Christliche Themen für jede Altersgruppe

Herz schlägt für Südafrika

Renate Cochrane ist eine württembergische Pfarrerin, geboren in einem württembergischen Pfarrhaus. Doch ihr Lebensmittelpunkt liegt seit langem am Kap der Guten Hoffnung. Von dort stammt auch ihr Mann James, den sie vor über 40 Jahren beim Kampf gegen die Apartheid kennenlernte. An ihrer Liebe zu ihm und Südafrika hat sich nichts verändert. 


Wahlheimat südliches Afrika: Renate Cochrane auf Reisen mit ihrem Mann James (Foto: privat)


Manchmal ist es ein banales Stück Papier, das Bände spricht. Als Renate Cochranes Sohn 1991 geboren wurde, war seine „Rasse“ in der Geburtsurkunde nicht mehr vermerkt. Die beiden älteren Töchter hatten noch eine entsprechende Eintragung bekommen, doch nun war ­Nelson Mandela frei und das Land am Kap im Begriff, die Apartheid über Bord zu werfen. Endlich!

Renate Cochrane und ihr Mann James hatten lange dafür gekämpft. 1978 war die junge Theologin nach Südafrika gekommen. Beseelt von den Gedanken der Friedensbewegung und des politischen Engagements für unterdrückte Menschen, hatte sie sich erst für Südamerika interessiert und schließlich für Südafrika. Kurz nach ihrem Examen reiste sie dorthin.

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Durch die Vermittlung des Tübinger Theologie-Professors Jürgen Moltmann hatte sie Zugang zu den Mitgliedern des Christlichen Instituts bekommen. Ein junger Pfarrer ­namens James Cochrane nahm sich ihrer besonders an, „wenige Wochen später waren wir verheiratet,“ sagt sie mit einem Lächeln.

Dabei hatte die schnelle Hochzeit nicht nur romantische Gründe. Cochrane und seine Mitstreiter in der Anti-Apartheids-Bewegung standen unter Beobachtung des Geheimdienstes. Die Ehe mit einer württembergischen Pfarrerin war dabei auch ein Schutz gegen eine mögliche Verhaftung.

So sollte ein Wechselspiel zwischen den Lebenswelten beginnen. Das Vikariat 1984 in Schwaigern, immer mal ­wieder eine Vakatur-Vertretung. Für Renate Cochrane waren das Augenblicke des Auftankens in einem Landstrich, in den sie am 25. September 1950 geboren wurde.

Als Tochter des evangelischen Dorfpfarrers Helmut Hofmann kam sie in Bonfeld bei Heilbronn zur Welt. Der bekanntere Teil des Elternhauses war freilich ihre Mutter: Die Schriftstellerin Charlotte Hofmann-Hege war auch den Lesern des Evangelischen Gemeindeblatts ein Begriff, ihr Bruder war der Heilbronner Prälat Albrecht Hege.

Das neue Südafrika stellte die Cochranes vor ganz neue Herausfoderungen. Nach dem Ende der Apartheid kehrten sie nach Kapstadt zurück, doch die Freude über die Präsidentschaft von Nelson Mandela wurde bald von neuen schlechten Nachrichten getrübt: AIDS breitete sich aus, befördert von den Wanderarbeitern, die das Virus nach Hause zu ihren Frauen brachten.

„Eine Erschütterung, viel schlimmer als Covid-19,“ sagt Renate Cochrane rückblickend. Sie selbst wurde zur AIDS-Aktivistin und half in der Herrnhuter Kirche (Moravian Church), Projekte für die kostenlose Medikamentenversorgung von HIV-positiven Müttern und Waisenkindern aufzubauen.

Dazwischen lagen Pfarrstellen in Württemberg: Schwaigern, Mainhardt, Finsterlohr. Mit Ausnahme von Finsterlohr konnte sie ihr Mann dabei immer begleiten. Das galt auch für ihre letzte Gemeinde, Göttelfingen im Schwarzwald. Ein besonderer Auftrag: Der Ort war traumatisiert, weil der evangelische Pfarrer katholisch geworden war.

Seither leben Renate und James Cochrane, ein emeritierter Professor der Universität Kapstadt, abwechselnd in Südafrika und in Tübingen. Die Corona-Krise hat sie länger als üblich in Württemberg festgehalten. Natürlich fühlt sie sich auch hier wohl, vor allem „die Sprache, der schwäbische Dialekt gibt mir ein Heimatgefühl“. Doch die Heimat ihres Herzens, daran lässt sie keinen Zweifel, ist Südafrika.



Renate Cochrane wird künftig in der Rubrik „Post aus Südafrika“ über das Leben am Kap der Guten Hoffnung berichten.

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