Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gott gibt uns neue Kraft - Impuls zur Predigt

Jesaja 40,30-31 Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Gott gibt uns neue Kraft

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Quasimodogeniti: Jesaja 40,26-31.

Von Rainer Köpf


Rainer Köpf ist Pfarrer in Weinstadt-Beutelsbach. Foto: Privat

 

Rainer Köpf ist Pfarrer in Weinstadt-Beutelsbach. Foto: PrivatIn Zeiten der Corona-Krise vermisse ich die Gemeinschaft sehr. Das Zusammensein im Gottesdienst, aber zum Beispiel auch in der Besenwirtschaft, ist mir wichtig. Dort esse ich manchmal mitten in der Woche zu Mittag. Meistens ist der Besen gut besucht von betagten Menschen, die hier ihren Ruhestand genießen. Viele sind prächtig gelaunt und trinken fröhlich ihr Viertele. Man kann mit 90-Jährigen am Tisch sitzen, die hochmotiviert über ihre Lebensziele berichten, zu deren Umsetzung sie noch mindestens 20 Jahre Zeit bräuchten. Von Altersschwermut keine Spur. Ich freue mich über deren vitale Lust am Dasein. Aber im selben Ort gibt es auch die Anderen. Junge Menschen, die keinen Lebensmut mehr haben und sich schwermütig und schweigend hinter ihrem Computer verschanzen. Solche, die keine Corona-Krise brauchen, um zum Stubenhocker zu werden. Seit 2005 ist die Zahl der an Depressionen erkrankten Jugendlichen in Deutschland um 76 Prozent gestiegen. Auf die Generation „Maybe“ scheint die Generation „Lustlos“ gefolgt zu sein. Ich ahne, dass Lebensfreude oder Lebensmüdigkeit keine Frage des Alters sind, sondern der inneren Perspektive.

Die Perspektive der Hoffnung war den Israeliten vor zweieinhalbtausend Jahren verloren gegangen. Sie waren nach Babylonien in die Gefangenschaft verschleppt worden und mussten fern der Heimat leben. Wenn sie die prachtvollen Tempel der Sieger sahen, fühlten sie sich von ihrem Gott im Stich gelassen. Hatte Gott sie vergessen? Sie vegetierten nur noch dahin, statt erwartungsvoll nach vorne zu leben. Sie fühlten sich „müde und matt“.

Doch das Trostwort des Propheten Jesaja öffnete ihnen das Herz: „Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen?“ Die Gebeugten wurden eingeladen, den Kopf emporzustrecken und eine neue Perspektive einzunehmen. Sie sollten sich die Welt anschauen und darin die schöpferische Kraft Gottes erkennen. „Sehet die Lilien auf dem Felde“, so ermutigte auch Jesus die Mühseligen und Beladenen in der Bergpredigt. Und Paul Gerhardt sang: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud.“

In den Anfangsjahren meines Pfarrdienstes geriet ich in ein heftiges Burnout. Obwohl ich noch jung war, fühlte ich mich manchmal uralt. Jeden Tag erlebte ich wie einen riesigen Berg, den es mühevoll zu besteigen galt.

» Gottes gute Schöpfung erkennen «

Die gesundheitliche Besserung fing damit an, dass ich mir einen Hund gekauft habe. Mit ihm spazierte ich jeden Tag „zweckfrei“ durch die Landschaft. Manchmal stand ich zwischen wogenden Getreidefeldern und spürte die liebevolle, tröstliche Gewalt der wachsenden Frucht. Ich habe die erstaunliche Entdeckung gemacht: Es wird Frühling, Sommer, Herbst und Winter, ohne dass ich dies als Ortspfarrer organisieren muss. Gott sorgt für all das. Und er sorgt auch für mich. Heute geht es mir wieder gut und ich fühle mich mit Mitte 50 dennoch jung und mitten im Leben.

Die Wunder der Schöpfung zeigen uns, dass Gott sich nicht zurückgezogen hat. Er denkt täglich an uns und segnet uns. Wer beim Anschauen des Geschaffenen zum Schöpfer gelangt, der entdeckt, dass der Urgrund unseres Seins nicht in uns selbst liegt. In Jesus Christus ist Gott Mensch geworden. Er ist die Quelle des Lebens, der uns immer wieder zum Jungbrunnen wird, weil darin die Kraft der Ewigkeit zu finden ist.

Wer „auf den Herrn harrt“, wird den Prozess des Alterns nicht aufhalten können. Aber aus der Gewissheit des ewigen Lebens kann er jede Lebensstufe mit ihren schönen und schweren Seiten in einem dankbaren Einverständnis aus Gottes Hand annehmen.

Opa und Enkelkind. Foto: Johnny Cohen/UnsplashFoto: Johnny Cohen/Unsplash

Gebet

Ich will es meinen Kindern sagen, die Enkel sollen’s alle hörn.
Wie treu du bist, an allen Tagen, wie froh ich bin, dir zu gehörn.
Solang ich lebe, dank ich dir ‒ schenk mir die Kraft dafür.
Amen.

Christoph Zehendner, aus: Solang ich lebe,
2013 Gerth Medien GmbH

 

 

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