Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gelebte Solidarität - Impuls zur Predigt

Rut 1,16-17 Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.

Gelebte Solidarität

Impuls zum Predigttext für den 3. Sonntag nach Epiphanias: Rut 1,1-19a.

Von Charlotte Sander

 

Charlotte Sander ist Pfarrerin in der Kirchengemeinde Bodelshausen im Kirchenbezirk Tübingen.

Charlotte Sander ist Pfarrerin in der Kirchengemeinde Bodelshausen im Kirchenbezirk Tübingen. Foto: PrivatNein, hier spricht keine verliebte Frau zu ihrem Mann. Diese Worte sagt eine Schwiegertochter zu ihrer Schwiegermutter. Während einer Hungersnot waren Noomi und ihr Mann Elimelech aus Bethlehem aus Judäa fortgezogen ins Ausland, nach Moab. Ein fremdes Land, eine andere Sprache, eine andere Religion. Wirtschaftsflüchtlinge würde man heute sagen. Dort in der Fremde geht zunächst alles gut. Aber Elimelech stirbt. Die herangewachsenen Söhne heiraten Töchter des Landes, Andersgläubige. Doch dann ereignet sich eine Tragödie. Die jungen Männer sterben auch und Noomi entschließt sich in die alte Heimat zurückzukehren. Sie will in Heimaterde begraben werden. Eine Schwiegertochter bleibt in Moab zurück, doch Rut nimmt den Weg in die Fremde auf sich. Sie begleitet ihre Schwiegermutter. Sie wagt sich in ein neues Leben, wechselt die Seiten. Bislang war sie die Einheimische gewesen und ihr Mann der Fremdling mit der anderen Sprache und Religion. Nun ist sie die Fremde. Aus Liebe und Respekt ihrer Schwiegermutter gegenüber macht sie sich auf die Reise.

Auch wenn diese Bibelverse zu den beliebtesten Trautexten gehören, geht es hier nicht um romantische Liebe oder um ein Eheversprechen. Das Thema ist vielmehr die Nächstenliebe oder anders gesagt die Solidarität. Rut ist solidarisch mit ihrer Schwiegermutter. Nicht allein mit Worten. Sie verlässt die Komfortzone in ihrem Heimatland und geht mit in ein ihr fremdes Land. Sie hat sich entschieden, mit Haut und Haar. Komme, was da wolle. „Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.“

Diese entschiedene Solidarität begegnet uns in Krankenpflegern und Ärztinnen, die bei den Patienten ausharren, sich kümmern, sich ansprechen lassen, auch wenn sie selbst müde sind. Wir treffen sie bei den vielen Ehrenamtlichen, die sich für Flüchtlinge einsetzen und sich vor der Hölle der Lager nicht grauen. Engagement zeigen Lehrer und Sozialarbeiterinnen, die auch schwierige Kinder und Jugendliche nicht aufgeben, sondern mit ihnen und für sie neue Wege für ein gelingendes Leben suchen. Ich denke auch an die vielen, gerade in den Kirchengemeinden, die die Trommel für eine gerechtere Welt schlagen und sich in der „Eine-Welt“ Bewegung engagieren.

Solidarität - Rut nimmt den Weg in die Fremde auf sich

Die Liste ließe sich lange fortsetzen. Allen ist gemein, dass sie die Perspektive wechseln können wie Rut. Sie macht sich die Not und den Kummer von Noomi zu eigen. In ihr, der „Andersgläubigen“, spiegelt sich der mitgehende Gott „JHWH“ – ich bin mit dir – wieder. Auf ihn, den Gott Israels vertraut sie und es gelingt ihr und Noomi, wieder Fuß zu fassen in Bethlehem.

Rut ist in der Bibel noch eine besondere Ehre zu Teil geworden. Sie ist eine der wenigen Frauen, die im Stammbaum Jesu mit Namen erwähnt werden. Sie, die Migrantin, die Ausländerin, war die Urgroßmutter von König David. Ihre Solidarität, ihre Hingabe und Liebe sollten nie vergessen werden. So kann Rut auch für uns ein Vorbild werden, Nächstenliebe und Solidarität zu üben.

Foto: Tim Marshall/UnsplashFoto: Tim Marshall/Unsplash

 

Gebet

Herr, unser Schöpfer und Begleiter.

Du bist der mitfühlende und mitgehende Gott.

Hilf uns, dass wir lernen die Perspektiven zu wechseln, dass wir die Not der Anderen sehen.

Schenke uns die Kraft, ihnen beizustehen.

Eine uns im Tun des Gerechten und in der Liebe.

Amen.

 

Charlotte Sander ist Pfarrerin in der Kirchengemeinde Bodelshausen im Kirchenbezirk Tübingen.