Christliche Themen für jede Altersgruppe

Hat Gott Geheimnisse? - Impuls zur Predigt

1. Korinther 4,1.5 Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und das Trachten der Herzen offenbar machen wird. Dann wird einem jeden von Gott sein Lob zuteilwerden.

 

Hat Gott Geheimnisse?

Impuls zum Predigttext für den 3. Sonntag im Advent: 1. Korinther 4,1.5.

Von Thorsten Eißler

Thorsten Eißler ist Pfarrer in der Kreuzkirchengemeinde in Reutlingen. Foto: Privat

„Soll ich Dir ein Geheimnis verraten?“ Kinder lieben es, Geheimnisse zu haben. Geheimnisse sind interessant und sie machen neugierig. So ist es auch mit Gottes Geheimnissen. Er ist zu groß und wunderbar, um ihn ganz zu erfassen. Viele Geschichten von ihm behalten ein Geheimnis. Wie Blinde sehend und Verstummte sprechend werden, wird immer ein Geheimnis des Glaubens bleiben.

Manchmal lieben es Kinder aber auch, ihr Geheimnis zu verraten. Und wenn es nur das Versteck einer Tüte Gummibärchen ist. Denn geteilte Geheimnisse verbinden. So ist es auch mit Gottes Geheimnis: „Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse.“ Ich bin ein Haushalter von Gottes Geheimnissen. Diese Geheimnisse sind einerseits geteilt und verbinden – wir wissen beispielsweise im Advent, dass Gott auf dem Weg zu uns ist. Wir wissen, dass er selbst Mensch geworden ist. In einem kleinen Stall in Bethlehem. Bei den Ärmsten der Armen. Damit kommt er uns ganz nah.

Thorsten Eißler ist Pfarrer in der Kreuzkirchengemeinde in Reutlingen. Foto: PrivatDamit kommt er mir ganz nah. Andererseits bleibt es doch auch ein Geheimnis. Mein Geheimnis. Nicht, weil ich es für mich behalten will. Oder, weil es sonst niemand erfahren darf – ganz im Gegenteil. Der Glaube an Gott ist ein Geheimnis, weil er nicht so leicht zu verstehen ist. Etwas, das man nicht rational erklären kann. Keine reine Kopfsache. Viel mehr eine Herzensangelegenheit. Und an dieses mein Herz richtet sich auch der fünfte Vers des Predigttextes: „Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und das Trachten der Herzen offenbar machen wird. Dann wird einem jeden von Gott sein Lob zuteilwerden.“

Es ist nicht immer alles mit dem Verstand zu erfassen. Gerade wenn es um ein Miteinander und Füreinander geht – wie in der Weihnachtsgeschichte. Man könnte urteilen über den ärmlichen Stall. Man könnte urteilen über die ärmlichen Hirten. Ja, wenn man nur von außen auf die Szene schaut, müsste man den Kopf schütteln und sagen: Was soll das für ein Gott sein, der so ärmlich auf die Welt kommt?

Verstehen mit dem Herzen

Aber genau dann hat man eben nicht das Geheimnis erfasst. Nicht mit dem Herzen verstanden, was für eine große Liebe zu uns Menschen in dieser Ankunft steckt. Und deshalb legt uns Paulus mit diesen Versen nahe, nicht vor der Zeit zu urteilen. Er deutet an, dass wir nicht alles erfassen können. Nicht von Gott und auch nicht von meinem Gegenüber. Und so bleibt mir nur, mich als Diener Christi zu verstehen und für die anderen da zu sein, so wie er mir begegnet. Und eben ein Haushalter zu sein für Gottes Geheimnisse. Damit sie bewahrt werden, weitergegeben werden und nicht verloren gehen.

In der Adventszeit ist mir das besonders wichtig. Vielleicht auch gerade in diesen besonderen Zeiten. Ich möchte nicht nur von Gottes Ankunft erzählen, sondern sie auch für andere erfahrbar machen. Mit einer Tasse Tee, einem selbstgebackenen Plätzchen oder auch einfach mit geschenkter Zeit. Denn: Gott selbst kommt zu uns. Das ist ein Geheimnis, das ich gerne mit anderen teile.

Foto: unsplash/Rebecca Peterson HallFoto: unsplash/Rebecca Peterson Hall

Gebet

Guter Gott, wir warten auf Dich.

Dass Du uns nahekommst und für uns da bist.

Danke, dass Du unser Geheimnis bist.

Danke, dass bei Dir immer viel mehr möglich ist, als wir es uns vorstellen können.

Amen.