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Gewichtige Württemberger - Vier Bundespräsidenten

Vier der zwölf deutschen Bundespräsidenten haben einen mehr oder weniger starken Bezug zu Württemberg: Theodor Heuss, Richard von Weizsäcker, Roman Herzog und Horst Köhler. Wir stellen sie vor und zeigen, wo und wann sie hierzulande gewirkt haben.

Standarte des Bundespräsidenten. Foto: Elya, quelle: wikipediaStandarte des Bundespräsidenten. Foto: Elya, quelle: wikipedia

Theodor Heuss

Der erste aller deutschen Bundespräsidenten war ein gestandener Liberaler, dessen politische Prägung bis ins Kaiserreich zurückreichte.

1884 im württembergischen Brackenheim geboren, studierte Theodor Heuss in München und Berlin, griff für seine Doktorarbeit in Nationalökonomie aber doch ein einheimisches Thema auf: „Weinbau und Weingärtnerstand in Heilbronn am Neckar“. Dem Rotwein war er auch zugeneigt, zusammen mit einer guten Zigarre war das für ihn der Inbegriff „produktiver Behaglichkeit“.

Theodor Heuss, Bundespräsident. Bundesarchiv, Foto: Sir JamesProduktiv war Theodor Heuss in hohem Maße: als Journalist, Parteipolitiker, Verbandsfunktionär und Studienleiter. In der Weimarer Republik saß er für die liberale DDP im Reichstag, eine der großen parteipolitischen Stützen der ersten deut-schen Demokratie. Sie schrumpfte freilich auf ein Minimum und Heuss stimmte mit dem verbliebenen Rest schließlich resigniert dem Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten zu. Ein Nazifreund war er dennoch nicht. Nach 1933 verlor er das Gros seiner Ämter und konnte nur durch die Unterstützung seiner Ehefrau Elly Heuss-Knapp überleben, die ihr Geld mit Rundfunk- und Kinowerbung verdiente.

Nur mit knapper Not entging Heuss einer Verhaftung durch die Gestapo. 1943 flüchtete das Ehepaar aus Berlin nach Heidelberg-Handschuhsheim. Nach dem Krieg händigte man ihm die Lizenz für die Rhein-Neckarzeitung aus, für die er im Anschluss eine Vielzahl von Leitartikeln schrieb. Zugleich wurde er auch wieder als Dozent aktiv und unterrichtete ab 1948 an der Technischen Hochschule in Stuttgart Politikwissenschaften.

Theodor Heuss, Bundespräsident von 1949 - 1959. Foto: Bundesarchiv

Zugleich wurde Heuss Vorsitzender der FDP, doch seine Energie widmete er hauptsächlich der Arbeit am Grundgesetz. Seine politische Tätigkeit verstand er zunehmend überparteilich, sodass in Kombination mit seiner unbelasteten Vergangenheit daraus auch die Nominierung als Bundespräsident erfolgte.

Theodor Heuss setzte sich im zweiten Wahlgang gegen Kurt Schuhmacher durch und blieb zwei Amtszeiten, von 1949 bis 1959. Bemerkenswert war, dass er sich stets für eine schonungslose Aufarbeitung der NS-Vergangenheit einsetzte, in einer Zeit, in der die meisten nichts mehr damit zu tun haben wollten. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er auf dem Stuttgarter Killesberg, im Dezember 1963 starb er. Sein Stuttgarter Haus und das Geburtshaus in Brackenheim sind heute Museen.

Richard von Weizsäcker

Der beliebteste aller Bundespräsidenten wurde 1920 im Neuen Schloss in Stuttgart geboren. Sein Großvater Karl Hugo war Ministerpräsident in Württemberg und vom dortigen König geadelt worden.

Richard von Weizäcker, ehemaliger Bundespräsident. Foto: BundesarchivViel mitbekommen hat Richard von Weizsäcker von seiner Geburtsstadt Stuttgart nicht, denn noch im gleichen Jahr zog die Diplomatenfamilie nach Basel um. Die nächsten Stationen waren Kopenhagen, Oslo und Bern sowie schließlich Berlin, wo der Vater Ernst von Weizsäcker Staatssekretär unter den Nationalsozialisten wurde.

