Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gewaltenteilung mit Schnüren

Von den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges bis zur demokratischen Neuordnung geht der Weg in der Erlebnisausstellung „In bester Verfassung“. Anlass für die Wanderaustellung ist das 70-jährige ­Bestehen des Grundgesetzes. 

Wie tariert man Machtverhältnisse aus? Schnüre und ein Tennisball veranschaulichen, wie staatliche Kräfte zusammenarbeiten müssen. (Foto: Margot Autenrieth-Kronenthaler)

Nicht nur in der Präambel des Grundgesetzes gibt es einen Gottesbezug. Deshalb bieten Kirchengemeinden und kirchliche Gemeinschaften Raum für die Ausstellung „In bester Verfassung“, die der ehemalige Pastor Tim Behrensmeier entworfen hat.

 

 

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Die evangelische Kirchengemeinde Bühlenhausen (Dekanat Blaubeuren) und die Süddeutsche Gemeinschaft vor Ort zeigten die Wanderausstellung in Berghülen. „Die Kirchen tragen Verantwortung für das gesellschaftliche Miteinander“, findet Barbara Riek, Kirchengemeinderätin aus Bühlenhausen. „Auch sind die zehn Gebote und das christlich-jüdische Menschenbild ins Grundgesetz verwoben worden.“ Sie hat sich mit anderen Gemeindegliedern von Kurator Behrenmeier als Ausstellungsführerin instruieren lassen. „Die Leute sind sehr angetan von der Ausstellung. Es beschäftigt einen“, sagt sie.

Statt textlastiger Schautafeln gibt es verdunkelte Erlebnisräume. Der Besucher erfährt, vor welchem Hintergrund das zunächst als vorläufige Verfassung gedachte Grundgesetz entstanden ist. Im ersten Raum werden Filmsequenzen aus den letzten Tagen des Krieges gezeigt. Jugendliche im Schützengraben, Bombenalarm, Sirenenheulen. „Das habe ich noch heute im Ohr“, meint eine ältere Besucherin. Die Zeit nach dem Krieg mit Trümmerfrauen und Flüchtlingsströmen wird thematisiert.

„Auf drei Hügeln gründet Deutschland. Auf Golgatha, auf der Akropolis und auf dem Kapitol“, zitiert der Kurator den ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss. Das Kreuz auf Golgatha stehe für die Sehnsucht nach Vergebung und nach einer Auferstehung Deutschlands nach dem Krieg. Die Akropolis sei Symbol für die freie Meinungsäußerung als Wesen der Demokratie und das Kapitol in Rom stehe für das Rechtsideal, das kein Ansehen der Person kenne. „Man muss sie als Einheit sehen“, sagt Tim Behrensmeier. Sie seien laut Heuss die Garanten der Menschenwürde.

Menschen in einem Käfig erinnern in einem anderen Raum an ein Experiment im Kopenhagener Zoo. Die Frage nach der Menschenwürde wird gestellt. Im nächsten Raum wird in die Zeit der Reformation geführt, als das einfache Volk anhand der Bibel Lesen und Schreiben lernte und damit auch das kritische Denken. „Die zehn Gebote sind in die Verfassungsgebung aller Demokratien eingeflossen“, sagt der Kurator. „Alle Menschen haben als Geschöpfe Gottes denselben Wert, daraus resultiert das jüdisch-christliche Leitbild der Menschenwürde in der Demokratie.“ Ungeheuer viele und wichtige Errungenschaften sind durch dieses Leitbild entstanden. Von den Frauenrechten über die Krankenpflege, die Pädagogik, die Schulpflicht bis hin zur Religionsfreiheit oder den Sozialversicherungen. „Der Sozialstaat wäre nicht vorhanden, wenn es dieses Leitbild der Menschwürde nicht gäbe“, betont der Kurator.

Historische Kinosessel laden ein, Filmsequenzen aus der Zeit anzusehen, als das Grundgesetz eingeführt wurde. Zur Gewaltenteilung gibt es ein Experiment mit Schnüren, an denen ein Ball fixiert ist. Mehrere Besucher müssen ihre Kräfte gut austarieren, um den Ball auf einen Flaschenhals legen zu können.

Pastor Simon Weigt von der Süddeutschen Gemeinschaft sagt: „Man kann heutzutage leicht gegen alles Mögliche sein. Man sollte den Blick auf das werfen, was wir haben. Das Grundgesetz ist ein Geschenk, eine der besten Verfassungen weltweit.“ Sein Kollege Pfarrer Johannes Koch gibt zu bedenken, dass viele Menschen nicht mehr recht begreifen könnten, wieso unser Staat an vielen Stellen gerne mit den Kirchen kooperiere, da Glaube ja Privatsache sei. „Der Staat schätzt es, wenn es Religionsgemeinschaften gibt, die sich in der Pflicht sehen, zu einem gedeihlichen Miteinander in der Gesellschaft ihren Beitrag zu leisten, etwa in der Bildungsarbeit.“ 

 

Information

Die Ausstellung „In bester Verfassung“ ist sowohl für christliche Gemeinden als auch für säkulare Veranstalter buchbar. Durch örtliche Bezüge bei der Ausgestaltung kann die Ausstellung dem jeweiligen Ausstellungsort angepasst werden. Kurator Tim Behrensmeier bietet zielgruppenorientierte Führungen an, unter anderem für Kirchengemeinden, Stadtverwaltungen, Schulen und kirchliche Gruppen wie Konfirmanden. Es gibt üblicherweise ein Bistro mit Bewirtung und der Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die Ausstellung ist dieses Jahr noch zu sehen in Hemmingen (21. September bis 2. Oktober), Heidenheim (5.  bis 20. Oktober.), Althengstett (4. bis 17. November) und Crailsheim (10. bis 23. November). Es können bereits Termine für die Jahre 2020 bis 2024 gesichert werden.

Informationen im Internet unter www.grundgesetzausstellung.de