Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gott und die Welt im Februar

Die Ratgeber-Rubrik auf Ihre Fragen rund um die Kirche, den Glauben und die Bibel. Monat für Monat eine neue "Gebrauchsanweisung" für die Kirche, ein neues Kommentar von Corvus und die Tipps zum Einstieg in die Bibel.

Bild: William H. Stipps, Karibu Touristik

Aus silbergrauen Gründen tritt
ein schlankes Reh

im winterlichen Wald und prüft
vorsichtig Schritt für Schritt,

den reinen, kühlen,
frischgefallenen Schnee.

Und deiner denk ich,
zierlichste Gestalt.

Christian Morgenstern

Gebrauchsanweisung für die Kirche

„Kirche ist ein bisschen kompliziert“ – diese Meinung hört man immer wieder von Menschen, die protestantischen Glaubens sind, aber vielleicht nur selten zum Gottesdienst kommen können. Mit unserer „Gebrauchsanweisung für die Kirche“ machen wir den Zugang zu Glauben und zur Gemeinde einfacher. Auch Sie haben eine Frage zu Glaube, Kirche oder Gemeinde? Zu Riten und Bräuchen, Festen oder Ämtern?
Senden Sie uns Ihre Fragen - per Post an die Redaktion Luthers, Augustenstrasse 124, 70178 Stuttgart oder per e-mail an redaktion(at)luthers-magazin.de.

Warum fasten?

40 Tage vor dem Osterfest beginnt mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit. Katholische Freunde begehen diese Tage als „Bußtage“. Zumindest am Aschermittwoch und am Karfreitag nehmen sie nur eine richtige Mahlzeit ein.

So entspricht es dem katholischen Recht. Die Vorschriften sind heute freilich bei weitem nicht mehr so streng wie im Mittelalter oder zu Luthers Zeiten.

Wenn ich nachrechne, dann zähle ich von Aschermittwoch bis zum Ostersamstag 46 Tage. Warum spricht man dann von einer 40-tägigen Fastenzeit?

Für die Sonntage gilt das Fastengebot nicht. An ihnen gedenkt man der Auferstehung Christi – dazu passt das Fasten nicht. Sechs (Sonn-)Tage sind also abzuziehen. 40 Tage gelten nach biblischer Tradition als Zeitspanne der Vorbereitung: Menschen bereiten sich vor auf eine Begegnung mit Gott oder auf eine neue Phase ihres Lebens. So fastete Mose am Sinai 40 Tage, bevor er mit den Gesetzestafeln wieder zum Volk herabstieg (2. Mose 34, 28). Elia ging 40 Tage und Nächte durch die Wüste, bis er an den Berg Horeb gelangte, wo er Gott begegnete (1. Kön. 19,8). Und von Jesus wird berichtet, dass er 40 Tage in der Wüste fastete und vom Satan versucht wurde, bevor er mit der Verkündigung des Evangeliums begann (Matthäus 4, 2).

Wie steht unsere evangelische Kirche zum Fasten?

Martin Luther hat das Fasten als frommes Werk, mit dem man sich Verdienste vor Gott erwerben kann, radikal zurückgewiesen. Als Zwingli in Zürich vehement gegen die Autorität der Kirche und für die Freiheit jener Bürger das Wort ergriff, welche während der Fastenzeit Fleisch gegessen hatten, da wurde dies zum Anlass für die Einführung der Reformation in dieser Stadt. Andererseits kann Luther im Blick auf die Vorbereitung zur Abendmahlsteilnahme feststellen, dass „Fasten und leiblich sich bereiten ... eine feine äußerliche Zucht (disciplina)“ ist. Entscheidend aber ist für ihn und unser „Augsburger Bekenntnis“, dass solche „Zeremonien“ nichts beitragen zum Heil der Christenmenschen. Deshalb kann es jeder Christ damit halten, wie es ihm gut erscheint.

Was ist von den Bemühungen zu halten, auch in unserer Kirche das Fasten wieder populär zu machen, z.B. durch die Aktion „7 Wochen Ohne“?

Ich halte das für eine sinnvolle Aktion, weil sie mir Hilfestellung bietet, mich zu sammeln und mich zu konzentrieren auf das, was wesentlich ist in meinem Leben: Auf das, wovon und wozu der Mensch tatsächlich lebt. Luthers Wort von der „Disziplin“ passt darauf trefflich. Dass auch andernorts für das Fasten eine Lanze gebrochen wird - mit Argumenten, welche in früheren Zeiten nicht im Blick waren, das stört mich kaum.

Wie soll ich das verstehen?

Ich denke an die Motivation für das Fasten. Fasten als fromme Leistung war nur ein Aspekt der traditionellen Fastenpraxis. Daneben war Fasten auch Ausdruck der Trauer, der Sühne, der Vorbereitung auf die Begegnung mit Gott. Oder einfach ein selbstverständlicher Brauch. Dass man beim Fasten den Appell mithörte, von dem eigenen Wohlstand an Bedürftige abzugeben, gehört auch noch zu dieser Sitte.

Heute geht es vielen beim Fasten eher darum, etwas für die eigene Gesundheit oder für die Figur zu tun. Ziel ist auch, dem Stress des Alltags zu entfliehen, Atem zu schöpfen und zur Ruhe zu kommen. Frei will man werden von dem, was entbehrlich und schon längst zur Last geworden ist. Wer Verzicht übt, kann Armen und Bedürftigen abgeben von seinem Überfluss. All dies hat einen guten Sinn.

Fasten und Festen gehören zum Rhythmus unseres Lebens: Der entbehrungsreiche Gang durch die Wüste und die dankbare Freude über Milch und Honig im gelobten Land. Die Fastenzeiten vor dem Weihnachtsund vor dem Osterfest laden dazu ein, diesen Rhythmus wahrzunehmen und sich einzulassen auf ihn.

Gott und die Welt im Februar