Christliche Themen für jede Altersgruppe

Geschenkte „Mutausbrüche“ - Impuls zur Predigt

Markus 16,1-8 (in Auszügen) Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.

Geschenkte „Mutausbrüche“

Impuls für den Ostersonntag: Markus 16,1-8.

Von Ralf Albrecht

Ralf Albrecht ist Prälat von Heilbronn. Foto: Gottfried Stoppel

Was für ein unersetzlicher Fest-Tag! Der Geburtstag der neuen Welt. Das wird an Ostern neu – damals und bei uns heute: Endlich ist Schluss mit ruhig. Die Frauen gehen am ersten Tag ans Grab – und alles kommt ganz anders. Alles kommt sehr früh in Gang. Und die Sonne geht auf. Gerade jetzt. Der schwerste Stein der Weltgeschichte, die Platte am Grab, ist weggerollt. Ein Toter müsste dort liegen, stattdessen sitzt zur Rechten ein leuchtend weiß gekleideter ganz Junger. Mehr kann sich nicht ändern als in dem Moment, wenn das Wort laut wird: „Jesus. Er ist auferstanden. Er ist nicht hier.“

Ralf Albrecht ist Prälat von Heilbronn. Foto: Gottfried StoppelSeit Ostern bleibt in unserer Welt und in unserem Leben kein Stein mehr auf dem anderen. Jesus ersteht auf – und in unserer Welt, in unserer Kirche und in meinem Herzen geht die Sonne auf. Der erste neue Tag. Und wir feiern ihn seither jeden Sonntag, so umwälzend neu ist alles geworden. Jeden Sonntag ein kleines Ostern, und diesen Ostersonntag wieder das ganz große Osterfest. Kein buntes Frühlingsband, das durch die Lüfte flattert, kein fröhlicher Eiertausch unter Familien, sondern das ewige Leben besiegt den Tod. Erstmals und endgültig. Mehr geht nicht zu versetzen. Mich versetzt das in Staunen, Loben, Feiern. Wow.

Im Bibeltext geht es anders weiter. Jesus ist auferstanden. Und sie gehen und fliehen. Sie zittern und zagen. Sie fürchten und schweigen. Davon sind sie ergriffen. Und wir bis heute mit ihnen. Stell dir vor, es ist Ostern und alle sind entsetzt. Gründe dafür gäbe es genug. Sie bleiben aktuell, die Beben sind groß und heftig. Und es wird eben auch gesagt: „Er ist nicht hier“ – zu sehen ist er also nicht.

Furcht und Sorge wird alle nach Ostern weiter begleiten. Ostern räumt nicht einfach mit unserer Angst auf. Fast scheint es so, als würde es uns mit fahler Hand „ergreifen“, das Entsetzen. Denn zu sehr plagen uns die Beben dieser weiten Welt und in meinem engen Leben. Und die inneren und äußeren Beben in unseren Kirchen und Gemeinden, die uns ins Entsetzen versetzen – rund um Gewalt und Relevanzverlust, Konflikt und Auseinanderdriften.

Der erste neue Tag

Was dann aber? Nichts, aber auch gar nichts an unserer Furcht kann Ostern ungeschehen machen. Der Stein ist weggerollt. Das Grab ist leer. Der helle, junge Bote verkündigt unverdrossen: „Jesus ist auferstanden“. Ostern ist also keine Belohnungsveranstaltung für Furchtlose. Sondern ein Trostfest für Angsthasen. Seit Ostern schenkt Gott uns Entsetzten immer wieder „Mutausbrüche“.

Und jede und jeder, gefangen in ihrer und seiner Angst, auf der Flucht und sprachlos, bekommt Ostern zugesprochen: Jesus lebt! Ja – das trägt: „Er ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!“ □

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Foto: Ina Hochreuther, TulpeFoto: Ina Hochreuther

 

Gebet

Auferstandener Herr!

Mitten in unserer Furcht: Deine Auferstehung siegt.

Auf unserer Flucht: Dein neues Leben holt uns ein.

Wir schweigen: Du sprichst uns die Osterfreude zu.

Danke für Oster-Glaube und Oster-Hoffnung.

Amen.