Christliche Themen für jede Altersgruppe

Herausforderung oder Trost? - Impuls zur Predigt

Römer 8,26-30 (in Auszügen) Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich‘s gebührt, sondern der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen. Der aber die Herzen erforscht, der weiß, worauf der Sinn des Geistes gerichtet ist; denn er tritt für die Heiligen ein, wie Gott es will. Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.

 

Herausforderung oder Trost?

Impuls für den Sonntag Exaudi: Römer 8,26-30. Von Daniela Dunkel

„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Dieses Pauluswort ist eindrücklich. Es gibt einem viel zu denken. In der Lutherbibel ist es fett gedruckt und damit hervorgehoben. Als Konfirmations- oder Trauspruch begleitet es viele Christinnen und Christen. Einige mögen das Wort als Mutmacher empfinden, einige als Herausforderung und diejenigen, die nach Zeiten großen Leides dieses Wort für sich als wahr erkennen, dürfen sich glücklich schätzen.


Daniela Dunkel ist Pfarrerin der Stuttgarter Markus-Haigst-Gemeinde.

Paulus’ Lebensweg ist nicht einfach gut, problemlos und durchgehend erfolgreich verlaufen. Ursprünglich war er beseelt davon, gegen die Anhänger Jesu vorzugehen. Nach seiner Christusvision wechselte er die Seiten und wurde als Christ von Christen angefeindet. Seine gesundheitliche Konstitution war fragil und seine Ausstrahlung als Prediger wurde bemäkelt. All das wird auch Paulus nicht gleich als „das Beste“ bewertet haben, manches vielleicht auch nie. Trotzdem hielt er sich unbeirrbar an Jesus. Er wusste sich geführt und geleitet. Das stärkte ihn, im Gefängnis Leid und Schmerz auszuhalten und schließlich dem Märtyrertod entgegenzugehen. Er war sich so sicher, dass im Blick auf Jesus alle Dinge zum Besten dienen können, dass er sagen konnte: Wir wissen es!

Wir wissen es!?

 

Dieses Wort der Gewissheit kann uns trösten, es kann aber auch Widerstand und Abwehr hervorrufen. Denn es stimmt nicht, was viele denken: Wer glaubt, habe es leichter und immer eine Antwort parat. Wer glaubt, sehe in allem immer einen Sinn. „Der Schmerz ist der Felsen des Atheismus“, schreibt der Dichter Georg Büchner. Der Glaube an einen liebenden Gott ist für viele Menschen nicht vereinbar mit der Erfahrung von Leid, Vergänglichkeit und Tod.

Angesichts schrecklicher Schicksale, Ängste und Zweifel weist uns Luther an, Zuflucht bei Gott gegen Gott zu suchen. Das heißt, Hoffnung und Zuversicht findet der angefochtene Glaube nur beim bergenden Gott, in dessen Angesicht und Gegenwart Leid möglich ist, aber dessen Liebe sich als größer und mächtiger erweist als alles, was ihr entgegensteht. Doch bisweilen braucht es Zeit, bis man Zuflucht sucht und Abstand findet zu all dem, was einem da an Widrigem und Schrecklichem widerfahren ist.

Wenn wir dann nach einem Schicksalsschlag, der unser Leben eine andere Richtung hat nehmen lassen als ursprünglich gedacht, irgendwann den Eindruck gewinnen, dass es so, wie es jetzt geworden ist, trotz allem gut ist, dann ist das ein großes Geschenk. Doch es bleibt so, wie es der Philosoph Søren Kierkegaard formuliert hat: „Es ist ganz wahr, was die Philosophie sagt, dass das Leben rückwärts verstanden werden muss. Aber darüber vergisst man den andern Satz, dass vorwärts gelebt werden muss.“ Möge uns die Zusage, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will (Dietrich Bonhoeffer), Zuversicht erwachsen für unser Vorwärtsleben.

Gebet

Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten, in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut. Amen.

Georg Neumark (EG 369, Strophe 1)