Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gott und die Welt im Monat Dezember

Die Ratgeber-Rubrik auf Ihre Fragen rund um die Kirche, den Glauben und die Bibel. Monat für Monat eine neue "Gebrauchsanweisung" für die Kirche, ein neues Kommentar von Corvus und die Tipps zum Einstieg in die Bibel.

Bild: Adpic/Clipdealer

Verschneit liegt rings die ganze Welt,
Ich hab nichts, was mich freuet,
Verlassen steht ein Baum im Feld,
Hat längst sein Laub verstreuet.


Der Wind nur geht bei stiller Nacht
Und rüttelt an dem Baume,
Da rührt er seine Wipfel sacht
Und redet wie im Traume.


Er träumt von künftger Frühlingszeit,
Von Grün und Quellenrauschen,
Wo er im neuen Blütenkleid
Zu Gottes Lob wird rauschen.


Joseph von Eichendorff

Gebrauchsanweisung für die Kirche

„Kirche ist ein bisschen kompliziert“ – diese Meinung hört man immer wieder von Menschen, die protestantischen Glaubens sind, aber vielleicht nur selten zum Gottesdienst kommen können. Mit unserer „Gebrauchsanweisung für die Kirche“ machen wir den Zugang zu Glauben und zur Gemeinde einfacher. Auch Sie haben eine Frage zu Glaube, Kirche oder Gemeinde? Zu Riten und Bräuchen, Festen oder Ämtern?
Senden Sie uns Ihre Fragen - per Post an die Redaktion Luthers, Augustenstrasse 124, 70178 Stuttgart oder per e-mail an redaktion(at)luthers-magazin.de.

Gott und die Welt Jahresübersicht 2013

Weihnachten feiern?

 

Ein Kollege hat mir erklärt, er habe das Weihnachtsfest noch nie gefeiert und werde es auch nie feiern.

Wie hat er das begründet? Ich vermute, ihn stößt die Geschäftemacherei, die Kommerzialisierung des Festes ab.

Nein, viel schlimmer! Er behauptete, das Weihnachtsfest sei vom Teufel in die Welt gebracht worden, um die Menschen in Sünde und in ewige Verdammnis zu führen.

Wie kommt er darauf?

Weil das Fest – wie er behauptet – seine Wurzeln in verlogenen Überlieferungen heidnischer Religionen habe und von dort erst im 4. Jahrhundert ins Christentum eingedrungen sei. Stimmt das denn?

Es stimmt, dass der Brauch, den „Geburtstag des Herrn“ zu feiern, erst im 4. Jahrhundert bezeugt ist. Andere Christusfeste (das Gedenken an Jesu Taufe, seine Kreuzigung und Auferstehung) sind viel älter. Wir müssen auch zugestehen, dass wir nicht wissen, an welchem Datum Jesus geboren wurde. Was das Geburtsjahr anbelangt, so streiten sich darüber bis heute die Experten und bei dem exakten Datum im Jahreskalender tappen sie erst recht im Dunkeln.

Ist es also wahr, wenn mein Bekannter meint, dass unser Weihnachtsfest eigentlich das Fest der Wintersonnenwende und das Geburtstagsfest des römischen Sonnengottes ist, das man am 25. Dezember feierte? Im Grunde also ein heidnischer Brauch in christlicher Verkleidung?

Denkbar ist, dass die Wintersonnenwende auf der Nordhalbkugel der Erde ein Grund war, sich bei der Einführung des Fests der Geburt Christi an diesem Datum zu orientieren. Deshalb aber die Feier dieses Festes als heidnisch zu denunzieren oder als teuflische Inszenierung zu verwerfen, erscheint mir als unsinnig.

Inwiefern? Das müssen Sie mir erklären.

Weil bei allen unseren Festen im Kirchenjahr nicht das Kalenderdatum das Entscheidende ist. Dieses Datum ist eine menschliche Festlegung, abhängig von den jeweils in Geltung stehenden Kalendern (z. B. gregorianisch, julianisch usw.). Entscheidend ist vielmehr, dass die christliche Gemeinde an diesen Festtagen Grunddaten ihres Glaubens feiert. Indem wir feiern, wird für uns das Heilsgeschehen auf gewisse Weise jedes Jahr wieder von Neuem lebendige Gegenwart und erfahrbar mit allen Sinnen.

Was bedeutet dies nun für das Weihnachtsfest?

Den „Geburtstag des Herrn“ feiern wir aus der Überzeugung, dass Gott uns Menschen in Jesus, unserem Bruder, ganz nahe gekommen ist. Ihn bekennen wir als den Israel verheißenen Messias, als das Licht der Welt, als Gottes Sohn. So ist das Geheimnis der „Heiligen Nacht“ höher als alle Vernunft. Nie werden wir es vollständig erfassen und begreifen. Nur in Bildern und Gleichnissen können wir darüber reden und uns davon im Herzen berühren lassen. Die Botschaft der Engel, die den Hirten Frieden verheißen (Lukas 2), gilt uns und aller Welt. Der Stern am Himmel, der gelehrte Männer aus fernen Landen auf den Weg zu dem neugeborenen Kinde bringt (Matthäus 2), soll auch uns in Bewegung setzen und die Einsicht stärken, dass Gott sich nicht bei den furchterregenden und mächtigen Potentaten und Tyrannen der Welt finden lässt, wie es Herodes einer war, sondern im Kind der Maria - „in einer Krippe liegend“. So erstrahlt in dunkler Nacht ein helles Licht, das dem Volk, das im Finstern wandelt, Gottes Herrlichkeit aufgehen lässt, Hoffnung weckt und unsere Schritte auf den Weg des Friedens lenkt. Das – und noch viel mehr – ist die ewige und unerschöpfliche Wahrheit des Weihnachtsfestes. Wo diese Wahrheit aufleuchtet in unseren Herzen, wo Gottes Liebe und Gottes Frieden erfahrbar werden, sodass wir zur Liebe fähig und Friedensstifter werden, da kann nicht der Teufel am Werke sein.