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Gerettet dank der Jahreszeit - Pfingstmontag

Der Pfingstmontag verlängert ein Fest – wie der Ostermontag und der zweite Weihnachtsfeiertag. Doch im Gegensatz zu diesen ist der Tag nach dem Pfingstfest immer wieder Streichkandidat, wenn ein Feiertag wegfallen soll. Vor 25 Jahren war dies sogar schon beschlossen.

Als langes Wochenende im Frühsommer ist der Pfingstmontag beliebter Ausflugstag für Familien. Seine Abschaffung durch die Regierung von Erwin Teufel (unten) führte 1995 zu großen Protesten. Foto: Kzenon/Adobe Stock, picture-allianceAls langes Wochenende im Frühsommer ist der Pfingstmontag beliebter Ausflugstag für Familien. Seine Abschaffung durch die Regierung von Erwin Teufel (unten) führte 1995 zu großen Protesten. Foto: Kzenon/Adobe Stock, picture-alliance

Am Pfingstmontag zur Arbeit gehen. Für ein knappes halbes Jahr mussten sich Arbeitnehmer in Baden-Württemberg mit diesem Gedanken anfreunden. Genauer gesagt vom 30. November 1994 bis zum 23. März 1995. Am ersten Datum strich der Landtag in Stuttgart den Pfingstmontag als arbeitsfreien Tag.

Am zweiten Datum führte er ihn wieder ein. Den Feiertag betraf dies letztendlich praktisch alles nicht: er war im Jahr 1995 erst am 5. Juni. Eine kuriose Episode in der Geschichte dieses Tags, der – Stand heute – weiter in allen 16 Bundesländern arbeitsfrei ist. Nicht überall aber wird er von Pfingstferien umgeben. Zweiwöchige Ferien, bei denen das Pfingstfest meist am Anfang steht, gibt es nur in Baden-Württemberg und Bayern.

Wo aber kommt dieser Feiertag her? Wie der zweite Weihnachtsfeiertag und der Ostermontag verlängert der Pfingstmontag ein christliches Hochfest und war einst Teil einer Oktav: Jedes der drei Feste wurde mit achttägigen Feiern begangen. Wie an Weihnachten und Ostern verkürzte sich das Fest im Laufe der Jahrhunderte zunehmend, bis jeweils nur ein zweiter Festtag übrigblieb.

Doch der Pfingstmontag ist anders. Er hat keine eigene Erzählung wie der zweite Weihnachtsfeiertag, der als Stephanustag an den ersten Märtyrer erinnert, und der Ostermontag, in dessen Zentrum die Emmaus-Jünger stehen, die Jesus nach seiner Auferstehung begegnet sind.

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Diese fehlende eigene Erzählung war auch Argument in der Debatte 1994. Der Bundestag hatte zur Einführung der Pflegeversicherung den Ländern aufgetragen, einen Feiertag zu streichen, um den Arbeitgeber-Anteil auszugleichen. Während die meisten Bundesländer sich für den Buß- und Bettag entschieden, favorisierte Baden-Württemberg die Abschaffung des Pfingstmontags. Die Kirchen im Land waren gegen jedwede Streichung eines Feiertags.

Ministerpräsident Erwin Baden-Württemberg, Erwin Teufel, CDUTeufel (CDU) erklärte am 10. November 1994 im Landtag: Während der Pfingstmontag keinen eigenen liturgischen Charakter habe, solle der Buß- und Bettag als einziger Feiertag mit eindeutig protestantischem Profil geschützt werden. Deswegen habe man sich schweren Herzens entschieden, den Pfingstmontag als gesetzlichen Feiertag zu streichen.

Die Verteidiger des Pfingstmontags hoben dagegen dessen kulturelle Bedeutung hervor. Als Tag von traditionellen Heimatfesten, Sporttreffen, als langes Wochenende für Familien, das der Gastronomie sehr zugutekomme. Und auch die Jahreszeit spielte in der Diskussion eine Rolle. Sie sei „zwar kein wichtiges Argument, aber eines, das man, weil es um die Bedeutung für Familien und die Möglichkeit zu Kultur und zu Begegnungen geht, nicht heruntermachen sollte“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Maurer. Letztlich stimmte der Landtag bei vielen Gegenstimmen und Enthaltungen aber für die Abschaffung des Pfingstmontags als gesetzlichem Feiertag. Danach kam es zu heftigen Protesten, welche die Regierung überraschten. Vor allem die Bedeutung des Pfingstmontags als etablierter Termin für Feste und Ausflüge wurde betont. Auch die Gastronomen protestierten. Unter dem großen Druck machte die CDU einen Rückzieher und der Landtag beschloss am 23. März 1995, den Pfingstmontag wieder zum Feiertag zu machen und strich dafür den Buß- und Bettag.

Den seitdem letzten großen Vorstoß für eine Streichung des Pfingstmontags gab es 2005, als Unternehmer klagten, dass in Deutschland „zu wenig gearbeitet“ werde und das Land im Wettbewerb zurückfalle. Der Vorschlag wurde aber von allen Parteien außer der FDP abgelehnt. □

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