besonders zu den Älteren und Erkrankten tragen wir diese Maßnahmen mit. Doch sind die staatlichen Verordnungen beispiellos und schneiden tief in unser kirchliches Leben ein.

Dieser Ausnahmezustand lähmt uns aber nicht. Wir feiern Gottesdienste, wenn auch anders. Viele Ideen, die Botschaft Jesu zu teilen, sind entstanden und verbinden Menschen in geistlicher Gemeinschaft. Sie feiern Gottesdienst vor dem Fernsehen oder im Internet. Viele lassen sich durch das Gebetsläuten von den Kirchtürmen jeden Abend zur Andacht rufen. Sie singen von den Balkonen, finden Beistand in Telefonseelsorge und Briefseelsorge. Nachbarn und Kirchengemeindeglieder unterstützen einander. Wir sind verbunden!

Inmitten dieser Situation hören wir aber auch zunehmend Stimmen der Ungeduld: Wie lange noch? Wie lange halten wir diese Situation aus, sozial und wirtschaftlich? Werden bald Haarrisse im Gebäude des gesellschaftlichen Zusammenhalts zu sehen sein?

Ostern kommt zur rechten Zeit. Durch die Auferstehung Jesu werden uns die Augen neu geöffnet. Wie damals die ängstlichen Jüngerinnen und Jünger, so werden auch wir durch den Oster-Ruf aus der Enge unserer Ängste in die Weite geführt.

Unsere Sorgen und unser Leid sind damit nicht einfach verschwunden. Ja, wir werden lange mit den Folgen der Pandemie und auch mit den seelischen Verletzungen zu kämpfen haben. Doch in die Nacht unserer Trauer fällt das Licht der Ewigkeit Gottes. Der Ostermorgen öffnet einen neuen Horizont der Hoffnung, über den Tod hinaus.

„Fürchtet euch nicht!“ – das ruft der Auferstandene uns zu. Wir hören es auch an diesem Osterfest 2020: „Denn siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ So getröstet sehen wir weiter.

Gestärkt gehen wir weiter. Gekräftigt helfen wir weiter. „Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden.“ Halleluja! Und: Frohe Ostern!

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