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Gewiefter Geschäftsmann - Lucas Cranach

Lucas Cranach der Ältere war mehr als nur ein Maler: In der Lutherstadt Wittenberg machte er Karriere als Verleger, Bürgermeister, Stadtrat, Immobilienbesitzer und künstlerischer Leiter des sächsischen Hofes. Seine Werkstatt war so durchorganisiert, dass sie Porträtbilder in Serie fertigte. Vor 550 Jahren, im Oktober 1472, wurde Cranach geboren.

Magazin des Museums in Weimar. PressebildMagazin des Museums in Weimar. Der Bilderausstoß von Lucas Cranach war geradezu phänomenal. Foto: Pressebild

Für wohlhabende Menschen waren Apotheken gute Geldanlagen. Auch der Hofmaler des Kurfürsten von Sachsen war ein wohlhabender Mann. Doch als Lucas Cranach in der Schlossstraße in Wittenberg in eine Pharmazie investierte, dachte er weiter: Wer Apotheker war, hatte Zugang zu den besten Farben und Rohstoffen. Vor allem Blau war begehrt, hergestellt aus dem orientalischen Lapislazuli-Stein, da musste man erst einmal drankommen. Blau war das Gold der mittelalterlichen Maler.

Als Lucas Cranach der Ältere 1520 seine Wittenberger Apotheke erwarb, hatte er bereits Karriere gemacht. 1505 war er an den Hof Friedrichs des Weisen nach Sachsen berufen worden, mit einer umfassenden Zuständigkeit für alle künstlerischen und kunsthandwerklichen Bereiche. Ob es um die Dekoration von Hoffesten ging, die Ausgestaltung der Prachträume oder die Inszenierung von Turnieren: Keiner kam an Cranach vorbei.

Sein Kerngeschäft jedoch war die Malerei. Damit hatte er sich schon bei seiner letzten Station in Wien einen Namen gemacht, die Porträtierung seines Landesherrn und seiner Getreuen wurde zu seiner zentralen Aufgabe. Er bewältigte sie mit Dutzenden von Gesellen, die nach seinen Vorgaben ganze Bilderserien ausmalten. Der Meister gab die Umrisse vor und die Farbgestaltung, die Mitarbeiter führten aus. Wer den Chef persönlich wollte, zahlte entsprechend mehr.

Nur so ist es zu erklären, dass am Ende seines Schaffens schätzungsweise etwa 5000 Bilder standen, davon 150 Porträts von Martin Luther. „Der schnellste Maler“ steht als lateinische Inschrift auf seinem Grabmal auf dem Jakobsfriedhof in Weimar. Nicht umsonst trägt eine neue Ausstellung in Weimar den Titel „Cranachs Bilderfluten“: Der Hofmaler des Kurfürsten und Freund Luthers verstand sich auf rationalisierte Arbeitsabläufe und standardisierte Malmethoden, die auch die rasche Erledigung von Großaufträgen erlaubten.

Überdies hatte der Meister wahrlich auch noch anderes zu tun: Er ließ sich in den Stadtrat wählen, reiste in diplomatischer Mission in die Niederlande und knüpfte Kontakte zu den Reformatoren um Martin Luther.

Für viele ist Lucas Cranach der Maler der Reformation, doch zeitlebens unterhielt er auch zu katholischen Fürstenhäusern gute Beziehungen. Er arbeitete für den altgläubigen Kaiser Maximilian I., für Albrecht von Brandenburg und den albertinischen Herzog Georg den Bärtigen. Wer mit allen konnte, war entsprechend gut im Geschäft, und wenn Cranach eines hatte, dann einen ausgeprägten Geschäftssinn.

Bereits 1508 hatte ihm der Kurfürst ein eigenes Familienwappen verliehen. Die geflügelte Schlange mit Rubinring im Maul sollte sein Gütesiegel werden. Fortan gehörte er zur „High Society“ des Hofes und arbeitete mit Inbrunst an seinem Netzwerk der wichtigen Leute.

