Christliche Themen für jede Altersgruppe

Glaube wächst - Impuls zur Predigt

Lukas 17,5-6 Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und verpflanze dich ins Meer!, und er würde euch gehorsam sein.

Glaube wächst

Impuls für den 15. Sonntag nach Trinitatis: Lukas 17,5-6.

Von Bärbel Barthelmeß

Bärbel Barthelmeß ist Pfarrerin an der Christuskirche in Ulm-Söflingen. Foto: Privat

„Vertrauen kann jeder“, „Gib dir die Liebe, die du verdienst“, „It’s All Good“. Ein willkürlicher Blick auf die Spiegel-Bestsellerliste Sachbuch zeigt, dass wir mit unserer Sehnsucht nach Selbstheilung, Selbststärkung und Selbstbestimmtheit nicht so weit entfernt sind von dem Anliegen der Apostel damals: „Stärke uns den Glauben“. Irgendwie spüren wir ein immerwährendes Defizit, das uns, wie es mir scheint, auf eine rastlose Suche schickt nach einem Mehr, Besser, Effizienter. Nie ist es genug, nie ist es gut genug. Der Unterschied zwischen damals und heute liegt allerdings darin, dass wir die Antwort auf unser Suchen in uns selbst suchen, während die Apostel sich an Jesus wandten.

Warum bitten die Apostel, dass Jesus ihnen den Glauben stärkt? Vielleicht sind sie beeindruckt von seinen Wundern und wollen es ihm gleichtun, vielleicht spüren sie, dass die Beziehung, die Jesus zu seinem Vater im Himmel hat, eine ganz andere Qualität besitzt als die ihre.

Bärbel Barthelmeß ist Pfarrerin an der Christuskirche in Ulm-Söflingen. Foto: PrivatDie Antwort Jesu ist allerdings alles andere als tröstlich oder ermutigend. Sie reiht sich ein in eine ganze Sammlung von Ermahnungen, in denen die Apostel für mangelnde Geduld, Dankbarkeit, Demut, Vertrauen und eben auch für ihren Glauben gescholten werden. Es gehe nicht um die Quantität des Glaubens, sondern um die Qualität. Wenn diese stimmt, dann reiche selbst eine Winzigkeit an Glauben, dass man Wunder vollbringen könne.

Dieser Glaube ist aber keine Eigenkreation, sondern gleicht eher einem Samenkorn, von dem man nicht weiß, wann es auf welchen Boden fällt. Das kann bei der Taufe geschehen. Das kann durch Eltern oder Großeltern langsam wachsen, die ihrem Kind Glaubensvorbilder sind. Das kann auch eine unvermutete Begegnung sein. Das eigentliche Wunder ist das Geschenk des Glaubens, der mich in eine ganz besondere Beziehung zu Gott bringt.

Der Glaube ist aber auch keine Kraft oder kein Vermögen, die ich in mir ansammeln kann, sondern er entsteht und wächst aus der Beziehung zu Gott. Vielleicht wäre es für die Apostel damals besser gewesen, sie wären nicht mit einer Forderung an Jesus herangetreten, sondern hätten vertrauensvoll um den Glauben gebetet.

Geschenk des Glaubens

Denn der Glaube ist ein Geschenk, um das man bitten kann und darf. Ob und inwieweit diese Bitte erhört wird, wird sich in jeder Lebenslage neu zeigen müssen.

Dietrich Bonhoeffer hat es einmal in die bekannten Worte gefasst: „Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.“ Nicht also aus mir heraus, sondern aus solchem Gottvertrauen erwächst Glaube. Vielleicht findet sich deshalb kein Glaubensratgeber auf Bestsellerlisten.

Foto: unsplash/Matteo Kutufa, San Quirico d’Orcia, ItalienFoto: unsplash/Matteo Kutufa, San Quirico d’Orcia, Italien

Gebet

Christus, unablässig suchst du jeden, der nach dir sucht und sich fern von dir glaubt.

Mach uns bereit, jederzeit unser Leben in deine Hände zu legen.

Während wir dich noch suchen, hast du uns schon gefunden.

So arm unser Gebet auch sein mag: Du hörst uns zu, weit mehr, als wir es erahnen und glauben können.

Amen.

Gebet aus Taizé, EG S. 1422