Christliche Themen für jede Altersgruppe

Hinhören und die Ohren spitzen

Seit September 2021 gibt es in Ulm das Projekt „Vesperkirche Plus“. Die herzliche Atmosphäre der Vesperkirche soll dort das ganze Jahr spürbar sein. Diakonin Debora Schüz-Gaccione will dafür neue Angebote entwickeln.

Debora Schüz-Gaccione will wissen, was Vesperkirche für die Gäste ausmacht. Foto: privat

Ihre Stelle geht im Wesentlichen zurück auf zwei Worte: „Und jetzt?“ Dass Debora Schüz-Gaccione sich seit September 2021 dem Projekt „Vesperkirche Plus“ widmen kann, hat seinen Ursprung in der Frage, die es in Ulm immer wieder am Ende der Vesperkirchen-Zeit zu hören gab: „Schade, dass es schon wieder vorbei ist, die Vesperkirche war so schön – und jetzt?“ Eine Antwort auf dieses „Und jetzt?“ zu finden, ist ein Ziel ihrer Arbeit.

Debora Schüz-Gaccione, 1991 geboren, hat Soziale Arbeit und Diakoniewissenschaft in Ludwigsburg studiert und danach als Diakonin im Kirchenbezirk Besigheim gearbeitet. Ihr Schwerpunkt war die Arbeit mit Geflüchteten. Das setzte sie in Ulm ab September 2020 fort und auch heute ist sie noch mit 30 Prozent in der kirchlichen Flüchtlingsarbeit tätig. Hauptsächlich kümmert sie sich aber mit 50 Prozent um die „Vesperkirche Plus“.

In den gut vier Monaten, seit sie die neugeschaffene Projektstelle an der Pauluskirche innehat, stand erst einmal vor allem Vesperkirche und weniger Plus auf dem Plan. Sie half bei der Vorbereitung der Ulmer Vesperkirche 2022 mit – und war auch bei der schweren Herzens getroffenen Entscheidung dabei, dass es erneut keine Vesperkirche an Tischen in der Pauluskirche sein wird. Stattdessen gibt es in Ulm eine Vespertüten-Aktion, wie schon 2021.

Debora Schüz-Gaccione ist zuversichtlich, dass sie auch unter diesen Bedingungen mit den Menschen ins Gespräch kommen kann. „Was macht die Vesperkirche aus? Was vermissen die Leute ohne Vesperkirche? Welche Angebote gibt es vielleicht schon, welche könnten neu dazukommen? Was können wir gegen Armut und Einsamkeit tun?“ Mit diesen Leitfragen möchte sie „hinhören, in Kontakt kommen und die Ohren spitzen“, wie sie fröhlich erzählt.

Für sie selbst ist klar: „Die Vesperkirche ist eine wunderbare Sache, weil man Leuten begegnen kann, die ganz anders sind als man selbst. Dass man als Mensch genug ist, so wie man ist – das ist ein Vesperkirchen-Gedanke.“ Die Erfahrung hat sie schon während ihres Studiums in Ludwigsburg gemacht. „Ich war als Studentin dort und habe es sehr genossen, mit verschiedenen Leuten am Tisch zu sitzen, die ich sonst nicht getroffen hätte“, sagt sie. „Essen verbindet.“

Das große Team von Ehrenamtlichen in Ulm und Pfarrer Peter Heiter von der Pauluskirche haben ihr ein herzliches Willkommen bereitet. „Ich spürte sofort: das ist ein Ort, der Wärme ausstrahlt“, sagt sie über ihren Empfang. Gelegenheit, etwas von dieser Wärme in die Welt weiterzugeben, hatte sie schon kurz nach Stellenantritt: Landesbischof Frank Otfried July interviewte sie in der Fernsehsendung „Weihnachten zuhause“, die an den Weihnachtstagen auf den Sendern Regio TV und Bibel TV lief. „Da war ich natürlich schon ein bisschen aufgeregt“, gesteht Debora Schüz-Gaccione. Die vielen positiven Rückmeldungen auf ihren Auftritt haben sie gefreut und die Ulmer Vesperkirchen-Arbeit ist dadurch im Land vielleicht noch ein wenig bekannter geworden.

Wie sich das „Plus“ zur Vesperkirche mit Leben füllen lässt und welche Angebote sich als Antwort auf das „Und jetzt?“ ergeben, weiß Debora Schüz-Gaccione noch nicht. Die Zielrichtung ist aber klar: „Es geht darum, das ganze Jahr über herzlich willkommen zu sein und aus der Einsamkeit herauskommen zu können.“ Gerade Corona habe gezeigt, dass vielen Menschen Begegnungsorte fehlen. Niederschwellige Angebote wo man sein kann, wie man ist. Und wenn es dort noch etwas zu Essen gibt – umso besser. □

Information

Die Vesperkirche in der Ulmer Pauluskirche gibt es seit 1996. Zum zweiten Mal hintereinander wird sie 2022 zur „Vespertüten-Aktion“. In der Zeit zwischen 20. Januar und 13. Februar geben Helfer jeweils von Donnerstag bis Sonntag Vespertüten im Außenbereich der Pauluskirche aus. In den Tüten befinden sich reichhaltige Lebensmittel und Getränke sowie ein „Mutwort“ von Ulmer Seelsorgern.

Mehr unter Telefon 0731-22728 sowie unter www.pauluskirche-ulm.de/vesperkirche