Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gottes Verheißungen - Impuls zur Predigt

Römer 11,29 - Denn Gottes Gaben und Berufungen können ihn nicht gereuen.

 

Impuls zum 10. Sonntag nach Trinitatis (Israelsonntag): Römer 11,25-32.

Von Søren Schwesig


Søren Schwesig ist Stadtdekan in Stuttgart. Foto: Privat

 Søren Schwesig ist Stadtdekan in Stuttgart. Foto: Privat

Straßburg ist immer eine Reise wert. Nicht fehlen darf ein Besuch des Straßburger Münsters. Schwer zu ertragen ist allerdings das dortige Südportal. Zwei steinerne Frauenfiguren stehen einander gegenüber. Die eine symbolisiert das Christentum. Stolz steht sie da, trägt eine Krone als Herrschaftszeichen und einen Kelch als Zeichen für den neuen Bund. Alles an ihr signalisiert Triumph über die andere Frauenfigur. Sie steht für das Judentum. Schwach steht sie da, verdreht. Die Augen verbunden als Zeichen der Blindheit des jüdischen Volkes gegenüber Jesus Christus. Die Thorarolle entgleitet ihr. Ein Zeichen, dass Gott sich vom jüdischen Volk abgewandt hat.

Diese Darstellung steht für die jahrhundertealte christliche Selbstüberschätzung, Israel habe seine Erwählung verspielt. Gottes Bund sei nun auf das Christentum übergegangen. „Nein“, ruft Paulus. „Gottes Gaben und Berufungen können ihn nicht gereuen.“ Israel ist immer noch das erwählte Volk. Aber wir Christen sind in diesen Bund mit aufgenommen. Aus reiner Gnade. Eine Christenheit, die das vergisst, wird nicht überleben können. Eine Kirche, die nicht mehr um ihre Wurzeln weiß, wird kraftlos werden.

„Gottes Gaben und Berufungen können ihn nicht gereuen.“ Das heißt doch, dass auf Gottes Verheißungen Verlass ist. Mag auch alles ins Wanken geraten, diese Gewissheit bleibt: Was Gott verspricht, das hält er. Deswegen wissen wir Getaufte zu jedem Augenblick unseres Lebens, dass Gottes „Ich werde mit dir sein“ seine Gültigkeit niemals verliert. So gewiss das Wasser bei der Taufe über unsere Stirn geflossen ist.

Warum aber erkennt Israel nicht Jesus Christus als den von Gott gesandten Messias an? Das bleibt für Paulus Gottes Geheimnis. Er fasst dieses Geheimnis in das Wort „Verstockung“. Aber dabei bleibt er nicht stehen. Im Blick auf die jüdischen Geschwister sagt Paulus, dass Gott mit Israel nicht am Ende ist. Denn er will, dass ganz Israel gerettet wird. Israels Rettung ist das Ziel. Das ist auch im alten jüdischen Schriftwerk des Talmud zu lesen, wo es heißt: Ganz Israel hat Anteil an der zukünftigen Welt.

Ganz Israel wird gerettet. Auch die, die gerade Nein zu Jesus als dem Messias sagen. Denn die sind, so sagt es Paulus zugespitzt, Feinde um euretwillen. Aber das jüdische Nein zu Jesus als dem Messias hat den Weg zu den anderen Völkern geöffnet und hat diese mit dem Evangelium in Verbindung gebracht. So ist aus dem Geheimnis Gottes, das wir nicht verstehen, Segen entstanden.

Gottes Verheißungen - Was Gott verspricht, das hält er

Am Israelsonntag bedenken wir unser Verhältnis zu Israel. Wir erinnern uns, dass Israel und die Kirche durch die Geschichte der Zuwendung Gottes Geschwister sind. Beide hoffen wir darauf, dass Gott eines Tages seine Herrschaft errichten wird und wir in einer geheilten und versöhnten Welt leben werden. Als Geschwister wissen wir um unsere Unterschiede. Als Christen bekennen wir, dass der Erlöser in Jesus Christus schon in die Welt gekommen ist. Das Judentum widerspricht und wartet auf den verheißenen Messias. Warum das so ist, bleibt Gottes Geheimnis. Uns Christen verbietet sich, von angeblicher Überlegenheit zu plappern. Stattdessen vertrauen wir darauf, dass Gott sich aller Menschen erbarmen will, weil seine Liebe allen Menschen gilt. Und diese Liebe geben wir weiter, so gut wir können, mit Hand und Herz.

So leben wir auf Gottes Reich zu. Gemeinsam mit unseren jüdischen Geschwistern. Deshalb singen wir Halleluja: Lobt den Herrn. Und wir sagen darauf Amen: So sei es. Und so werde es.

Foto: Joshua Sukoff/Unsplash/Jerusalem, IsraelFoto: Joshua Sukoff/Unsplash/Jerusalem, Israel

 

Gebet

Ewiger Gott, du hast Israel zu deinem Volk berufen und hältst ihm die Treue.

In Jesus Christus hast du uns auch angenommen.

Lass uns, Juden und Christen, voneinander lernen und der Welt dein Heil bezeugen.

Amen.

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