Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gottesdienste hinter Mauern - Open Doors zur Situation in Katar

In Katar wird das Christentum offiziell anerkannt. Dennoch werden Christen in dem Wüstenstaat systematisch ausgegrenzt. Zum Gottesdienst müssen sie außerhalb der Hauptstadt in einen abgeriegelten, streng überwachten Komplex.

Erlösung. Vergebung. Kreuz. Kette. Schmuck. Foto: Didgeman, pixabayFoto: Didgeman, pixabay

90 Prozent der Menschen in Katar sind Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter – viele von ihnen sind Christen aus Ostasien, den Philippinen oder Indien. Sie leben in dem Wüstenstaat unter schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen. Den Reichtum des Landes spüren sie nicht. Die christliche Hilfsorganisation Open Doors führt Katar auf Platz 18 des Weltverfolgungsindexes. Das bedeutet: Christinnen und Christen werden hier stark verfolgt und diskriminiert.

Obwohl sich etwa 13 Prozent der Bevölkerung Katars zum christlichen Glauben bekennen, ist das Christentum in der Öffentlichkeit nicht zu sehen. „Für das Tragen entsprechender Symbole können Gastarbeiter des Landes verwiesen werden“, erklärt Ado Greve, Pressereferent bei Open Doors.

Bibeln etwa dürften nicht unkontrolliert in das Land importiert werden. Auch missionarische Aktivitäten seien komplett verboten. Wer dabei entdeckt wird, könne für zwei Jahre ins Gefängnis kommen. Viel häufiger sei jedoch, dass die Menschen Katar verlassen müssen. Besonders für christliche Gastarbeiterinnen sei es gefährlich, erklärt Ado Greve. „Hausangestellte leben in einer Dauergefahr. Sie sind regelmäßig Opfer von gewaltsamen und sexuellen Übergriffen.“

Konvertiten riskieren ihr Leben

In Katar leben 370 000 Christen. Die Nachfrage nach Gottesdiensten sei sehr groß, sagt Ado Greve. Etwa acht Kirchen und Glaubenshäuser, in denen sich 100 unterschiedliche Glaubensrichtungen treffen, liegen in einem der Industriegebiete, versteckt hinter hohen Mauern. In dem streng überwachten Gebäudekomplex „Mesaimeer Religious Complex“ können Christen verschiedener Konfessionen seit 2008 ihre Religion ausüben. Zutritt hätten jedoch nur ausländische Gläubige, erklärt Ado Greve. Das Außenministerium reguliere die Aktivitäten in den Kirchen.

Während ausländische Christen in Katar also die Möglichkeit hätten, ihren Glauben zu leben, gelte das für konvertierte Christen nicht, sagt Ado Greve. Die beiden Gruppen hätten kaum Kontakt zueinander. Muslime, die in Katar oder auch außerhalb des Landes zum Christentum konvertieren, werden besonders stark verfolgt. Ein Religionswechsel wird als Verrat am islamischen Glauben, als strafbares Verbrechen gesehen. Konvertiten riskierten ihr Leben und müssten mit Strafverfolgung und Überwachung durch die Behörden rechnen. „Die Todesstrafe ist möglich, wird aber seit 1971 nicht mehr durchgeführt“, sagt Ado Greve. Der Alltag wird von den Regeln des Islams und des Familienstammes bestimmt. „Die Rechtsprechung ist hier die Scharia“, erkärt Ado Greve.

Das Zeigen christlicher Symbole ist in Katar verboten. Foto: unsplash/ Ioana YeDas Zeigen christlicher Symbole ist in Katar verboten. Foto: unsplash/ Ioana Ye

Deshalb sei auch klar, dass die Abtrennung vom Islamischen Glauben – also auch die Konvertierung zu Christentum – verboten sei.

„Wird ein Muslim zum Christen, erlebt dieser einen enormen Druck durch die eigene Familie und die Behörden“, sagt Ado Greve. „Frauen können unter Hausarrest gestellt oder mit einem strenggläubigen Muslim verheiratet werden.“ Auch Gewalt und Enterbung bei Männern sei nicht selten. Es könne außerdem zu sogenannten Ehrenmorden kommen, sollte eine Person nicht zum Islam zurückkehren. „Obwohl sich Katar dem UN-Zivilpakt angeschlossen hat, gilt das Recht auf Religionsfreiheit für die Menschen im Land nicht“, sagt Ado Greve.


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Der Verein Open Doors e. V. besteht seit 1955 und hat sich in dieser Zeit ein großes weltweites Netzwerk von Christinnen und Christen aufgebaut. Das überkonfessionelle christliche Hilfswerk setzt sich für verfolgte Christen in über 70 Ländern ein und berichtet über ihre Lage weltweit. Jedes Jahr veröffentlicht die Organisation den Weltverfolgungsindex, der 50 Länder angibt, in denen Menschen christlichen Glaubens besonders stark verfolgt werden. Vor Ort unterstützt Open Doors e.V. mit Hilfe ihrer Partnerorganisationen Gläubige weltweit.