Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gott, sei mir Sünder gnädig! - Impuls zur Predigt

Lukas 18,10-13 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher – oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!

Gott, sei mir Sünder gnädig!

Impuls zum Predigttext für den 11. Sonntag nach Trinitatis: Lukas 18,9-14.

Von Thomas Oesterle


Thomas Oesterle ist Pfarrer in Schorndorf. Foto: Privat

Thomas Oesterle ist Pfarrer in Schorndorf. Foto: PrivatUnsere Sympathien zu den Personen dieser Geschichte sind wahrscheinlich klar verteilt. Wenn wir uns aber fragen, wem wir in dieser Geschichte am ehesten gleichen, wird die Antwort nicht so eindeutig ausfallen. Der Pharisäer nimmt seinen Glauben ernst. Er betet. Er dankt. Er fastet und will damit dem Willen Gottes entsprechen. Er tut sogar mehr, als das Gesetz fordert. Dort ist nur ein einmaliges Fasten vorgeschrieben, er fastet zweimal in der Woche. Sein Glaube macht auch nicht Halt vor dem Geldbeutel. Den zehnten Teil seiner Einnahmen opfert er für die Armen und Bedürftigen. Das ist keine kleine Sache. Dieser Pharisäer lässt sich seine Überzeugung etwas kosten. In dieser Hinsicht können wir manches von dem Pharisäer lernen. Nicht der Dank ist falsch beim Pharisäer. Gott hat unseren Dank verdient. Auch nicht der Versuch, seinen Glauben mit dem Alltag zusammenzubringen. Glaube muss vielmehr Früchte bringen, wenn er echt sein soll.

Wo aber sitzt dann der Schaden des Pharisäers? Er war einer, der sich anmaßte, fromm zu sein. Er war einer von denen, die darauf vertrauten, dass sie aus eigener Anstrengung gerecht sind. Der Pharisäer baut auf sich und sein Verhalten: „Mit mir muss Gott doch zufrieden sein.“ Das mag sogar stimmen, und doch hat sich verrechnet, wer nur auf seine eigene Leistung baut. Jesus sucht Menschen, die einsehen: „Wenn es auf mich ankommt, dann bin ich vor Gott verloren. Wenn das Heil allein an mir hängt, dann habe ich keinen Anspruch, dass ich zu Gott gehöre.“ Nur im Vertrauen auf die Gnade Jesu können wir gewiss sein, dass wir vor Gott bestehen können. Martin Luther hat einmal geschrieben, dass dort, wo der Mensch sich aus eigener Kraft vor Gott rechtfertigen wolle, sein „summus affectus“ – übersetzt: „sein bester Wille“ – hochaktiv sei. Doch Luther hat diese Superaktivität kritisch beurteilt. Denn solche Menschen sind überzeugt, dass sie Gottes nicht bedürfen. Und gerade dies ist der tiefste Irrtum im Leben.

Vertrauen auf die Gnade

Doch nun zur zweiten Person, dem Zöllner. Er wagt es nicht, im Tempel nahe heranzugehen, sondern bleibt ferne. Er fühlt sich wegen seiner Schuld ausgeschlossen aus der Gottesgemeinde, und zwar verdientermaßen. Und so wagt er es nicht, die Augen oder gar die Hände zu Gott zu erheben, sondern benutzt seine Hände, um an seine Brust zu schlagen. Eine Gebärde der Verzweiflung. Der Zöllner zieht keine Vergleiche, sondern blickt allein auf sich und sein vertanes Leben, seine Schuld, seine Betrügerei. In seiner Situation gibt es keine großen Worte mehr, sondern nur noch den Gebetsruf: „Gott, sei mir Sünder gnädig.“ So findet er zu der alles entscheidenden Erkenntnis, dass bei Gott immer Umkehr möglich ist. Gottes Größe besteht darin, dass er uns gelten lassen kann trotz unserer Schwäche. Wir Menschen sind so gerne quitt mit anderen Menschen und auch mit Gott. Aber vor Gott kommen wir auf kein ausgeglichenes Verhältnis. Da braucht es den Mut, vom Empfangen zu leben, zu nehmen und nicht rückerstatten zu können. Da braucht es das Wissen, allein aus Gottes Gnade leben zu können. Denn am Ende unserer Tage werden wir alle mit leeren Händen vor unserem Gott stehen. □

Foto: Tim Mossholder/Unsplash

Gebet

Barmherziger Vater, vieles, was ich rede, kommt aus meiner Eitelkeit.

Ich möchte aber, dass mein Urteil barmherzig ist.

Ich möchte mit meinem Wort anderen Menschen gerecht werden.

Bitte hilf mir dabei.

Amen.

 

Thomas Oesterle ist Pfarrer in Schorndorf.

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