Sein Sohn Richard verteidigte ihn bei den Nürnberger Prozessen, ließ in seiner politischen Laufbahn aber keinen Zweifel an seiner Einstellung zur nationalsozialistischen Vergangenheit: Es war vor allem die Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes 1985, die in die Geschichte einging. Bundespräsident Richard von Weizsäcker, 1984 gewählt, ließ keinen Zweifel daran, dass der 8. Mai 1945 als „Tag der Befreiung“ zu verstehen war und nicht etwa der Besatzung. Wenige Jahre später wurde Weizsäcker der erste Präsident des vereinten Deutschlands. Seine Wiederwahl hatte 1989 überwältigende Zustimmung gefunden, bis heute schnitt kein Präsident besser ab. Richard von Weizsäcker verstarb im Alter von 94 Jahren 2015 in Berlin.
Richard von Weizäcker, Bundespräsident von 1984 - 1994. Foto: Bundesarchiv

Roman Herzog

Der Name klingt immer noch nach dem rollenden R und jener „Ruck-Rede“, die er am 26. April 1997 in Berlin hielt. Ob es den Ruck in Deutschland dann tatsächlich gegeben hat, ist umstritten, mehr als einmal wurde die Formulierung satirisch in die Mangel genommen.

Roman Herzog hatte 1934 im bayerischen Landshut das Licht der Welt erblickt. Er wurde Privatdozent an den Universitäten in München und Berlin. 1970 trat er in die CDU ein und war dort unter anderem fünf Jahre lang Bundesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises.

Roman Herzog, Bundespräsident von 1994 - 1999. Foto: Doco, wikipedia

Roman Herzog, Bundespräsident. Foto: Doco, wikipedia1973 berief der damalige Ministerpräsident Helmut Kohl Herzog als Staatssekretär nach Rheinland-Pfalz, fünf Jahre später holte ihn Lothar Späth in sein Kabinett nach Baden-Württemberg. Hier wurde Roman Herzog erst Minister für Kultus und Sport, 1980 dann Innenminister. Am 20. Dezember 1983 wechselte der Jurist als Vizepräsident zum Bundesverfassungsgericht, 1987 wurde er dessen Vorsitzender.

Eigentlich hatte die CDU/CSU 1994 schon einen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten. Doch der, Steffen Heitmann, disqualifizierte sich durch ein paar unbedachte Äußerungen und so kam Roman Herzog ins Spiel. Am 23. Mai 1994 setzte er sich im dritten Wahlgang gegen Johannes Rau durch.

1999 schied Herzog nach einer Amtszeit wieder aus, 2000 starb seine Ehefrau Christiane. Ein Jahr später heiratete er erneut und kehrte nach Baden-Württemberg zurück: Mit Alexandra Freifrau von Berlichingen verbrachte er seinen Lebensabend auf der Götzenburg in Jagsthausen, auf dem dortigen Friedhof ist er auch beerdigt.

Horst Köhler

Bevor Horst Köhler 2004 als Bundespräsident kandidierte, kannte ihn in der breiten Öffentlichkeit kaum einer. Zwar hatte er namhafte Positionen beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband sowie dem Internationalen Währungsfonds inne, aber ein gestandener Parteipolitiker mit jahrzehntelanger Kampferfah-rung war er nicht. Ob das womöglich ein Grund für den bis heute etwas rätselhaften Rücktritt im Mai 2010 war, darüber kann nur spekuliert werden.

Dabei begann alles sehr vielversprechend. Horst Köhler wirkte wie ein Politiker, der eigentlich keiner war. Einer aus einem anderen Bereich der Gesellschaft, den dieses Land vertragen konnte.

Horst Köhler, ehemaliger Bundespräsident. Foto: Searobin, wikipediaEr kam aus einer schlesischen Flüchtlingsfamilie, im Februar 1943 wurde er im heute polnischen Heidenstein (Skierbieszów) geboren. Über den Umweg Leipzig landete er mit seiner Familie 1957 im württembergischen Ludwigsburg, das für ihn zur Heimat werden sollte.

Horst Köhler studierte Volkswirtschaft und Politikwissenschaften in Tübingen, war in der Grundsatzabteilung des Bundeswirtschaftsministeriums tätig und gehörte zu den maßgeblichen Unterhändlern des Vertrags von Maastricht. Ein Mann mit Qualitäten, die sich oft hinter den Kulissen entfalteten.

2004 wurde er zur Überraschung vieler von der CDU als Bundespräsident nominiert und gewählt. Umstrittene Äußerungen über den Afghanistan-Einsatz und die darauf folgende Kritik ließen ihn zurücktreten. Er ist Württemberger geblieben und tritt öffentlich nur sehr sporadisch in Erscheinung. □

Horst Köhler, Bundespräsident von 2004 - 2010. Foto: Searobin, wikipedia

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