Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gemeinsam um Frieden bitten

BAD WURZACH (Dekanat Ravensburg) – Seit Mai laden die christlichen Kirchen von Bad Wurzach einmal im Monat zu einem Friedensgebet ein. Regelmäßig versammeln sich dann zwischen 80 und 150 Menschen auf dem Klosterplatz.

Friedensgebet auf dem Klosterplatz Bad Wurzach

Die Teilnehmer halten sich zum Abschluss an den Händen. (Foto: Barbara Waldvogel)

Zum Beten kann man in die Kirche gehen oder sich daheim ins stille Kämmerlein zurückziehen. Aber es geht auch unter freiem Himmel, in aller Öffentlichkeit, zum Beispiel auf dem Klosterplatz von Bad Wurzach. An jedem ersten Sonntag im Monat wird dort um 18 Uhr zum Friedensgebet von der evangelischen, katholischen und neuapostolischen Kirche sowie der Freien Christengemeinde eingeladen – und viele kommen. Zwischen 80 und 150 Männer, Frauen und Kinder versammeln sich regelmäßig, seit die Aktion im Mai startete.

Die Idee dazu hatte vor rund eineinhalb Jahren Rosi Müller von der katholischen Kirchengemeinde, und sie stieß damit auf begeisterte Zustimmung bei Mitgliedern der anderen christlichen Gemeinden. Nach einer Vorbereitungsphase wagte man den ersten Anlauf – ohne jegliche Erwartungen, was den Zuspruch betraf. Doch bereits die erste Einladung zum Friedensgebet stieß auf beachtliche Resonanz und beflügelte das Organisationsteam. Inzwischen hat die Zahl der bunten Fähnlein mit Bitten, Gebeten und Anmerkungen zum Frieden beachtlich zugenommen. Sie hängen auf einer Leine, rechts und links vom Plakat zur Jahreslosung, Psalm 34,15, die passgenau auf das Anliegen der Initiative hinführt: „Suche Frieden und jage ihm nach“.

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Sehnsucht nach Einheit im Glauben

Die Bitten auf den schmalen Stoffresten sind mal von kindlicher Hand geschrieben: „Lieber Gott, ich wünsche mir, dass alle Kinder etwas zu essen haben.“ Mal belegen sie tiefe Glaubenserfahrungen und Lebensweisheiten. „Echte Einheit besteht aus dem Reichtum der Verschiedenheit“, steht da unter anderem, und damit wird die tiefe Sehnsucht der Veranstalter dokumentiert: nach Einheit und Verbindung im christlichen Glauben.

Seinen regelmäßigen Beitrag leistet auch der katholische Pfarrer Stefan Maier. So lässt er immer pünktlich eine Viertelstunde vor sechs die Glocken läuten. Und wenn es um sechs Uhr regnen sollte, könnten die Friedensleute in die prachtvolle Barockkirche St. Verena oberhalb des Klosterplatzes einziehen. Allerdings war das in diesem Sommer bislang nicht nötig. Selbst wenn sich, wie am 1. September, dunkle Wolken am Himmel vorbeischoben – um 18 Uhr ist alles vergessen und der Klosterplatz von Sonnenlicht überflutet.

"Gib uns Frieden jeden Tag"

An diesem Tag haben Christine und Rainer Reschetzki von der neuapostolischen Kirche das Friedensgebet vorbereitet, Barbara Harscher begleitet mit der Oboe die bekannten Friedenslieder „Wo Menschen sich vergessen“ und „Gib uns Frieden jeden Tag“. Extra für die Gebetsrunde wurde ein kleines Heft mit sechs Liedern gedruckt, das vor jeder Andacht ausgeteilt und nachher wieder eingesammelt wird. Denn es soll ja weitergehen, dieses inständige Bitten um den Frieden in der Welt – was gerade an diesem Sonntag in Erinnerung an den Überfall auf Polen und damit den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 besonders eindrücklich vor Augen liegt.

Ökumenische Friedensinitiative

Bezüge zu aktuellen Ereignissen oder Gedenktagen hält die Bad Wurzacher Pfarrerin Barbara Vollmer, die die ökumenische Initiative sehr begrüßt, für durchaus wünschenswert. Gleichwohl sind sich die Aktiven einig, dass man sich gezielter politischer Äußerungen enthalten sollte.

Christine Reschetzki liest die Geschichte von Cornelius Schneider über „Das kleine Frieden“. Darin bringt der Autor auf den Punkt, wie schwierig es doch der Frieden in der Welt hat: gejagt, politisch missbraucht, unverstanden und in unserem Land – nach 74 Jahren – als alltägliche Selbstverständlichkeit nicht mehr wirklich wertgeschätzt. Wie Frieden funktionieren kann, hat bereits vor rund 800 Jahren Franz von Assisi in einem Gebet zusammengefasst, das Rainer Reschetzki spricht: „Herr mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens, dass ich liebe, wo man hasst; dass ich verzeihe, wo man beleidigt; dass ich verbinde, wo Streit ist; dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist; dass ich den Glauben bringe, wo Zweifel droht …“

An einer Leine reihen sich die Friedensanliegen rund um die Jahreslosung auf. (Foto: Barbara Waldvogel)

Friedensgebet weckt Hoffnung

Das gemeinsame Friedensgebet in Bad Wurzach weckt Hoffnung. Auch Hoffnung auf mehr. So wird es im Oktober vom Partnerschaftsverein erarbeitet. Und Christine Silla-Kiefer, Religionspädagogin und Prädikantin im Ruhestand, wünscht sich, dass eines Tages auch Muslime aus dem Städtchen mit seinem hohen Türken-Anteil auf dem Klosterplatz mitbeten können. Noch gehen sie vorbei, wenn sich die Menschenmenge beim eindrucksvollen Schlussgebet an den Händen hält und im großen Kreis gemeinsam das Vaterunser spricht.

 

 

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