Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gott will unsere Antwort - Impuls zur Predigt

Jesaja 5,1-5 Wohlan, ich will von meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte. Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte? Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er kahl gefressen werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde.

 

Gott will unsere Antwort

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Reminiszere: Jesaja 5,1-7.

Von Horst Schmelzle

Horst Schmelzle ist Pfarrer in Alpirsbach. Foto: Privat

 

Horst Schmelzle. Pfarrer. Foto: PrivatEs ist spannend, wie dieses Weinberglied, eine Weise von Liebe und Tod, in das Kirchenjahr, in den zweiten Sonntag der Passionszeit eingeordnet ist. Für mich ist das immer hilfreich. Der Name des heutigen Sonntags lautet Reminiszere. Er stammt aus Psalm 25,6: „Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind.“ Es geht heute also um die Entfaltung der Barmherzigkeit Gottes.

Das Evangelium, das die neue Predigtordnung für diesen Sonntag vorsieht, interpretiert das so: „Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben“ (Johannes 3,14). Es ist also nicht gleichgültig, welchen Sonntag wir gerade haben. Jeder einzelne soll einen anderen Schwerpunkt des Glaubens vertiefen.

 

Jesaja ruft auf zur Umkehr

Beim vorgegebenen Predigttext stelle ich mir die Situation so vor. Der Prophet singt an einem Laubhüttenfest zur Leier dieses Lied. Das Volk hört zunächst lächelnd zu, denn die Geliebte, die Braut, wird mit einem herrlichen Weinberg verglichen. Und dann dreht sich die Stimmung. Aus dem Liebeslied wird ein Lied vom Tod. Die jetzt schweigende Menge hat begriffen: „Hier hat plötzlich Gott zu reden begonnen.“ Gott will unsere Antwort. Er will unsere Frucht. Von uns persönlich, von der Kirche insgesamt. Die Rede von Gottes Barmherzigkeit verlangt nach einer Entsprechung im menschlichen Verhalten.

In dieser schweren Zeit der Pandemie treibt es mich um, wie diese Antwort aussehen kann. Wir als Kirchengemeinde sollen Trost und Hoffnung spenden, deshalb fanden und finden bei uns Gottesdienste in der Kirche statt. Es tut uns gut, anderen Menschen direkt zu begegnen, am gleichen Ort. Die Seele lebt dabei auf. Die Texte am Sonntag Reminiszere weisen uns auf den erhöhten Christus hin, den Garanten der Barmherzigkeit Gottes. Die Passionszeit gibt uns den Raum, unsere Antwort darauf zu finden und sie zu leben. □

Kerzen. Kirche. Foto: unsplash/Henk van der SteegeFoto: unsplash/Henk van der Steege

 

Gebet

Gott wir bitten dich für alle Menschen, die von Unsicherheit und Zweifeln geplagt werden.

Für alle, die nichts mehr vom Leben erwarten.

Für jene, die nicht an die Zukunft denken können, weil ihnen das Nötigste für die Gegenwart fehlt.

Für jene, die ihren Glauben verloren haben, weil sie immer wieder enttäuscht worden sind.

Für jene, die nicht mehr hoffen können und die es schwer haben mit sich selbst.

Sei du uns nahe mit deinem Trost und mit deiner Hoffnung.

Amen.

 

Horst Schmelzle ist Pfarrer in Alpirsbach.