Christliche Themen für jede Altersgruppe

Größer und wahrer - Was ist für Sie ein Wunder?

Was ist für Sie ein Wunder? Und haben Sie schon einmal ein Wunder erlebt? Diese Fragen stellten wir Prominenten und baten sie, uns davon zu erzählen. Ihre Antworten handeln von den großen und den kleinen Dingen.

Patrick Bopp: Wir werden ständig von Wundern begleitet

Man könnte ja auf den ersten Blick meinen, dass das Wort „Wunder“ viel zu inflationär eingesetzt wird. Aber meiner Empfindung nach werden wir ständig von Wundern begleitet, nehmen sie nur leider allzu selten wahr. Für mich zählen zum Beispiel die Vielfältigkeit und die Feingliedrigkeit der Natur zu den Wundern dieser Erde: eine kleine Blüte, die Mannigfaltigkeit der Tierwelt, die Geburt eines Kindes und die Begegnung mit anderen Menschen. All das nehmen wir oft als viel zu selbstverständlich hin, wir wundern uns nicht mehr.

Bei meinen Veranstaltungen singen oft wildfremde Menschen miteinander und stehen quasi auf wundersame Weise in einer seelischen Verbindung. Was diesen Moment ausmacht, was ihn trägt und warum er so befreiend wirkt, ist mit Worten eigentlich nicht wirklich zu erklären.

Auch wenn man es mit psychologischen oder gruppendynamischen Aspekten versuchen könnte – letzten Endes bleibt da etwas, dass man nicht greifen kann, und dieses Etwas ist für mich ein immer wiederkehrendes Wunder. Mein persönliches Wunder war 2015 die Geburt meiner Tochter. 2020 darf ich dieses Wunder noch einmal erleben.

Foto: Bernd Eidenmüller

Patrick Bopp, 48, hat Klavier und Chor studiert und singt als „Memphis“ in der A-cappella-Comedy-Gruppe „Die Füenf“.

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Foto: Nina Goldnagl

Barbara Pachl-Eberhart: Wunder sind Gottes verlässliche Führung

Eine Antwort auf die Frage, was ein Wunder ist, findet sich im Synonymwörterbuch. Da kann man nachlesen, wie viele Arten von Wundern es gibt: zauberhafte Momente, Überraschungen, Zeichen, Ausnahmen von der Regel, rätselhafte Begebenheiten, aber auch Wagnisse, die gelingen … Ganz persönlich sind Wunder für mich Ereignisse, die über das Alltägliche hinausweisen. Ereignisse, die größer, weiter, wahrer sind als sie selbst. Ob ich heute schon ein Wunder erlebt habe? Nicht nur eines! Und erlebt habe ich sicher noch viel mehr Wunder, als ich bemerken konnte. Ein Wunder war dieses: Ich bin mit dem Auto aus Graz nach Hause gefahren (das sind zwei Stunden Fahrzeit). Trotz Stau, Umleitung und dem normalen Montagsverkehr in der Stadt bin ich Punkt zwölf durch die Tür des Lokals gegangen, in dem ich mit meinem Mann verabredet war. Auf die Minute genau! Das ist bei mir immer so, egal, was auf der Strecke los ist. Ich stelle mir vor, Gott führt mich verlässlich und bringt mich gut heim.

◼ Die Wienerin Barbara Pachl-Eberhart, 45, arbeitet als Lebensberaterin und schreibt Bücher wie „Wunder warten gleich ums Eck“.

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Michael Blume: Wunder der Geschichte - Frieden in einem freien, vielfältigen Land

Wie wohl die meisten Schulkinder in Baden-Württemberg bin ich mit ethnischer und religiöser Vielfalt aufgewachsen. Zu meinem Bekannten- und Freundeskreis gehörten ganz selbstverständlich auch Gleichaltrige, deren Familien aus dem Mittelmeerraum zugezogen waren. Und im Schulaustausch ging es nach Frankreich. Ich war selbst nicht getauft, war aber fasziniert von der Vielfalt der europäischen Religionen und Traditionen. Nur das deutsche Judentum schien für immer verloren, an den Holocaust wurde mit Mitleid und Trauer erinnert.

Heute habe ich Heimat im evangelischen Glauben gefunden und mit meiner aus der Türkei stammenden Frau Zehra eine christlich-muslimische Familie gründen dürfen. Buchstäblich täglich arbeite ich mit Jüdinnen, Eziden, Buddhistinnen, Bahai und nichtreligiösen Humanisten zusammen. Dass Deutschland nach zwei Weltkriegen und dem Menschheitsverbrechen der Schoah ein so freies, wiedervereinigtes und vielfältiges Land inmitten einer Europäischen Union werden konnte, erlebe ich als ein unverdientes Wunder der Geschichte. Über 70 Jahre Frieden!

Gerade auch Erfahrungen als Leiter einer humanitären Mission im Irak haben mich dankbar und demütig gemacht. Wir wissen oft gar nicht, wie gut es uns geht! Auch deswegen versuche ich das mir Mögliche zu tun, um dieses Geschenk des täglichen Miteinanders wertzuschätzen und gegen den alten, nun digital befeuerten Hass zu schützen.

Foto: Julian Rettig

Michael Blume, 43, ist Religionswissenschaftler, Buchautor und Beauftragter der Landesregierung Baden-Württemberg gegen Antisemitismus.

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