Christliche Themen für jede Altersgruppe

Geschichten und Gottes Segen - Kinderkirche

MARBACH – Vor fünf Jahren traf Lieselotte Maier beim Spaziergang in den Weinbergen einem Mann, der sie ansprach: Er war vor 40 Jahren bei ihr in die Kinderkirche gegangen. „Ich bin gern zu Ihnen gegangen ‒ Sie haben bei mir eine gute Saat gelegt“, sagte er zu der 84-Jährigen, die von der Begegnung strahlend erzählt. Ein Spiegelbild ihres sieben Jahrzehnte langen Engagements.

Brenzmedaille Lieselotte Maier

Lieselotte Maier und die Türchen, hinter denen sich von jedem Kind eine Karte versteckt.
Foto: Stefanie Pfäffle

Zum 40-jährigen gab es für Lieselotte Maiers großen Einsatz ein Schreiben vom Landesbischof, zum 50- und 60-jährigen eine Urkunde und 1999 die Brenzmedaille. Jetzt kam, nach 70 Jahren, noch eine weitere Ehrung dazu. Dabei fing alles mit einer simplen Frage an. Nach Maiers Konfirmation 1949 wollte der damalige Pfarrer wissen, ob sie nicht als Helferin bei der Kinderkirche einsteigen möchte. „Damals gab es noch viel mehr Kinder, die im Anschluss an den Gottesdienst in der Stadtkirche betreut wurden“, erinnert sich die Seniorin. „Dann bin ich da halt so reingewachsen.“

Schnell bekommt Lieselotte Maier ihre erste eigene Gruppe. Um sich fortzubilden, besucht sie immer wieder Lehrgänge im Haus der Kinderkirche in Beilstein. Im Herbst 1955 zieht es die gelernte Buchhalterin in die Ferne. Für zwei Jahre geht sie als Haushaltshelferin zu einer Familie nach Schweden. „36 Stunden hab ich gebraucht, das war komplizierter, als wenn heute junge Leute nach Chile gehen, um ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen“, sagt Maier lachend. „Es war eine atheistische Familie, aber ich hab mich da unheimlich wohl gefühlt, raus aus dem engen Deutschland.“ Sie selbst geht in den Mädchenkreis der deutschen Gemeinde St. Gertrud in Stockholm.

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Im Herbst 1959 ist es wieder der Pfarrer, der sie anspricht. „Er wollte im neuen Johannes-Brenz-Gemeindehaus einen Kindergottesdienst einführen, weil es in der neuen Siedlung hier so viele Kinder gab“, erinnert sie sich. „Eigentlich sollte ich nur zum Helfen kommen, aber nach zwei Sonntagen meinte er: ,ach, das können Sie auch alleine‘ – und dabei ist es dann geblieben“, erzählt die fröhliche Frau grinsend.

Damals hat sie allerdings noch Helfer, immerhin kamen jede Woche um die 50 Kinder, die in drei Gruppen betreut wurden. Jeden Freitagabend reserviert Maier für die Kinderkirche, um das Wochenthema und die Umsetzung zu besprechen. Erst als das Helfertreffen vor einigen Jahren auf Dienstag verlegt wird, geht Lieselotte Maier nicht mehr hin. „Da hab ich Kirchenchor und ich kann mich ja nicht verrupfen.“

Ein großer Einschnitt erfolgt, als das Johannes-Brenz-Gemeindehaus verkauft wird. Die Kinderkirche macht Pause, weil sie nicht wissen, wohin. 2008 wird eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Pfarrhaus Ost frei und zu einem Andachtsraum umfunktioniert, in dem ab da auch die Kinderkirche von Lieselotte Maier ihren Platz hat. Seitdem ist sie allein.

Kinderkirche - Kinder brauchen eine feste Struktur

Doch gerade das Geregelte tue den Kindern gut. „Als ich zu den Älteren meinte, sie können doch jetzt auch in die Stadt gehen, wollten die das nicht, weil da jede Woche jemand anders sei.“ Sie selbst sagt von sich, sie sei vermutlich ein bisschen antik.

Die Kinderkirche hat denselben Ablauf wie zu ihren Anfängen. Begrüßung, Lied, Liturgie mit Psalmgebet, Monats- und Wochenspruch dürfen die Kinder lesen und dann erzählt sie die biblische Geschichte. „Es gab mal eine Zeit, da hieß es, man müsse das Ganze kreativ gestalten und umsetzen, aber das kann ich nicht“, gibt sie offen zu. Doch gerade diese Struktur scheint den Kindern zu gefallen, es tue ihnen gut, sich an einem festen Ablauf orientieren zu können.

Natürlich habe sie sich manchmal auch gefragt, ob das Ganze überhaupt Sinn ergibt. „Aber wenn mich dann die Kinder fröhlich auf der Straße grüßen, weiß ich, sie kommen, weil sie wollen und nicht, weil sie geschickt werden.“ Das hält sie auch nach 70 Jahren noch bei der Stange und die Kinder halten die Rentnerin jung.

Die Kinderkirche ist nicht das Einzige, was Lieselotte Maier mit ihrer Gemeinde verbindet. Von 1974 bis 1995 war sie Kirchenpflegerin und Kirchenbezirksrechnerin, in den 80ern engagierte sich Maier im Landesausschuss für Kinderkirchenhelfer und noch heute richtet sie das Pfarramt Ost für die Frühandachten her. Froh wäre sie allerdings, wenn ihr jemand die Agentur für das Gemeindeblatt abnehmen würde. Den Kindern will sie dagegen erhalten bleiben. „Ich hab da so einen ganz Eifrigen, der meinte, er wisse, warum ich das so gut mache, weil ich von Gott besonders gesegnet sei und ich würde das doch auch noch eine Weile machen“, erzählt Lieselotte Maier lächelnd. Solange das Interesse so da ist, wird sie das tun.

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