Christliche Themen für jede Altersgruppe

Himmlisches Marketing - Ein Modernes Weihnachtsspiel

Was wäre, wenn man die Geburt Jesu nach modernen Marketingmethoden durchorganisiert hätte? Ein augenzwinkernder Dialog zwischen zwei Engeln im Himmel. Oder auch: Ein Weihnachtsspiel der besonderen und zeitgemäßen Art.

Ein breiter, überirdisch schöner Wandelgang. Zu beiden Seiten, gesäumt von Rundbögen, öffnet sich der Blick auf Galaxien und Sternenwolken, die einander in der Bewegung der Ewigkeit umkreisen. Die Säulen der Bögen bestehen aus strahlendem Alabaster, der sich mal in roten, golddurchwirkten Marmor, mal in blauen Opal verwandelt. Dauerhafter Verwandlung unterliegen auch die zahllosen Wesen, die den Gang bevölkern. In einem Moment menschlich, doch von göttlicher Schönheit, erscheinen sie im nächsten als reines Licht, umgeben von einem Kranz aus sechs Flügeln. Ein eifriges Flüstern und Gewisper erfüllt alles. Doch dann ruft eine laute Stimme. Ein kleiner Engel eilt einer Gestalt nach, die sich wechselweise mal als Wolken- und mal als Feuersäule zeigt. Sie winkt mit einem güldenen Klemmbrett.

Engelchen. Alexas Fotos, pixabayEngelchen. Alexas Fotos, pixabay

Emilia: Euer Erlaucht Uriel, bitte, wenn ihr kurz ... Verzeihung, ich muss hier durch! Bitte, Euer Erlaucht, ich hätte eine Frage. Nur einen Augenblick.
(Die Wolken- und Feuersäule dreht sich einmal um sich selbst und verfestigt sich zu Uriel, dem Engel des Lichtes des Höchstem)

Uriel: Friede sei mit Ihnen!

Emilia: Erlaucht, ich renne schon seit Proxima Centauri hinter Euch her! Also, diese Zeitenwende-Sache, die uns alle so sehr beschäftigt: Bei uns in der Marketingabteilung summt es wie in einem Bienenkorb. Ich hätte da ein paar Vorschläge. Kleine Inspirationen nur – aber ich glaube, sie unterstreichen die Bedeutung des ganzen Projekts!

Uriel: Sie sind Engel Emilia?

Emilia: Emily. Einfach Emily. Wir sind im Marketing etwas lockerer – nichts für ungut.

Uriel: Wissen Sie, Emily, es geht hier nicht nur um ein Projekt, sondern um mehr. Ich betrachte das kommende Ereignis als den Höhepunkt meines ewigen Lebens.

Emilia: Und das ist er auch! Für Euch und für das ganze himmlische Team. Aber ich fürchte, in den unteren Sphären auf der Erde wird der Charakter dieses einzigartigen Datums unklar bleiben, wenn man wie vorgesehen das Event in einem (blättert in den Notizen) „Stall“ stattfinden lässt. Ein Stall! Wo soll man da das ganze Equipment unterbringen oder die Komparsen? Apropos Komparsen. Es steht hier zwar etwas von drei Würdenträgern, aber auch von „angestellten Kleinviehbetreuern“. Hirten, Euer Erlaucht – da muss jemandem ein Irrtum unterlaufen sein!

Uriel: Nein, eigentlich nicht.

Emilia: Nicht?

Uriel: Kein Irrtum, nein.

Emilia: Also gut, Hirten. Es gibt bestimmt hervorragende Gründe, auf ungelernte Arbeitskräfte aus den unteren Schichten zurückzugreifen. Understatement-Strategie, innovativ. Aber habt Ihr schon mal an die Hirten gedacht? Versetzt Euch mal in sie hinein! Es gibt Gründe, warum sie ungelernt sind und aus unteren Schichten kommen. Das Ganze könnte diese geistig Armen wirklich ernstlich verwirren, gar traumatisieren.

Uriel: Der Begriff „Understatement-Strategie“, Engel Emily, ist in Bezug auf das kommende Ereignis kaum angemessen.

Emilia (wedelt sich mit dem Klemmbrett Luft zu): Bei allem Respekt, ich bin nur ein kleiner Marketing-Engel. Ich verstehe nichts von diesen theologischen Dingen …

Uriel: … und diejenigen, die für die theologischen Dinge zuständig sind, verstehen nichts von Marketing, nehme ich an?

