Christliche Themen für jede Altersgruppe

Hilfe am Horizont

SCHORNDORF – Seit 25 Jahren gibt es die die Drogenberatungsstelle „Horizont“ des Kreisdiakonieverbandes Rems-Murr-Kreis. Das Angebot ist niederschwellig, auch sorgende Familien angehörige können dort Hilfe finden. Oft würden die Folgen des Drogenkonsums unterschätzt, sagt Sozialarbeiterin Tanja Brous.

Zu illegalen Drogen wie Cannabis greifen auch junge Menschen im Alter von 12 bis 17 Jahren.(Foto: unsplash/ Alexander Grey)

 

Lebe, wie du bist. Aber lebe auch die Konsequenzen. Diese Logik möchte Tanja Brous denen vermitteln, die wegen Drogenmissbrauchs „Horizont“ aufsuchen. „Ist mir egal“ – eine solche Haltung führe nicht zum Ziel, ein mündiger Erwachsener zu werden, sagt die Sozialarbeiterin. „In Deutschland sind außer Alkohol alle Drogen illegal. Wer beim Konsumieren erwischt wird, gerät in Konflikt mit dem Gesetz“, sagt Brous. Die Ausrede, Alkohol sei „viel schlimmer als Drogen“, lasse sie nicht gelten.

Auch Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren greifen zu illegalen Drogen wie Cannabis, Heroin, Kokain, Ecstasy, Crystal Meth, Amphetaminen, Crack und LSD. Nach einer Dokumentation der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages aus dem Jahr 2020 wird Cannabis in dieser Altersgruppe am häufigsten konsumiert. Die Wirkung auf die Psyche wird oft als positiv empfunden. Die gesundheitlichen Risiken werden hingegen unterschätzt. Alle Substanzen führen zu Schäden im Reifeprozess von Kindern und Jugendlichen.

„Wer zu uns kommt, kommt, weil er oder sie ‚erwischt‘ wurde, weil Auflagen erteilt wurden, an einer Beratung teilzunehmen, oder weil es Probleme mit dem Führerschein wegen Drogenmissbrauchs gab“, nennt Tanja Brous einige Gründe.

Die niederschwellige Drogenhilfe „Horizont“ wurde vor 25 Jahren gegründet. Psychosoziale Beratungsstellen gibt es in Backnang, Schorndorf und Waiblingen, ihre Mitarbeiter sind für Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahren da. „Horizont“ wird vom Kreisdiakonieverband Rems-Murr-Kreis und der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz getragen und unter anderem durch den Rems-Murr-Kreis gefördert.

Etwa ein Drittel der Hilfesuchenden ist weiblich. Konkreter möchte die Sozialarbeiterin nicht werden. Die Beratung sei vertraulich und freiwillig, die Beratungen unterlägen als nicht abgeschlossene Prozesse der Schweigepflicht. Sorgende Familienangehörige oder Freunde können dort ebenfalls Hilfe finden. Angeboten werden auch Substitutionsbegleitung, Vermittlungen in Therapie und Entgiftung. „Wir sind bestens vernetzt“, sagt Tanja Brous. „Ein wichtiges Beratungsprinzip ist die Akzeptanz der Person, die gekommen ist“, sagt Tanja Brous.

Zwischen Hilfesuchenden und Beratenden soll eine Beziehung aufgebaut und ein Auftrag erarbeitet werden. „Dranbleiben“ sei ein Weg zum Erfolg. „Wir werten nicht, sondern suchen immer wieder neu den Zugang, wir bleiben ansprechbar, manchmal telefonieren wir hinterher“, sagt die 31-Jährige. „Wenn aber jemand kommt oder geschickt wird, der nichts möchte, kommen wir an unsere Grenzen“, ergänzt sie. Die zwei Jahre Corona waren für Hilfesuchende und Beratende eine besondere Herausforderung mit neuen Verunsicherungen und neuen Regeln. Online-Angebote und Wartelisten sind keine wirkliche Option für Menschen mit Suchtproblemen. Die Zahlen sind durchaus alarmierend: Mehr als jeder Dritte, der wegen Problemen mit Cannabis im Südwesten Deutschlands eine Suchberatung aufsucht, ist mit höchstens 14 Jahren in den Konsum der Droge eingestiegen.

Nach Daten der Landesstelle für Suchtfragen (LSS) nahmen im Jahr 2021 knapp 62 000 Menschen eine der Suchtberatungsstellen in Anspruch. Knapp vier von zehn Beratungsssuchenden hatten sich aus eigenem Antrieb gemeldet, bei jedem Dritten standen Polizei, Justiz und Bewährungshilfe hinter der Meldung. „Wir brauchen bei Cannabis dringend mehr Prävention“, schlussfolgert Dorothea Aschke, die stellvertrende LSS-Vorsitzende. Konzepte seien vorhanden, es mangele jedoch an Personal und anderen Ressourcen.

www.drogenhilfe-horizont.de

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