Christliche Themen für jede Altersgruppe

Geduldig warten - Impuls zur Predigt

Jakobus 5,7-8 So seid nun geduldig, Brüder und Schwestern, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.

Geduldig warten

Impuls zum Predigttext für den 2. Advent: Jakobus 5,7-8(9-11).

Von Hans Veit

Hans Veit ist Pfarrer in Knittlingen im Kirchenbezirk Mühlacker. Foto: Privat

„Wir warten dein, o Gottessohn, und lieben dein Erscheinen.“ Mit dieser Liedstrophe könnte ich die Botschaft des Bibelwortes zum zweiten Advent auf den Punkt bringen. Darum geht es doch im Advent – um das geduldige und freudige Erwarten, dass Christus wiederkommt und sein Werk vollendet. Dass sich endlich die große Hoffnung erfüllt, die uns als Christen ausmacht.

„Maranata! Komm, Herr Jesus!“ So grüßten sich die Christen im ersten Jahrhundert. Sie rechneten damit, dass diese Weltzeit zeitnah zu Ende geht, dass Christus wiederkommt und sein Reich sichtbar aufrichtet. Ein Reich, in dem Gerechtigkeit und Frieden sich küssen. Ein Reich, in dem Gott alle Tränen abwischen wird. Ein Reich, in dem die Wahrheit des christlichen Glaubens allen offenbar wird. Und ein Reich, in dem wir das sehen, was wir glauben.

Dass Jakobus in seinem Brief nun Geduld fordert, zeigt das Dilemma seiner und auch unserer Zeit auf: Wir warten schon viel zu lange. Seit bald 2000 Jahren heißt es: „Das Kommen des Herrn ist nahe.“ Irgendwann wird das nicht mehr geglaubt. Von Sehnsucht nach der Wiederkunft Christi ist in unserem Glaubensalltag meist wenig zu spüren. Adventszeit ist zu einer netten Tradition geworden, die den Fokus auf das kommende Weihnachtsfest legt und weniger auf das Kommen Christi. Geduld fordert Jakobus. Geduld, mit den unvollkommenen Zuständen in dieser Welt zu leben. Geduld, mit den noch nicht erfüllten Verheißungen umzugehen. In einer Welt, in der alles schneller gehen muss, in der man mit einem Mausklick sich viele Wünsche sofort erfüllt, in der Wachstumsbeschleunigung das A und O ist, da fällt Geduld schwer.

Geduld einüben, das könnte am zweiten Advent zu großem Erkenntnisgewinn führen. Was steckt denn hinter unserer Rastlosigkeit? Warum gelingt es uns nicht, die Adventszeit als Raum der Ruhe und Besinnung zu nutzen? Was hält uns denn davon ab, still zu werden, alles zu verlangsamen und den Zustand des Wartens zuzulassen? Es könnte sein, dass hinter dem immer noch Schneller und immer Mehr so etwas wie ein Verdrängungsmechanismus steckt. Denn beim Ruhigwerden könnte etwas ans Licht kommen, was wir nicht sehen wollen – ein Gefühl der Sinnlosigkeit und Leere. Rastlosigkeit kann Sinnverdrängung sein. Ungeduld ist dann unsere Strategie, dies nicht offenbar werden zu lassen. Im griechischen Urtext kennen wir zwei Wörter für Geduld. Einmal die Geduld, die Schwierigkeiten aushält. Und, wie hier verwendet, Geduld als Ausdruck des langen Atems. Es ist das geduldige gewisse und leidenschaftliche Erwarten. Mit dem Bild aus der Landwirtschaft illustriert Jakobus sein Anliegen. Ein Landwirt kann viel tun – er behandelt den Ackerboden und sät aus. Aber er ist auf den Frühregen, der den Samen angehen lässt und den Spätregen, der für das Wachsen unerlässlich ist, angewiesen. Geduldig und mit langem Atem muss er warten, dass Gott alles zu seiner Zeit schenkt und es zu einer guten Ernte kommt.

So sehe ich auch den Aufruf: „Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen.“ Tut das, was ihr tun könnt. Beackert mit euren Möglichkeiten euren Lebensacker und unsere Welt. Dann lasst Gott das Seine tun. Bringt die Geduld auf. Denn er wird alles Nötige reifen lassen. Vor allem lasst euch die Hoffnung nie nehmen: Er kommt – zu seiner Zeit, aber gewiss. Maranata. □

Foto: Rudolf Ortner/pixelio

 

Gebet

Maranata – Herr komm bald.

Komm in unser unruhige Welt und lass uns Ruhe finden.

Komm in unsere ungerechte Welt und richte dein Reich der Gerechtigkeit auf.

Komm in unsere unheile Welt und mache heil.