Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gedenken und lernen

AACH (Dekanat Freudenstadt) – In einer Feierstunde wird am Volkstrauertag für die im „Polenkinderheim“ umgekommenen Säuglinge eine Gedenk-Stele von René Dantes eingeweiht. Initiiert wurde sie durch geschichtsinteressierte Bürger, die an das schreckliche Geschehen erinnern möchten.

Der Bildhauer René Dantes mit einem Modell seiner Stele. (Foto: Waltraud Günther)

Der Bildhauer René Dantes mit einem Modell seiner Stele.
© Foto: Waltraud Günther

Lange, auch kontrovers und emotional geführte Diskussionen standen am Anfang. Schließlich verständigen sich alle Beteiligten darauf, am Ort der Kindergräber in Aach eine Gedenk-Stele aufzustellen und einen Kunstwettbewerb auszuloben. Eine Stele, mit der den Säuglingen gedacht werden soll, die im sogenannten „Polenkinderheim“ in Aach umgekommen sind. Dieses war dort 1944 für die Neugeborenen der osteuropäischen Zwangsarbeiterinnen eingerichtet worden.

Der Pforzheimer Bildhauer René Dantes überzeugte die Jury mit einem Entwurf, der die Betrachter zum Gedenken und Nachdenken über das den Müttern und Kindern zugefügte Leid anregt. Dantes schuf eine aus vier übereinander gestapelten Kuben bestehende, 2,20 Meter hohe Stele, die 13 Kreuze mit den Namen der Säuglinge sowie eine Texttafel enthält.

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Der Künstler, der in Wien und Paris Malerei und Bildhauerei studierte, hat sich intensiv mit der künst-lerischen Umsetzung des Themas beschäftigt. Um dem Betrachter Aspekte wie Vergangenheit und Gegenwart, Leben und genommenes Leben, Unrecht und Bewusstsein nahe zu bringen, stellt Dantes die Kreuze sowohl als Positivform als auch als Negativformen dar, die er aus der Edelstahlfläche herausgearbeitet hat. Die Dualität macht den künstlerischen Reiz der Plastik aus, deren Oberflächen aus geschliffenem und an der Innenseite schwarzbraun patiniertem Edelstahl bestehen.

In diesem Atelier arbeitet René Dantes.
© Foto: Waltraud Günther

Großen Wert legte Dantes darauf, dass die Stele durch ihre Fernwirkung „den unbedarften Friedhofsbesucher neugierig machen und dazu anregen soll, sich ihr anzunähern“, andererseits aber auch, „dass deren Größe den Betrachter nicht einschüchtern darf“. Für ihn, sagt Dantes, sei die Gestaltung der Stele ein sensibles Thema gewesen, beinhalte diese doch eine Fülle verschiedener Anforderungen. „Wichtig war mir, jungen Menschen zu zeigen, dass man sich für Frieden und Freiheit einsetzen muss“, betont der Bildhauer. Zudem habe er sich immer wieder gefragt: „Wie kann ich hierbei verschiedenen Seiten gerecht werden?“

Dantes hat nach Familienangehörigen der Kinder gesucht. Die Gedenkkreuze der Kinder, von denen er Angehörige ermitteln konnte, hat er bewusst auf Augenhöhe platziert.

Für seine Plastiken und Skulpturen hat René Dantes zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Einen Preis bekam er unter anderem für sein Mahnmal der Kasernen-Gedenkstätte in Radolfzell. Für den preisgekrönten Künstler gibt es nur zwei Dinge, die ihm wichtiger sind als seine Kunst: „Mein Glaube und das Füreinander und Miteinander mit Menschen.“

 

Information

Unter dem Motto „Mensch gedenke und lerne“ wurde im November auf dem alten Aacher Friedhof die Gedenk-Stele für die im Aacher „Polenkinderheim“ umgekommenen Säuglinge eingeweiht.

Die Ansprache hält der Freudenstädter Landrat Klaus-Michael Rückert. René Dantes ist gleichfalls anwesend. An der Feierstunde werden auch Familienangehörige der im Heim umgekommenen Kinder teilnehmen. Musikalisch umrahmt wird die Feierstunde durch die Posaunenchöre Aach und Dornstetten.

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