Christliche Themen für jede Altersgruppe

Helfen und missionieren - Amstetterin leitet Gesundheitszentrum in Kenia

AMSTETTEN (Dekanat Geislingen) – Sabine Museve ist mit ihrem kenianischen Ehemann Patrick im Auftrag der Christlichen Mission International in Kenia im Einsatz. Dort leitet die Amstetterin seit 2016 ein Gesundheitszentrum.

 Kenianischdeutsche Familie: Sabine und Patrick Museve mit Tochter Zoe. Foto: PrivatKenianischdeutsche Familie: Sabine und Patrick Museve mit Tochter Zoe. Foto: Privat

Als Sabine und Patrick Museve mit ihrer achtjährigen Tochter Zoe am 24. März ihre Heimatgemeinde Amstetten erreichten, brannte im Elternhaus das Feuer im Ofen. Wenige Stunden vorher waren sie noch in Nairobi, wo das Thermometer 30 Grad zeigte. Seit ihrer Rückkehr standen in Deutschland für die kleine Familie unter anderem Gesundheits-Checks auf dem Programm, vor allem aber Veranstaltungen zu ihrer Wahlheimat Kenia. „Das ist nur über ein Zeitgeschenk von zehn Minuten während des Gottesdienstes oder per Video-Chat möglich“, erklärt die 42-Jährige. Das Interesse an ihren Projekten ist groß, denn rund um Amstetten leben viele Freunde und Förderer der kenianischen Krankenstation, die am Fuße des 4321 Meter hohen Mount Elgon, an der Grenze zu Uganda, liegt.

15 Betten für gut 90 000 Menschen

Seit 20 Jahren lebt die Kinderkrankenschwester in Kenia und kämpft mit ihrem Mann gegen Armut, Krankheit und soziale Missstände. Im Jahr 2016 konnte das Gesundheitszentrum in Samboche eröffnet werden, das vielen hilfsbedürftigen Menschen dient. Mit wenigen ausgebildeten Fachkräften und Mitarbeitern, gerade einmal 15 Betten für gut 90 000 Menschen, wirkt es wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Und dennoch: Es gibt eine ambulante und stationäre Versorgung, dazu eine Geburtsstation, ein Labor und eine Apotheke. In zwei weiteren Häusern entstanden Wohnungen für Mitarbeiter, ein mögliches neues Projekt ist jetzt für die Patenkinder angedacht: 42 Waisenkindern zwischen 5 und 18 Jahren wird über ein Patenschaftsprogramm eine Schulausbildung finanziert. Schwierig war die Phase, in der in Kenia die Schulen pandemiebedingt geschlossen wurden. Seither denkt das Ehepaar an ein Rescue-Center, das als eine Art Auffangstation für Kinder ohne Zuhause während der Schulund Internatsferien dienen soll. Seit Januar läuft der Schulunterricht wieder in gewohnter Weise.

Zum Gesundheitszentrum, das Sabine Museve seit 2016 leitet, den Patenschaften und der Kinderfürsorge kommt die Missionstätigkeit im Sinne der Evangelisierung. Doch damit nicht genug: 2020 startete das Paar mit der „Pokot-Hilfe“ ein viertes Projekt. Ziel ist die Alphabetisierung und Evangelisierung des Pokot-Volksstammes, Unterstützung beim Ackerbau, Kampf gegen Genitalverstümmelung und gegen Verheiratung junger Mädchen.

Laut Patrick Museve lebt der Volksstamm in schwer zugänglichem Gebiet, eine Tagesreise vom Ort der Museves entfernt. Über Kontakt zu dem dort tätigen Pastorenehepaar, dem die Museves Unterstützung zusagten, sammelte der 48-Jährige zunächst allein vor Ort erste Eindrücke. „Oh ja, ich hatte Angst“, beantwortet er die Frage zu vorherrschenden Konflikten mit Staatsbeamten, Kampagnen gegen militante Krieger und Schießereien. Schließlich handele es sich „um ein kriegerisch veranlagtes Volk mit großer Ablehnung gegenüber Fremden“. Verständigung sei nur über das Pastorenpaar möglich, das die Sprache der Pokot beherrsche. „Mitglieder des Volksstammes sprechen weder Swahili noch Englisch und besuchen keine Schule“, sagt Museve. Mit Milchziegen als Geschenk zur Unterstützung des Stammes seien erste Annäherungen möglich geworden und auch der Abbau von Ängsten. Beim zweiten Besuch habe er rund 110 Familien mit Hacken für die Feldarbeit und Saatgut ausgestattet. Bis zu diesem Moment war die Hacke des Pastors die einzige im Dorf. „Sie haben keine Ahnung vom Ackerbau und nie ausreichend zu essen“, berichtet Patrick Museve. Der Ackerbau solle das friedliche Miteinander fördern. Doch das sei ein weiter Weg.

