Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gottesnähe schenkt Glanz - Impuls zur Predigt

2. Mose 34,29-35 (in Auszügen) Als nun Mose vom Berge Sinai herabstieg, hatte er die zwei Tafeln des Gesetzes in seiner Hand und wusste nicht, dass die Haut seines Angesichts glänzte, weil er mit Gott geredet hatte. Als aber Aaron und alle Israeliten sahen, dass die Haut seines Angesichts glänzte, fürchteten sie sich, ihm zu nahen. Da rief sie Mose, und sie wandten sich wieder zu ihm, Aaron und alle Obersten der Gemeinde, und er redete mit ihnen. Danach nahten sich ihm auch alle Israeliten. Und er gebot ihnen alles, was der Herr mit ihm geredet hatte auf dem Berge Sinai. Und als er dies alles mit ihnen geredet hatte, legte er eine Decke auf sein Angesicht. Und wenn er hineinging vor den Herrn, mit ihm zu reden, tat er die Decke ab, bis er wieder herausging.

 

Gottesnähe schenkt Glanz

Impuls für den letzten Sonntag nach Epiphanias: 2. Mose 34,29-35.

Von Gunther Wruck

Gunther Wruck ist Pfarrer der Bonhoeffer- Kirche in Biberach. Foto: Privat

 

„Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind;“ (1. Korinther 13,11). Ja, ich war gerne Kind in und mit den Mose-Erzählungen aus dem ersten Testament, vor allem im Kindergottesdienst. Sie waren ein wichtiger Teil meiner Kindheit. Wenn es auch nicht äußerlich sichtbar war, innerlich haben sie einen seligen Glanz auf mich gelegt. Ich war in der Erzählgemeinschaft mit Mose auf dem Berg, Gott unmittelbar nahe, habe mit seinen Augen gesehen, mit seinen Ohren gehört, war gemeinsam mit ihm unterwegs in der Wüste … Und nun, ein halbes Jahrhundert später? Gilt nun auch für mich die Fortsetzung dessen, was Paulus im ersten Korintherbrief schreibt: „… als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war“? Ist gar der Glanz verblasst auf meiner Seele?

Gunther Wruck ist Pfarrer der Bonhoeffer- Kirche in Biberach. Foto: PrivatJa, durchaus. Denn in meiner Biografie, auf meinem Weg durch meine Zeit hat der selige Glanz mächtige Schrammen bekommen. Sie sind in besonderer Weise verbunden mit den beiden Erinnerungsanlässen in dieser Woche, im Januar 2022: der 27. Januar als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, und der 30. Januar mit der Ernennung Hitlers zum deutschen Reichskanzler als Datum des Beginns eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte. Ende und Anfang, im Kalender drei Tage auseinander.

Ich habe die Zeit zwischen 1933 und 1945 nicht selbst erlebt, aber mich vor allem in meiner Mitarbeit beim Aufbau der Gedenkstätte Grafeneck vor über 30 Jahren intensiv damit auseinandergesetzt. Mehr als 10 000 Menschen mit Behinderungen wurden auf dem kleinen Hügel zwischen Marbach und Münsingen auf der Schwäbischen Alb im Jahr 1940 ermordet. Glanzloser könnte ein Ort mit solcher Geschichte kaum sein – und ist es doch nicht, nicht mehr: Weil es Menschen gab und gibt, die dafür eintreten, dass der Glanz des Gottes, an den wir Christenmenschen als Gott des Lebens glauben, wiederkehrt im Alltag der Welt im Schatten – und damit ein anderes Antlitz zeigen auf all den Wüstenwegen unserer Zeit.

Der Glanz der Hoffnung

Es mag zwar so sein: „… als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war.“ Aber genau dann begegne ich erneut einem Kind, dem Kind, geboren im judäischen Bergland. Und in diesem Kind zeigt sich Gottes Antlitz aller Welt, den Kindern und denen, die es waren. Und zugleich, in und trotz aller Finsternis menschlicher Alltagsgeschichte, bekommt der Glanz der Hoffnung seine leuchtende Kraft zurück – in und mit den Geschichten, in den Begegnungen mit den Menschen, die in ihrem Leben der Spur des Friedensfürsten folgen, äußerlich fern dem Gottesberg Sinai, und doch Gott so nah wie ich damals, „als ich ein Kind war“. □

Foto: pixabay/CouleurFoto: pixabay/Couleur

Gebet

Gott, auf dem Berg bist du nah.
Auf einem Berg geschah Furchtbares.
Wüstennot, damals.
Glanz bricht auf  und ist verborgen.
Ein Kind wandelt zum Kind.
Glanz der Hoffnung strahlt auf, damals, heute und morgen.

Amen.