Christliche Themen für jede Altersgruppe

Glücklich und selig preisen

Die Jahreslosung hebt das Glück hervor, Gott nahe zu sein. Wer in theologischen Wörterbüchern nach dem Stichwort „Glück“ sucht, findet aber nicht sehr viel. Ist Glück in der Bibel kein Thema? Indirekt schon. Wörter wie Freude und Friede tragen die Bedeutung des Glücks in sich. 


Frieden, Freiheit, Glück. Danach strebt der Mensch, und die Bibel weist den Weg dorthin. (Foto: epd-Bild)


In der Bibel gibt es mehrere Begriffe, die in eine ganz ähnliche Richtung wie Glück weisen: Das sind vor allem Worte wie Segen, Freude und Frieden (hebräisch: „schalom“). Dabei bedeutet „schalom“ nicht nur Frieden im Sinne einer Zeit ohne Krieg und Kampf, sondern Frieden im Sinne einer umfassend heilen Schöpfung, eines glücklichen, gelingenden Lebens in einer heilen Beziehung zu Gott und den Menschen.

Wenn von Glück die Rede ist, wird an anderen Stellen schlicht und einfach davon gesprochen, dass dem Menschen „Gutes“ widerfährt („tob“). Schalom und tob im Sinne eines vollendeten, erfüllten Glücks kann der Mensch aber aufgrund seiner Endlichkeit und Unvollkommenheit aus sich selbst heraus nicht erreichen. Sie sind immer Geschenk und Gabe Gottes.  Auch Glück im Sinne von Glücklich-Sein, von Freude, Lebensfreude, ja Glückseligkeit ist in der Bibel durchaus ein Thema: Die Freude an der Schöpfung, die Freude am Miteinander, die Freude an der Arbeit, an Musik, Fest und Feier. Die Freude an Gott, die Freude mitten im Leid.

Nicht umsonst betont die Weisheitsliteratur der Bibel immer wieder die gesundheitsfördernde Kraft der Freude. So heißt es in den Sprüchen: „Ein fröhliches Herz tut dem Leib wohl, aber ein bedrücktes Gemüt lässt die Glieder verdorren.“ Und an anderer Stelle heißt es: „Herzensfreude ist Leben für den Menschen, Frohsinn verlängert ihm die Tage. Neid und Ärger verkürzen das Leben und Kummer macht alt vor der Zeit.“

Der Prediger Salomo stellt fest, dass alles Glück des Menschen unverfügbar und unergründbar ist. Gott selber sieht er als Geber und Garanten des Glücks. Er kann es geben, aber auch wieder nehmen. Alles, was ist, hat seine Zeit. Alles ist vergänglich. Dem Menschen bleibt nichts Besseres als fröhlich zu sein und sich gütlich zu tun in seinem Leben: „Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.“

Was Jahrtausende lang für die Menschen „Glück“ bedeutet hat, zeigt der Schlussteil des Buches Hiob: Wohlstand, Häuser, Viehherden und eine große Familie werden hier genannt. Aber auch die Wertschätzung anderer, Gottesfurcht, ein langes Leben. Und ein Sterben, wenn man genug vom Leben geschmeckt hat. Für lange Zeit wird dem frommen Hiob das Lebensglück genommen. Dennoch hält er in allem Leid an seinem Gottvertrauen fest.

Leid bewältigen

Der vielen bis dahin so selbstverständliche Begriff des Glücks in dem Sinne, dass es uns immer und für alle Zeiten gut gehen muss, wird hier schon erheblich verändert und erweitert. Ein gutes Leben umfasst demnach auch die Bewältigung des Schweren. Wer selbst angesichts von Leid und Tod nicht am Sinn des Lebens verzweifelt und noch im dunkelsten Tal an seinem Gottvertrauen festhält, hat die Erfüllung gefunden, so die Botschaft des Hiobbuches.

Jesus hat den Weg zum gelingenden, glücklichen Leben in den Seligpreisungen gewiesen: Nicht die Reichen und Mächtigen werden hier glückselig genannt, sondern die sich bewusst sind, dass sie vor Gott nichts vorzuweisen haben („die arm sind vor Gott“). Ebenso die Sanftmütigen. Die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten. Die Barmherzigen. Die ein reines Herz haben. Die Friedensstifter und die, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden.

Tugenden im Sinne der antiken Philosophen spielen bei Jesus aber keine Rolle. Er spricht vielmehr von Gott, der nicht in einer menschenfernen Höhe geblieben ist, sondern hinabstieg in die Tiefe menschlichen Leids. Damit macht er seine eigene Bestimmung, seinen eigenen Auftrag deutlich und zeigt seinen Jüngern: „Wie Gott in eure Niederungen herabkommt, so steigt ab in die Niederungen um euch her.“

Jörg Zink meint, was lieben im Sinne Jesu meint, müsse sich immer auch in einem Statusverzicht zeigen: „Gottes umfassende Liebe und seine Herabkunft in das Dasein, ja in das Herz des Menschen – das sind die zentralen Elemente in der Gottesverkündigung Jesu. Beide miteinander drücken aus, was Gott tut und was der Mensch, der von ihm berührt wird, zu tun berufen ist.“ Die Liebe, die sich ganz dem anderen hingibt, schenkt dem Menschen das Lebensglück. Und indem sie zum anderen fließt, fließt sie auf zu mir selbst zurück.

