Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gerechte aus den Völkern - Impuls zur Predigt

Apostelgeschichte 10,24-25 Und am folgenden Tag kam er nach Cäsarea. Kornelius aber wartete auf sie und hatte seine Verwandten und nächsten Freunde zusammengerufen. Und als Petrus hereinkam, ging ihm Kornelius entgegen und fiel ihm zu Füßen und betete ihn an.

 

Gerechte aus den Völkern

Impuls für 3. Sonntag nach Epiphanias: Apostelgeschichte 10,21-25.

Von Gerhard Schäberle-Koenigs

Pfarrer Gerhard Schäberle- Koenigs ist Referent beim Dekan in Calw. (Foto: Privat)

Pfarrer Schäberle-König, Calw

Lukas erzählt in seiner Apostelgeschichte sehr aufwendig, wie es dazu kommt, dass der jüdische Jesusjünger Petrus in das Haus des römischen Besatzungsoffiziers Kornelius einkehrt und dort freudig empfangen wird. Für das Wachsen der Christengemeinde über die Grenzen des jüdischen Landes und Volkes hinaus ist diese Begebenheit entscheidend.

Höhepunkt der Geschichte ist, wie Petrus etwas für ihn Neues entdeckt. Staunend bricht es aus ihm heraus: „Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht, sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und Recht tut, der ist ihm angenehm.“

Ob ein Mensch bei Gott willkommen ist, hängt allein davon ab, ob er Ehrfurcht hat vor Gott und ob er Gerechtigkeit übt. Es hängt nicht von seiner Herkunft ab, nicht von seiner Hautfarbe, auch nicht davon, welcher sozialen Schicht er angehört. Nicht von seiner Kleidung, ob sie vornehm ist oder eher armselig. Und schon gar nicht von seinem Ansehen in der Öffentlichkeit. Gott sind auch Angehörige von Völkern außerhalb Israels willkommen. Das ist Petrus aufgegangen.

Diese Einsicht war gar nicht so neu. In seinem eigenen Volk lebt seit Urzeiten die Tradition und Glaubensüberzeugung, dass Gottes Heil der ganzen Menschheit gilt, ohne dass alle Juden werden müssten. „In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden“, versprach Gott Abraham (1. Mose 12,31).

» ... dass Gottes Heil der ganzen Menschheit gilt «

Besonders der Prophet, auf den der zweite Teil des Jesajabuchs zurückgeht, betont, dass Gottes Heil allen Völkern bereitet ist: „Der Fremde, der sich dem Herrn zugewandt hat, soll nicht sagen: Der Herr wird mich getrennt halten von seinem Volk“. Und: „Die Fremden, die sich dem Herrn zugewandt haben, ihm zu dienen“, will ich „erfreuen in meinem Bethaus“ (Jesaja 56,3.6f.). Der „Fremde“ bleibt dennoch Angehöriger seines Volkes. Er wird nicht Israelit dadurch, dass er Gottes Namen heilig hält. Aber Gott erfreut ihn in seinem Heiligtum.

Jüdische Weise formten daraus den Begriff „Gerechte aus den Völkern“. Sie meinen damit gottesfürchtige Nichtjuden, die zwar nicht alle 613 Gebote der Tora halten konnten, aber doch gewillt sind, die für alle Menschen grundlegenden Gebote zu befolgen. Gerechte aus den Völkern orientieren sich in ihrem Verhalten an der Gerechtigkeit Gottes. In den letzten Jahrzehnten wurden die „Gerechten aus den Völkern“ weiten Kreisen bekannt. Der Staat Israel würdigt und ehrt mit diesem Titel Menschen, die während der Verfolgung der Juden Einzelnen oder Mehreren das Leben gerettet haben.

Petrus war mit Jesus drei Jahre unterwegs gewesen und hatte erlebt, wie sein Meister immer wieder Grenzen überschritt und sich „Fremden“ zugewandt hatte, die nicht zum Volk Gottes gehörten. Gewiss, Jesus schlug Widerspruch entgegen und er erhielt Todesdrohungen wegen seines freimütigen Umgangs mit „Fremden“. Bisweilen spürte er auch selbst Hemmungen, sich auf Angehörige anderer Völker einzulassen. Als ihn eine Frau aus Syrophönizien um Hilfe bat, musste er sich erst überwinden lassen (Matthäus 15,21ff.).

Auch Petrus musste sich überwinden, in das Haus eines Fremden einzukehren. Doch es geht offenbar beides zusammen. Petrus bleibt immer Angehöriger des jüdischen Volks. Er lebt getreu den Geboten. Und pflegt dennoch Umgang mit Menschen aus anderen Völkern, die Gott fürchten und Gerechtigkeit praktizieren.

Kornelius war einer davon. Er lebte in der Gewissheit, dass der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs allein Gott ist. Und er gab reichlich Almosen. Er wurde aber nicht Jude. Er blieb Römer oder was auch immer er war.

Lukas erzählt die Geschichte von der Begegnung dieser beiden so unterschiedlichen Menschen als einen entscheidenden Schritt zur Ausbreitung des Glaubens an Jesus Christus bei allen Völkern. Dass daraus später eine grundsätzliche Abwertung der Glaubenspraxis Israels erwuchs, als sei die Bewahrung der Gebote Gottes durch das jüdische Volk überhaupt nichts mehr wert und nur noch zu verachten, muss man ihm nicht vorhalten.

Vielmehr steht noch aus, dass wir Christen in Wahrheit erkennen, was das für unser Handeln bedeutet: Gott fragt nicht danach, woher jemand kommt, sondern ob er das Rechte tut.

junge Menschen Sonnenuntergang

Foto: Unsplash

 

Gebet

Himmlischer Vater, dein Sohn Jesus Christus zeigt uns deine Liebe, die über alle Grenzen hinweg gilt.

In ihm können wir sehen und spüren, dass dein Heil allen Menschen gilt.

Komm zu uns mit deiner Güte und sprich das Wort, das unsere Seelen gesund macht.

Amen.

 

 

 

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Meinungsumfrage

Wollen Sie die Sommer- oder die Winterzeit behalten, wenn es keine Zeitumstellung mehr gibt?

Ergebnis anzeigen