Porträts wie vom Fließband

Mit den Humanisten pflegte er ebenso einen regen Austausch wie mit Albrecht Dürer. Der berühmte Nürnberger freilich blieb zeitlebens eher ein Individualist, jedes der Dürer-Bilder war ein Unikat, das so einfach nicht vervielfältigt werden konnte. Bei Cranach hingegen war Kopieren keine Schande, sondern ein Geschäftsmodell: Brauchte man von den Höflingen nach ein paar Jahren eine neue Ansicht, so versah man die alte Vorlage mit ein paar zusätzlichen Falten und grauen Barthaaren.

Bis zu 60 gemalte Einzeltafeln mussten angefertigt werden, wenn es um die Verbreitung eines neuen Herrscherporträts ging. Eine Art Autogrammkarte der frühen Neuzeit, bei der der Fürst auf jedem Bild auch genau gleich aussehen sollte. Die Firma Cranach konnte auch das in kürzester Zeit liefern.

Lucas Cranach weitete seine Einflusssphäre in Wittenberg immer weiter aus: Er erwarb ein Wirtshaus, eine Weinhandlung, betrieb eine Buchhandlung und einen Verlag. Als ihm der Sitz im Stadtrat nicht mehr genügte, ließ er sich zum Bürgermeister wählen und bestimmte fortan auch politisch die Geschicke der Stadt.

Längst waren seine Söhne Hans und Lucas mit in die Werkstatt eingestiegen, Letzerer sollte unter dem Namen Lucas Cranach der Jüngere ebenfalls zu einer recht berühmten Persönlichkeit werden.

Der Vater jedoch hielt bis ins hohe Alter die Zügel in der Hand. Mehrere Kurfürsten überlebte Lucas Cranach der Ältere und ging mit einem, Johann Friedrich, sogar ins Exil, als der 1547 nach Augsburg fliehen musste. Es war die Zeit des Interims, als es so aussah, als ob die Lutheraner doch noch einmal ins Hintertreffen geraten würden.

1552 freilich war alles wieder beim Alten und die Reformation samt ihren Errungenschaften endgültig akzeptiert. Martin Luther selbst war da schon sechs Jahre tot, der 80-jährige Hofmaler Lucas Cranach hingegen immer noch am Leben. Er ging sogar mit seinem Kurfürsten in die neue Residenzstadt nach Weimar, wo er 1553 starb. Die Werkstatt in Wittenberg führte sein Sohn Lucas weiter. Ähnlich wie sein Vater brachte er es dort zum Ratsherrn und einflussreichen Geschäftsmann. Ein Cranach durch und durch, mit einem ausgeprägten Sinn für die Kunst und das Gewerbe. □

malerei, pinsel, leinwand. Foto: Steve Johnson, pexelsFoto: Steve Johnson, pexels

Lucas Cranach und sein Leben

1472 Geburt in der fränkischen Kleinstadt Kronach. Ausbildung zum Maler.

1502/03
Arbeit als Geselle in Wien, Nähe zum Kaiserhof.

1505 Berufung zum Hofmaler in Wittenberg bei Kurfürst Friedrich dem Weisen.

1512/13
Hochzeit mit Barbara Brengbier, Geburt von Sohn Hans.

1515
Geburt des Sohnes Lucas, der sein Nachfolger wird.

1519
Ratsmitglied in Wittenberg.

1525
Trauzeuge bei der Hochzeit Martin Luthers.

1537
Bürgermeister von Wittenberg.

1547
Flucht mit dem Kurfürsten ins Exil nach Augsburg.

1552
Rückkehr und Umzug in die neue Residenz nach Weimar.

1553
Tod in Weimar.

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Im Cranach-Haus in Wittenberg, Markt 4, kann man die Welt wie vor 500 Jahren erleben, täglich geöffnet.Ab 1. November ist montags Ruhetag: Telefon 03491-4201912, www.cranach-stiftung.de.

In der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar gibt es eine neue Dauerausstellung mit dem Titel „Cranachs Bilderfluten“, Telefon 03643-545400, www.klassik-stiftung.de