Christliche Themen für jede Altersgruppe

Goodbye, Billy Graham!


Billy Graham

Der erste, der mir von Billy Graham erzählt hat, war mein Vater: Als 17-Jähriger war er mit Freunden vom CVJM nach Mannheim gefahren, um den damals schon berühmten amerikanischen Baptisten-Prediger zu hören. 1955 war das, Graham gerade 36 Jahre alt. Das Stadion war voll, die Stimme eindringlich, am Ende gingen viele nach vorne, um ihren Glauben zu bekennen. Es muss ein beeindruckendes Erlebnis gewesen sein.Das zweite Mal, dass mir der Name Billy Graham begegnete, war 1980. Da hatte ich gerade meine Liebe für die Musik des amerikanischen Folk- und Countrysängers Johnny Cash entdeckt. Cash und Graham waren dicke Freunde. Cash trat immer wieder auf den Evangelisationen Grahams auf, Billy Graham wiederum in Shows von Cash. Sogar auf einer Cash-Platte aus den frühen Siebzigerjahren ist Graham verewigt.

Ende der 80er-Jahre ging ich für ein Jahr zum Studium in die USA. Es war die Zeit, als mehrere amerikanische Erweckungsprediger über irgendwelche Skandale stolperten. Billy Graham war nie darunter. Zeitlebens blieb er sich treu und predigte nicht Wasser, um anschließend Wein zu trinken.

Ein bisschen sauer aufgestoßen ist mir aber doch manches an ihm: Seine große Nähe zu den Mächtigen dieser Welt, vor allem den amerikanischen Präsidenten. Vor allem mit Nixon verband ihn eine Freundschaft, die ich ziemlich bedenklich fand. Dann aber las ich, dass Billy Graham sich in der Zeit der Rassentrennung geweigert hatte, schwarze und weiße Besucher seiner Evangelisationen getrennt zu platzieren. Eine großartige Haltung, die mir noch heute imponiert. Graham als Menschenfreund und Vordenker, als mutiger Christ, der mehr auf Gott als auf die Menschen hört.

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1992 war ich wieder in Portland, Oregon (USA) und genau einen Tag zu spät dran, um dort Johnny Cash und Billy Graham bei einer ihrer letzten gemeinsamen Veranstaltungen zu sehen. So sollte mir verwehrt bleiben, was mein Vater fast 40 Jahre zuvor geschafft hatte: Billy Graham live zu erleben. Zum Ausgleich kaufte ich mir die Biographie Grahams, in der ich vor wenigen Tagen wieder einmal blätterte und erstaunt feststellte: Er wird ja 100 Jahre alt in diesem November!

Nun erscheinen diese Zeilen, die ich eigentlich zum Geburtstag schreiben wollte, etwas früher und etwas anders: Goodbye Billy Graham, er war ein Jahrhundertereignis, auch wenn er nun mit 99 gestorben ist.