Christliche Themen für jede Altersgruppe

Glücksfall für die Gemeinde

BAD WALDSEE – Seit Anfang der Pandemie stellen viele Kirchengemeinden ihre Gottesdienste online. Dazu braucht es nicht nur die entsprechende Ausrüstung, sondern auch Menschen, die sie einrichten und bedienen können. In Bad Waldsee ist es der zwölfjährige Aaron Leipziger, der seit einem Jahr die Gottesdienste aufnimmt und ins Netz stellt.

Aaron Leipziger auf der Empore. (Foto: Barbara Waldvogel)


Mit Beginn der Pandemie fiel beim „Zappen“ durch die Internetseiten der Kirchengemeinden im Kirchenbezirk Ravensburg auf, dass die Gottesdienste aus dem oberschwäbischen Kurort Bad Waldsee bereits kurz nach dem Lockdown online gingen. Und besonders bemerkenswert dabei: Hinter diesen Aktivitäten steckte ein Junge, damals gerade mal elf Jahre alt. Schier unfassbar. Doch wer sich mit Aaron Leipziger über Ton- und Video-Technik unterhält, dem wird sofort klar: Hier steht ein junger Mensch, der sich zu diesen Themen bereits viel Wissen angeeignet hat. Selbst Fachleute bringt er damit zum Staunen. „Wenn Aaron für seine Ausrüstung ein Zusatzgerät kauft, dann kann es schon vorkommen, dass er erst einmal den Fachhändler aufklären muss, um was es sich dabei handelt“, sagt Aarons Vater Uwe Leipziger, Kirchengemeinderat in Bad Waldsee. Er unterstützt seinen Sohn bei allen technischen Einrichtungen und ist auch sonntags bei den Video-Aufnahmen in der Kirche mit dabei.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Der überwiegende Teil der technischen Ausstattung, seien es Mischpulte, Kameras oder zig Mikrofone, gehören Aaron persönlich. Doch wie kann man in so jungen Jahren auf einem solch hohen technischen Level agieren? „Ich habe schon mit vier Jahren meine erste Box mit Mikrofon bekommen“, sagt Aaron. Ein paar Jahre später war er bereits als DJ unter anderem an den närrischen Tagen unterwegs, was in der Fasnetshochburg Bad Waldsee schon eine gewisse Ehre bedeutete.

Seine Fächer sind Musik und Mathe

Wieder etwas älter geworden, verkaufte er diese Ausstattung, um sich voll auf Ton- und Videotechnik zu spezialisieren. So betreute er bereits 2019 das weihnachtliche Krippenspiel in der Kirche, und als dann bei der ersten Welle der Pandemie die Kirchentüren geschlossen wurden, schlug seine große Stunde.

Mit der Zeit wurde die Aufnahmetechnik immer weiter verfeinert. Dafür mussten viele Kabel verlegt, Stromkreise aufgespürt, neue Kameras und Mikrofone angeschafft werden, und wer heute die Orgelempore betritt, fühlt sich angesichts der technischen Gerätschaften fast in ein Fernsehstudio versetzt. Hier ist Aaron in seinem Element, genauso wie im Gemeindehaus nebenan, wo er dann am Laptop die Videos weiterverarbeitet.

„Für die Gemeinde ist das Vater-Sohn-Gespann ein Glücksfall“, sagt Pfarrerin Birgit Oehme, die anfangs allerdings ihre Probleme mit der neuen Technik hatte. „Für mich hat ein Gemeindegottesdienst etwas Intimes, das eigentlich nicht in alle Welt gestreamt werden sollte“, sagt sie. Aber dann war beim ersten Lockdown das Gotteshaus geschlossen. Und als es wieder geöffnet werden durfte, gab es wegen der Hygienebestimmungen viel weniger Sitzplätze. So sei sie über ihren Schatten gesprungen und habe sich filmen lassen. Inzwischen fänden es ältere, aber auch jüngere Gemeindemitglieder ganz angenehm, von zu Hause aus an der Feier teilnehmen zu können. Bemerkenswert ist für die Pfarrerin aber vor allem, dass sich Aaron jeden Sonntag zwischen 8 und 8.30 Uhr gerne in die Kirche aufmacht. Und dies, obwohl er während der Woche jeden Morgen um 5.45 Uhr aus den Federn muss, da er das Studienkolleg St. Johann in Blönried besucht.

Im nächsten Schuljahr möchte Aaron gerne in die Technik-AG der Schule. Bislang spielt er mit seinem Saxophon im Vororchester. Bei diesen Hobbys sind seine Lieblingsfächer eigentlich klar: Musik und Mathe. Und wie sieht es mit Religion aus? Kein Problem. Biblische Geschichten sind ihm bei diesem fleißigen Kirchenbesuch jedenfalls bestens vertraut.