Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gegen die Parolen der Nazis

Seit 1930 gibt es Jahreslosungen. Den Anfang machte ein Pfarrer aus Württemberg, dessen Idee sich schnell in den evangelischen Kirchen in Deutschland verbreitete. Heute sind auch die Katholiken mit von der Partie.

Der Erfinder der Jahreslosung, Pfarrer Otto Riethmüller, kam aus Württemberg. Foto: Landeskirchliches
Archiv Stuttgart

Pfarrer Otto Riethmüller (1889 – 1938) war ein engagierter Christ. Besonders die Jugend lag ihm am Herzen. 1924 wurde er Leiter des württembergischen Mädchenwerks, 1928 übernahm er den Reichsverband weiblicher Jugend. Ab 1935 war er Vorsitzender der Jugendkammer der Bekennenden Kirche. Ein kritischer Geist, der anfangs noch Sympathien für Hitler hegte, schon bald aber merkte, was dieser wirklich im Schilde führte. So lag ihm viel daran, den Parolen der Nazis und Nationalisten Worte aus der Bibel gegenüberzustellen.

Schon 1930 entwarf er einen Bibelleseplan mit Monatssprüchen, Monatsliedern sowie einem besonderen Vers, der für volle zwölf Monate gelten sollte: Es war die heutige Jahreslosung, die schon im ersten Jahrgang auch vom Dachverband der Evangelischen Jungmännerbünde, einem Vorläufer des CVJM, übernommen wurde.

1934 schlossen sich auch die evangelischen Kirchen in Deutschland an und seither hat es ohne Unterbrechung Jahreslosungen gegeben. Ab 1969 bekamen sie dann sogar eine ökumenische Dimension: Es war das Jahr, in dem sich auch die katholische Kirche in Deutschland die Jahreslosung zueigen machte.

In der Folge konstituierte sich eine Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für das Bibellesen (ÖAB), der nun auch die Auswahl der Jahreslosung oblag. Aktuell hat sie 24 Mitglieder, darunter der Gesamtverband des CVJM in Kassel, die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland, die Deutsche Bibelgesellschaft in Stuttgart und das Katholische Bibelwerk. Auch die Bibelgesellschaften der Schweiz und Österreichs sind mit von der Partie, überdies der Gnadauer Gemeinschaftsverband und die Vereinigung Evangelischer Freikirchen.

Jedes Mitglied schlägt dabei zwei Bibelverse aus dem aktuellen Bibelleseplan vor, die dann bei der ÖABJahrestagung in Arbeitsgruppen diskutiert werden. Am Ende stimmt das Plenum ab und wählt aus den zwei Favoriten die jeweilige Jahreslosung aus. Die Festlegung findet übrigens immer drei Jahre im voraus statt, sodass heute auch schon die Jahreslosungen für 2023 und 2024 benannt sind.

Es hatte damals wohl keiner geahnt, welche Langzeitwirkung die Idee des schwäbischen Pfarrers Otto Riethmüller haben würde. Auf den geht übrigens auch das Symbol des Evangelischen Jugendwerks mit dem Kreuz auf der Weltkugel zurück.

Otto Riethmüller starb bereits 1938 an den Folgen einer Gallenoperation. Beerdigt ist er an seinem Geburtsort in Stuttgart-Bad Cannstatt. Spuren hinterlassen hat er auch als Pfarrer in Esslingen und als Liederdichter so bekannter Titel wie „Sonne der Gerechtigkeit“.

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