Die Museves haben bereits 40 Patenschaften vermittelt. Nun kommen zwei weitere hinzu: Die 11- und 13-jährigen Schwestern aus dem Stamm der Pokot wandten sich nach dem Tod ihrer Mutter an das Pastorenpaar. Die 13-Jährige sollte verstümmelt und verheiratet werden, wofür ein Brautgeld von 40 Ziegen und zehn Kühen in Aussicht stand. Damit sollte der jüngeren Schwester samt Brüdern geholfen werden. „Von der Mitgift hätte die gesamte Verwandtschaft profitiert und das Mädchen hätte nie mehr eine Schule besucht“, sagt Patrick Museve. Mittlerweile sind die Mädchen am Internat in Samboche beheimatet. „Wir konnten in der Not nur selbst als Paten einspringen.“

Die Museves hoffen auf Spenden für ihre Projekte. Um ihre Arbeit gut zu organisieren, steht zunächst die Digitalisierung der Daten im Gesundheitszentrum an. Voraussetzung: Finanzierung von Computer und Software. Solarbetriebene Hörbibeln konnten sie bereits anschaffen: Sie erzählen biblische Geschichten in der Pokot-Sprache. □

◼Weitere Informationen unter www.cmi-online.info

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Und dennoch: Es gibt eine ambulante und stationäre Versorgung, dazu eine Geburtsstation, ein Labor und eine Apotheke. In zwei weiteren Häusern entstanden Wohnungen für Mitarbeiter, ein mögliches neues Projekt ist jetzt für die Patenkinder angedacht: 42 Waisenkindern zwischen 5 und 18 Jahren wird über ein Patenschaftsprogramm eine Schulausbildung finanziert. Schwierig war die Phase, in der in Kenia die Schulen pandemiebedingt geschlossen wurden. Seither denkt das Ehepaar an ein Rescue-Center, das als eine Art Auffangstation für Kinder ohne Zuhause während der Schulund Internatsferien dienen soll. Seit Januar läuft der Schulunterricht wieder in gewohnter Weise.

Zum Gesundheitszentrum, das Sabine Museve seit 2016 leitet, den Patenschaften und der Kinderfürsorge kommt die Missionstätigkeit im Sinne der Evangelisierung. Doch damit nicht genug: 2020 startete das Paar mit der „Pokot-Hilfe“ ein viertes Projekt. Ziel ist die Alphabetisierung und Evangelisierung des Pokot-Volksstammes, Unterstützung beim Ackerbau, Kampf gegen Genitalverstümmelung und gegen Verheiratung junger Mädchen.

Die Pokot leben zurückgezogen in Kenia und Uganda. Patrick Museve möchte ihnen Kenntnisse im Ackerbau vermitteln. Foto: PrivatDie Pokot leben zurückgezogen in Kenia und Uganda. Patrick Museve möchte ihnen Kenntnisse im Ackerbau vermitteln. Foto: Privat


Laut Patrick Museve lebt der Volksstamm in schwer zugänglichem Gebiet, eine Tagesreise vom Ort der Museves entfernt. Über Kontakt zu dem dort tätigen Pastorenehepaar, dem die Museves Unterstützung zusagten, sammelte der 48-Jährige zunächst allein vor Ort erste Eindrücke. „Oh ja, ich hatte Angst“, beantwortet er die Frage zu vorherrschenden Konflikten mit Staatsbeamten, Kampagnen gegen militante Krieger und Schießereien. Schließlich handele es sich „um ein kriegerisch veranlagtes Volk mit großer Ablehnung gegenüber Fremden“. Verständigung sei nur über das Pastorenpaar möglich, das die Sprache der Pokot beherrsche. „Mitglieder des Volksstammes sprechen weder Swahili noch Englisch und besuchen keine Schule“, sagt Museve. Mit Milchziegen als Geschenk zur Unterstützung des Stammes seien erste Annäherungen möglich geworden und auch der Abbau von Ängsten. Beim zweiten Besuch habe er rund 110 Familien mit Hacken für die Feldarbeit und Saatgut ausgestattet. Bis zu diesem Moment war die Hacke des Pastors die einzige im Dorf. „Sie haben keine Ahnung vom Ackerbau und nie ausreichend zu essen“, berichtet Patrick Museve. Der Ackerbau solle das friedliche Miteinander fördern. Doch das sei ein weiter Weg.

Die Museves haben bereits 40 Patenschaften vermittelt. Nun kommen zwei weitere hinzu: Die 11- und 13-jährigen Schwestern aus dem Stamm der Pokot wandten sich nach dem Tod ihrer Mutter an das Pastorenpaar. Die 13-Jährige sollte verstümmelt und verheiratet werden, wofür ein Brautgeld von 40 Ziegen und zehn Kühen in Aussicht stand. Damit sollte der jüngeren Schwester samt Brüdern geholfen werden. „Von der Mitgift hätte die gesamte Verwandtschaft profitiert und das Mädchen hätte nie mehr eine Schule besucht“, sagt Patrick Museve. Mittlerweile sind die Mädchen am Internat in Samboche beheimatet. „Wir konnten in der Not nur selbst als Paten einspringen.“

Die Museves hoffen auf Spenden für ihre Projekte. Um ihre Arbeit gut zu organisieren, steht zunächst die Digitalisierung der Daten im Gesundheitszentrum an. Voraussetzung: Finanzierung von Computer und Software. Solarbetriebene Hörbibeln konnten sie bereits anschaffen: Sie erzählen biblische Geschichten in der Pokot-Sprache. □

◼Weitere Informationen unter www.cmi-online.info