Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gott als Hirte - Impuls zur Predigt

Hesekiël 34,15-16 Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der Herr. Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist.

 

Gott als Hirte

Impuls zum Predigttext für Misericordias Domini: Hesekiël 34,1-16.31.

Von Roland Spur

Roland Spur ist Pfarrer zur Dienstaushilfe in Stuttgart- Bad Cannstatt.

Mit dieser Metapher lässt Gott seine Pläne durch den Propheten Hesekiël überbringen. Er kündigt Konsequenzen an. Gott will selbst die Schafe weiden und die suchen, die in die Irre gingen. Er will verbinden, wo jemand verletzt ist, dafür sorgen, dass Schwache und Verwundete zur Ruhe kommen, ohne Angst vor den Bösen. Luther übersetzt allerdings ein Wort in Vers 16 anders als es im hebräischen Urtext steht. Nicht „behüten“ lautet dort das Verbum, sondern „vertilgen“. Die allermeisten Bibelübersetzungen bringen es auch so.

Dass Gott vertilgen, sprich zerstören will, was fett und stark ist, stößt einem zunächst auf. Ist aber einleuchtend, wenn man weiß, worauf Hesekiël hinweist.

Rolf Spur, Pfarrer in Stuttgart-Bad Cannstatt. Foto: privatDazu muss man wissen, dass sich im Altertum Spitzenpolitiker gern in Skulpturen und Bildern als Hirten darstellen ließen, schon Jahrtausende vor David, vor Hesekiël. Hirte war ein Königstitel, gern verwendet, um sich als vertrauensvoller Hüter des Volkes darzustellen. Weiden bedeutet regieren. Ein guter Hirte sorgt für echte Sozialpolitik.

Gott rechnet mit den Verantwortlichen ab. Das Bild der Hirten umfasst weit mehr als das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern oder Lehrerinnen und Schülerinnen. Es meint jede Beziehung, in der es um Verantwortung für das Wohl von anderern Menschen geht.

Und nun kommt einem Jesus in den Sinn, den man als den guten Hirten kennt. Seit Generationen. Jesus als Hirte zeigen die ältesten Darstellungen in der jungen Kirche, bereits in den Katakomben als Fresko zu finden. Jesus trägt, behütet, verbindet, versorgt, verteidigt. Und er soll nun auch vertilgen, zerstören wollen?

Probieren Sie mal aus, was passiert, wenn Sie abwechselnd eines der drei Wörter hervorheben: der – gute – Hirte. Plötzlich kann aus der vertrauten Redewendung vom „guten“ Hirten das Gegenteil auftauchen, ein schlechter Hirte, ein Spiegelbild. Um diese Spannung von schlechten Hirten und guten Hirten geht es dem radikalen Predigttext aus Kapitel 34 im Buch des Propheten Hesekiël.

Verantwortung für das Wohl von anderen Menschen

Hesekiël überbringt Gottes Urteil und begründet es. Der Kriterienkatalog ist eindeutig und plausibel. Gott rechnet mit den verantwortlichen „Hirten“ ab. Weil sie versagt haben, entzieht er ihnen nicht nur Auftrag und Amt, er übernimmt selbst das Hirtenamt. Er zieht darum auch zur Rechenschaft und bestraft alle, die verantwortungslos gehandelt haben. Einerlei ob leichtsinnig und achtlos oder vorsätzlich, egoistisch, aus Habgier, mit schlimmen Schandtaten, rücksichtslos und böse.

Zwischen Gottes Hirtenamt und Jesu Tun gibt es keinen Gegensatz und das tröstet. Er übernimmt für sich Gottes Perspektive: „Ich bin der gute Hirte, ich kenne den Vater wie mein Vater mich kennt. Ich kenne die Meinen und umgekehrt sie mich. Ich sage die Worte nicht von mir selbst aus: Wer mich sieht, der sieht den Vater, der mich gesandt hat“ (Johannes 10).


Jesus sagt nicht zu allem Ja und Amen. Er nimmt sein Amt als Hirte konsequent ernst. Todernst. Das ist nicht romantisch. Was Jesu Vater durch Hesekiël sagen lässt, wird zu Jesu Programm. So sagt er in dieser Konsequenz „Ich bin wie mein Vater: ein guter Hirte.“ Und tut es. Geradlinig.

 

Foto: pixelio/Gerhard HermesFoto: pixelio/Gerhard Hermes

Gebet

„Falsche Hirten“, immer nur der eigene Vorteil, Gott, das kennen wir. Alle tragen wir Verantwortung.

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können.