Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gott trocknet deine Tränen - Impuls zur Predigt

Jesus Sirach 35,16-21 Er hilft dem Armen ohne Ansehen der Person und erhört das Gebet des Unterdrückten. Er verachtet das Flehen der Waisen nicht noch die Witwe, wenn sie ihre Klage erhebt. Laufen ihr nicht die Tränen die Wangen hinunter, und richtet sich ihr Schreien nicht gegen den, der die Tränen fließen lässt? Wer Gott dient, den nimmt er mit Wohlgefallen an, und sein Gebet reicht bis in die Wolken. Das Gebet eines Demütigen dringt durch die Wolken.

 

Gott trocknet deine Tränen

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Rogate: Jesus Sirach 35,16-22.

Von Klaus Rieth


Klaus Rieth ist Leiter des Referats für Mission, Ökumene und kirchlicher Entwicklungsdienst des Evangelischen Oberkirchenrats.


Wenn in meinem Arbeitsbereich ein neues Projekt geplant wird, dann geht es meist um ein Konzept und dann natürlich auch um die Zielgruppe. „Je genauer du die Zielgruppe formulierst, desto erfolgreicher wird dein Projekt“, heißt es im Projektleitfaden.

Im Predigttext für den heutigen Sonntag Rogate formuliert Gott selbst die Zielgruppe seiner Hilfe: Die Armen, die Unterdrückten, die Waisen und die Witwen. Dieser Text aus dem Buch Jesus Sirach ist überschrieben mit „Das Gebet“. Darum geht es an diesem Sonntag mit dem lateinischen Namen Rogate: „Betet“.

Klaus Rieth ist Leiter des Referats für Mission, Ökumene und kirchlicher Entwicklungsdienst des Evangelischen Oberkirchenrats. Foto: PrivatDie, die damals am Rand der Gesellschaft standen, die Armen, die Waisen, die Witwen, die rückt Gott selbst ins Zentrum seines Tuns. Und es wird im Text genau beschrieben, wie groß die Trauer dieser Menschen ist, wie tief ihre Verzweiflung ist, und dass ihnen die Tränen über die Wangen laufen. In diesen Tagen gibt es das oft, dass die Tränen der Trauer über die Wangen laufen. Bei denen, die um einen Verstorbenen trauern. Bei denen, die sich noch mehr allein fühlen als sonst. Weil sie nicht raus können, nicht einmal mehr zum Gottesdienst gehen können. Meist findet solch eine Trauer in den eigenen vier Wänden statt. Und niemand weiß, wie viel geweint wird. Ganz sicher mehr als wir uns vorstellen können. Aber auch öffentlich wird geweint. Erst vor ein paar Wochen weinte Prinz Charles bei der Trauerfeier für seinen Vater Prinz Phillip. Was für ein Zeichen, dass dieser Mann mit militärischer Ausbildung es schafft, seine Tränen nicht im Zaum zu halten, sondern ihnen freien Lauf lässt.

Ich wurde noch erzogen mit dem Spruch: „Ein Mann weint nicht!“ Zum Glück denken wir da heute anders. Für seine Gefühle sollte sich niemand schämen müssen, egal ob jung oder alt, Mann oder Frau.

Und dann beschreibt unser Text noch ein Zweites, was uns in traurigen Zeiten tröstet: „Und sein Gebet reicht bis in die Wolken. Das Gebet eines Demütigen dringt durch die Wolken.“ Bis in die Wolken ist weit. Fragen Sie mal Kinder, wie weit das ist. So weit können Gebete reichen. Und dann eben auch noch durch die Wolken hindurch. Bis sie zu dem gelangen, an den sie gerichtet sind, für den sie gedacht sind. Zu Gott selbst. Es ist also kein Weg zu weit, um Gott zu erreichen mit unserem Bitten und Beten.

Gott hört uns

In meiner Kindheit war der Alltag von Gebeten begleitet. Bevor man zur Schule losrannte das „Jeden Schritt und jeden Tritt geh du lieber Heiland mit, gehe mit uns ein und aus, führe du uns selbst nach Haus“. Dann vor dem Essen das „Vater segne diese Speise, uns zur Kraft und dir zum Preise“, nach dem Essen das „Gott Lob und Dank für Speis und Trank, für allen Segen den du uns gegeben“, und dann noch das Abendgebet „Breit aus die Flügel beide“.

Solche Gebete können eine Hilfe sein. Aber Gott hört uns auch, wenn wir frei beten. Wenn wir keine Worte finden, wenn nur die „Tränen die Wangen hinunterlaufen“. Und dann kann es passieren, dass Gottes Zielgruppe ganz groß und weit wird. Nämlich alle die umfasst, die ihn brauchen und sich an ihn wenden in ihrer Not.

Foto: unsplash/Thomas Vitali/MünchenFoto: unsplash/Thomas Vitali/München

Gebet

Guter Gott, wir danken dir, dass du uns hörst.

Dass wir mit unseren Bitten und unseren Tränen zu dir kommen können.

Tröste du uns und hilf uns, wenn wir verzweifelt sind.

Amen.

 

Klaus Rieth ist Leiter des Referats für Mission, Ökumene und kirchlicher Entwicklungsdienst des Evangelischen Oberkirchenrats.