Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gottes Ruf vertrauen - Impuls zur Predigt

Hoheslied 2,8-12 (in Auszügen) Siehe, er kommt und hüpft über die Berge. Siehe, er steht hinter unsrer Wand und sieht durchs Fenster und blickt durchs Gitter. Mein Freund spricht zu mir, steh auf und komm her! Denn siehe, der Winter ist vergangen. Die Blüten sind hervorgekommen im Lande, der Lenz ist herbeigekommen.

Gottes Ruf vertrauen

Impuls für Sonntag, den 2. Advent: Hoheslied 2,8-12.

Von Simone Sander

Simone Sander arbeitet als Pfarrerin in Stuttgart-Stammheim. Foto: Privat

Manchmal spürt unsere Seele, dass etwas anders geworden ist. Der zarte Gesang eines Vogels im Morgenrot, die Luft von einem frischen Geruch erfüllt, das dürre Gras wird leuchtend grün, die Tage heller. Das Hohelied singt vom Frühling und meint damit nicht nur den schönen Lenz, sondern bildhaft alles Frühlingshafte in unserem Leben. Zeiten, in denen sich das Leben von seiner schönen und leichten Seite zeigt und an Weite gewinnt. Weite lässt aufatmen. Wenn wir nicht richtig atmen, weil wir verkrampft sind, bekommen wir im wahrsten Sinne des Wortes kalte Füße.

Simone Sandner, Pfarrerin. Foto: PrivatNun hören wir dieses Lied mitten in der dunkelsten Jahreszeit, vom Frühling draußen und vielleicht auch in unserem Leben keine Spur. Nicht umsonst sehnen wir uns in dieser Jahreszeit und dem, was unser Leben dunkel macht, nach einem, der Licht und Weite bringt.

„Siehe, er steht hinter unserer Wand und sieht durchs Fenster und blickt durchs Gitter.“ Ein unglaublich zärtliches Bild: Gott als Liebender, dem nichts so wichtig ist, als eilends zu uns zu kommen, ohne dass wir auf ihn warten oder ihn suchen müssten.

Er steht schon da und schaut durchs Fenster. Und dann die liebevolle und verheißungsvolle Aufforderung: „Steh auf, denn siehe, der Winter ist vergangen.“

Der Frühling, die schönen Zeiten des Lebens stehen schon vor der Tür. Das ist sicher wunderbar zu hören, doch auch etwas befremdlich zugleich. Im Leben läuft eben nicht immer alles frühlingshaft rund, nicht nur die politischen und wirtschaftlichen Sorgen, sondern auch unsere ganz privaten lassen uns manchmal wie in einem verschlossenen Raum vor Gitter stehen: „Ich kann doch noch nichts vom Frühling spüren, meine Situation ist noch tiefster Winter.“ „Ich habe einen so großen Verlust erlitten, für mich wird es nicht mehr Frühling, denn nichts und niemand kann mir diesen Menschen ersetzen.“ Oder: „Im Grunde weiß ich schon so lange, dass ich in meinem Leben etwas ändern muss und spüre genau, dann würde es gut. Doch wer weiß, was das alles ins Rollen bringt, das Altvertraute bleibt mir doch sicherer.“ Genau hier hinein spricht uns die biblische Botschaft immer wieder zu: „Geh weiter, allem Augenschein zum Trotz, auch wenn es gerade noch nicht gut aussieht, wenn nicht immer klar ist, ob es gut wird. Gott hält für dich immer noch viel mehr an Möglichkeiten und neuem Leben bereit, als du jetzt gerade in deiner Enge spüren kannst.

Gott als Liebender

Advent kann auch bedeuten, dem Ruf Gottes zu vertrauen, der uns hinausruft aus dem, was uns gefangen hält. Sorgen und Ängste werden sich dabei nicht über Nacht in Luft auflösen, die biblische Botschaft ist an keiner Stelle naiv; sie verhilft uns aber dazu, nicht stehenzubleiben, sondern im Vertrauen auf Gott neue Schritte zu wagen. Irgendwann werden wir es spüren, vielleicht erst leise und kaum vornehmlich, so wie auch der Frühling erst allmählich erwacht: Es ist etwas neu geworden. Die Sorgen und Ängste von damals liegen hinter mir, auch sie waren Teil meines Lebens. „Ich war dabei nicht allein, du, Gott, riefst mich auf den Weg und gingst mit, dafür danke ich dir.“

Foto: Ina Hochreuther, Markuskirche StuttgartFoto: Ina Hochreuther, Markuskirche Stuttgart

 

Gebet

Ich bitte dich um deine Nähe, Gott.

Für all mein Suchen, mein Umkehren, meinen Neuanfang.

Ich bitte Dich um deinen Segen, damit ich das finde, was mein Leben wirklich braucht.

Amen.