Jesus hat davon gesprochen, dass er den Menschen die Fülle des Lebens schenken möchte. Ein frohes, sinnerfülltes Leben ist damit gemeint. Eine unvergängliche Freude. Für den Evangelisten Johannes ist Freude ein wesentliches Merkmal des Menschen, der „in Christus“ neu geboren wurde, also in einer persönlichen Beziehung zu ihm steht. Dies nennen Christen „Glauben“.

Glauben ist ein persönliches Vertrauensverhältnis zu Jesus Christus. Das Vertrauen, von ihm, dem lebendigen und auferstandenen Gottessohn, geliebt und getragen zu sein in allen Situationen des Lebens.

Die ersten Christinnen und Christen verstanden die Freude, die sie erfüllte, als eine Wirkung des Heiligen Geistes. In der Apostelgeschichte heißt es von ihnen: „Sie waren voll Freude und erfüllt vom Heiligen Geist.“ (Apg. 13, 52) Von Freude und vom Heiligen Geist erfüllt zu sein, ist hier also ein und dasselbe.

 „Ich bin für dich da“ – das ist schon in der Hebräischen Bibel der Name Gottes. Wo Gott, wo Jesus Christus, wo sein Heiliger Geist  ist, da wird der Mensch von diesem inneren Glück erfasst: Der tiefen Freude und festen Gewissheit, dass ihn nichts und niemand von der Liebe des dreieinigen Gottes trennen kann. Selbst Krankheit und Leid nicht, ja nicht einmal der Tod.

Ich verstehe Glück daher in diesem Sinne als eine von Gott geschenkte Gabe der heiteren Sorglosigkeit, wie Jesus sie lehrte: ein positives Gestimmtsein der Seele, eine helle Grundmelodie des Lebens, eine grundsätzlich bejahende Lebenshaltung, zu der ich trotz mancher leichter oder schwerer Verstimmungen immer wieder zurückkehre. Der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch hat dieses Lebensgefühl, das von tiefer Freude und Vertrauen in Gott geprägt ist, treffend einmal so beschrieben:

„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit, Gott nahm in seine Hände meine Zeit, mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen. Mein Triumphieren und Verzagen. Das Elend und die Zärtlichkeit.“

Diese bejahende, positive Haltung zum Leben hat drei Dimensionen: Ich fühle mich versöhnt, im Einklang mit mir selbst, so wie ich derzeit bin, mit meinen Mitmenschen, mit denen ich zusammen lebe, mit meinen Lebensumständen, und mit Gott, der mir das Leben schenkt und es erhält.

Natürlich kann dieses Gefühl des grundsätzlichen Versöhnt- und im Einklang-Sein bei einer Krankheit oder Krise wieder ins Wanken kommen. Schon morgen kann alles ganz anders aussehen und ich kann durch einen Unfall, einen Schicksalsschlag aus dem Gleichgewicht geraten. Aber dann bedarf es eben erneut einer intensiven Auseinandersetzung mit der veränderten Situation, damit ich auch sie bewältigen und mich nach einiger Zeit auch damit wieder aussöhnen kann.

Es ist eines der Geheimnisse glücklicher Menschen, dass sie diese Auseinandersetzung mit neuen Entwicklungen immer wieder aktiv angehen und nicht ständig über jedes kleine Problem in ein Lamento verfallen. Sie sehen sich selbst für ihr Glück verantwortlich und schieben niemand anderem die Schuld an irgendwelchen Schwierigkeiten zu, die auf sie zukommen. Vielmehr versuchen sie alles, um diese aktiv zu bewältigen. Sie wissen, dass das Glück ihnen nicht nur in den Schoß fällt.

Es ist sowohl ein Widerfahrnis – „Gnade“ sagt die christliche Tradition dazu – als auch eine daraus erwachsende Lebenshaltung, die das Leben, wie es ist, annimmt und bejaht und es positiv zu gestalten versucht.

Wer sich versöhnt mit den wechselnden Geschicken seines Lebens, für den ist es ganz normal, dass der Alltag immer wieder Krisen und Probleme mit sich bringt. Er oder sie schiebt sie nicht auf die lange Bank, sondern tut alles, was nötig ist, sie zu lösen.

Glückliche Menschen sehen Veränderungen, die von außen auf sie zukommen, nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung und Chance an. Sie wissen, dass es am Ende Freude macht, eine große Schwierigkeit, die sich zunächst wie ein Berg vor ihnen auftürmt, bewältigt zu haben. Und sie kennen das Geheimnis des ersten Schritts. Sie wissen, dass es bei größeren Aufgaben sehr stark darauf ankommt, zunächst einmal anzufangen. Die Aufgabe in kleine Teile zu zerlegen, und dann fröhlich mit dem ersten Schritt zu beginnen.


Buch-Tipp

Der Autor Wolfgang Riewe war Chefredakteur der evangelischen Wochenzeitung „Unsere Kirche“ in Bielefeld. Dem Thema Glück hat Riewe ein ganzes Buch gewidmet, aus dem der Auszug entnommen ist:



Wolfgang Riewe: Glück. Was uns Zufriedenheit und innere Erfüllung schenkt. Luther-Verlag 2012. 198 Seiten, gebunden, 14,95 Euro.

ISBN 978-3-785-806-197.



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