Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gottes Versprechen - Impuls zur Predigt

2. Mose 19,5 Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein.

Gottes Versprechen

Impuls zum Predigttext für den Israelsonntag: 2. Mose 19,1-6.

Von Jochen Maurer

„Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen“ – mit diesem kleinen Reim bringen Kinder, kaum der Sprache mächtig, eine Grundlage menschlicher Gemeinschaft zum Ausdruck: Ohne sie keine Freundschaft, kein Vertrauen. Sie üben eine Regel ein, die für menschliche Gemeinschaft und Gesellschaft fundamental ist. Wenn das gilt, können Menschen zugleich ihre Freiheit gewahrt sehen und Verlässlichkeit und Sicherheit erfahren.

Wer ein Versprechen gibt, legt sich, ohne dazu gezwungen zu sein, fest auf ein Tun, das in der Zukunft liegt – aber jetzt schon wirkt. Und wer ein Versprechen erhält, kann sich darauf verlassen, dass dieses Wort gilt. Die hebräische Bibel, wir nennen sie gewöhnlich Altes Testament, erzählt davon, wie Gott mit dem Volk Israel ein solches Vertrauensverhältnis eingeht.

Gottes Volk

Mit Abraham und Sara hat es begonnen: Eine neue Heimat und ein Kind – diese beiden großen Versprechen gibt Gott. Die beiden nehmen ihn beim Wort, brechen auf und werden tatsächlich auf ihre alten Tage noch Eltern. Diese Geschichte setzt sich fort, bis aus dieser Großfamilie in Ägypten ein Volk geworden ist, wenn auch in Sklaverei gefangen.

Mose führt das Volk trotz des erbitterten Widerstands des Pharaos in die Freiheit, in die Wüste an den Sinai. Er hat dort die einzigartige Begegnung mit dem wirkmächtigen Gott gehabt und hier erhält das Volk, das eben die Sklaverei hinter sich gelassen hat, das große Versprechen: „Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein.“ „Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun“ (2. Mose 19,8) – das ist Israels Antwort. Beides zusammen ist der Bund, den Gott mit Israel eingeht.

Es ist eine spannungsvolle Geschichte mit Höhen und Tiefen. Die hebräische Bibel ist sehr offen und manchmal schonungslos im Blick auf die gebrochenen Versprechen auf Seiten Israels. Wie stark aber ist gleichzeitig das Festhalten der Betenden, wie in den Klageliedern, an Gottes Treue und seiner schöpferischen Zuverlässigkeit, die auch menschliches Versagen überwindet! Können wir Christen diese Worte hören und gelten lassen? Uns mitfreuen mit dem jüdischen Volk, dass der Schöpfer aller Welt ein intimes Vertrauensverhältnis zu Israel eingeht und es „mein Volk“ nennt?

Christen haben leider über Hunderte von Jahren Juden herablassend behandelt, abgewertet und verfolgt. Als ob das „alt“ in der Bezeichnung unseres ersten Bibelteils als „erledigt“ zu verstehen wäre und nicht vielmehr als Qualitätsmerkmal, gerade dort, wo Gott als Gegenüber der Klage und Bitte festgehalten wird.

„Lobt Gott, den Herrn, ihr Heiden all (…) dass er euch auch erwählet hat“ – bei Joachim Sartorius’ Lied (EG 293) begegnet mir ein anderer Ton. Er kann die besondere Qualität des Verhältnisses Gottes zu Israel anerkennen und sich daran von Herzen freuen. Die Anleitung dafür hat er bei Paulus gefunden: „Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erwählt hat“, schreibt er in Römer 11,2 und bekräftigt einige Verse später: „Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen“ (Vers 29).

Mir sind diese beiden Stimmen lieb. Sie machen Mut zur vorbehaltlosen Freude mit Jüdinnen und Juden über dieses besondere Verhältnis zu Gott – der doch der Gott der ganzen Welt ist. Weil er treu ist, schöpferisch und eben Gott, haben wir allen Grund, ihm und seinem Versprechen zu trauen – dem, das er Israel am Sinai gegeben hat, und dem anderen, das er in der Auferweckung Jesu für alle Völker gesetzt hat.


Gebet

Barmherziger Gott, wir danken dir, dass du das Volk Israel zu deinem Volk gemacht hast. Wir loben dich, dass wir durch Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder, mitgesegnet sind in dem Segen, den du Abraham und Sara versprochen hast. Lass uns Judenfeindschaft entgegentreten, wo sie uns begegnet. Amen.