Emilia: Ahahaha, witzig! Wie dem auch sei, diese Gelegenheit, Euer Erlaucht, diese Gelegenheit wäre ideal, um unsere Ressourcen zu bündeln. Profunder Content, Strategie und Substanz: ein himmlisches Beispiel für Synergie. Wir stehen alle voll hinter der Sache! Und es sind nur kleine Veränderungen, die mir vorschweben: nicht gerade ein Hinterhof, eher ein Königshof. Statt drei Würdenträger dreihundert, ach was, alle! Dann sollte das Ganze nicht in diesem winzigen Handtuch von einem Land stattfinden. Das kennt doch keiner. Sie haben da in China ein viel angemesseneres Anwesen namens „Alte Kaiserstadt“. Das klingt nach Würde, nach Größe, nach kraftvoller Tradition. Exquisites Naming! Namen sind die halbe Miete bei der Markteinführung.

Uriel: Emiliy...

Emilia (lässt sich von der eigenen Begeisterung hinreißen): Ich sehe da nur Chancen, eine eindeutige Winwin-Situation. Marginale Veränderungen, maximaler Effekt.

Uriel: Emilia!

Emilia: Bitte?

Uriel: Haben Sie das Memo zur Kenntnis genommen?

Emilia: Was für ein Memo? (blättert hektisch in ihren Notizen) Ach, das Memo. Habe ich zur Kenntnis genommen. (lacht aufgekratzt) Ist ein bisschen untergegangen zwischen den Projekten und den Meetings und den Projektmeetings.

Uriel: Ich fasse noch einmal zusammen: Es geht hier weder um Strategie noch Plan. Das kommende Ereignis ist eine Entscheidung. Der Allmächtige hat entschieden, sich seiner Allmacht zu entäußern. Er hat entschieden, denen gleich zu werden, die ihn nicht mehr erkennen.

Emilia: Aber wie sollen sie ihn erkennen, wenn nicht durch das ganze Ideenfeuerwerk eines ausgeklügelten Marketings: von der optimalen Location bis zum perfekten Eventablauf?

Uriel: Ich will Sie nicht entmutigen, Emily, Sie haben sich bemüht und ich erkenne an, wie sehr Sie sich anstrengen. Aber das, was Sie im Sinn haben, ist nicht das, um was es geht.

Emilia (verzweifelt, plötzlich fällt alle Professionalität von ihr ab und sie ist ganz Engel): Doch, genau darum geht es! Diese Menschenwesen, sie begreifen nicht. Die Manna-Wachtel-Kampagne – war schon vergessen, kaum hatten sie aufgegessen. Die Trockenen-Fußes-durchs-Meer-Aktion – eine totale Fehlzündung. Und die Turm-zu-Babel-Offensive hat die Verwirrung vergrößert, anstatt Klarheit zu schaffen. Bislang hat nichts überzeugt. Man muss alles in Bewegung setzen. Nicht nur den Himmel, sondern auch die Erde. Damit sie endlich sehen!

Uriel: Sie sprechen von der Viel-hilft-viel-Strategie, nehme ich an?

Emilia (schreit; ihre Flügel sind gespreizt, sprühen diamantene Lichtfunken vor Erregung): Ganz und gar nicht, Euer Erlaucht. Ich spreche von der Alles-muss-her-Strategie!

Uriel: Ich verstehe.

Emilia: Gott sei Dank!

Uriel: Ich verstehe, warum Sie nicht verstehen. Das ist wohl die Tücke eines Denkens in Marketingkategorien. Es gibt keine Idee außerhalb von Kennzahlen und Strategien. Sie haben Ihre Aufgabe hervorragend erfüllt, Engel Emily, Sie denken vollkommen menschlich. Die Entscheidung des Allerhöchsten gründet sich allerdings auf einer – wie soll ich sagen? – vollständig anderen Idee.

Emilia: Welcher Idee?

Uriel: Es ist eigentlich keine Idee. Es sei denn, man nennt den Grund, weswegen wir sind, weswegen die Menschen sind und weswegen der Allerhöchste angesichts der Pracht der Unendlichkeit (zeigt auf die Sternenbänder und leuchtenden Galaxien unter ihren Füßen) ihrer dennoch gedenkt, eine bloße Idee.

Emilia: Was ist es? (der Engel lässt das Klemmbrett sinken, die Notizen rutschen herab. Gleichzeitig bilden die sechs Flügel einen Kranz. Goldenes Licht glimmt auf in der Brust des Engels). Ich muss es wissen!

Uriel: Sie tragen es tief in sich. Es ist wohl ein wenig verschüttgegangen unter all Ihren Bemühungen.

Emilia: Was ist es?

Uriel: In Marketingkategorien nicht fassbar. Aber dafür hat sich der Allerhöchste entschieden: Es ist die Hingabe, Engel Emilia.

Kreuz. Erlösung. Vergebung. Auferstehung Jesu. Foto: Congerdesign, pixabayKreuz. Erlösung. Vergebung. Auferstehung Jesu. Foto: Congerdesign, pixabay

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