Christliche Themen für jede Altersgruppe

Hören und Glauben - Impuls zur Predigt

Römer 10,17 So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.

Hören und Glauben

Impuls für den 17. Sonntag nach Trinitatis: Römer 10,9-17 (18).

Von Martin Hauff


Martin Hauff ist geschäftsführender Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde Langenau im Kirchenbezirk Ulm. Foto: Privat

Glauben wagen ist das Thema des 17. Sonntags nach Trinitatis. Aber wie kommt es zum Wagnis des Glaubens? Glaube ist nichts, was wir machen können. Nach dem Motto: Du musst nur die richtige Methode wählen, und der Glaube sprießt auf. Glaube ist immer unverfügbar. Es gibt die beglückende Erfahrung, dass Menschen den Glauben entdecken und aus ganzem Herzen bekennen: „Ich glaube an Jesus Christus“. Daneben gibt es die Erfahrung, dass Glaube zurückgewiesen wird, dass Menschen mit den Achseln zucken oder vehement widersprechen. Wie kommt der Glaube zu den Menschen? Paulus antwortet im Römerbrief programmatisch: „So kommt der Glaube aus der Predigt.“

So hat Martin Luther übersetzt, weil er und die anderen Reformatoren zutiefst davon überzeugt waren: Gott hat das Predigtamt eingesetzt, damit Menschen das Evangelium von Jesus Christus hören und dabei das Wunder geschehen kann, dass sie für sich den Glauben an Jesus entdecken. Dabei ist das Predigtamt nicht nur ein Vorlese-Amt. Die Predigerin sagt vielmehr mit eigenen Worten, wo sie den Trost des biblischen Wortes entdeckt hat. Der Prediger sagt in eigenen Worten, welche wegweisenden Impulse für die Herausforderungen unserer Zeit er aus dem vorgegebenen Bibelwort herausgehört hat.

Martin Hauff ist geschäftsführender Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde Langenau im Kirchenbezirk Ulm. Foto: PrivatDann kann es zu solchen Sternstunden der Predigt kommen wie am 1. Mai 1521. Es ist 5 Uhr morgens. In der großen Stiftskirche in Bad Hersfeld drängen sich die Menschen, um Martin Luther zu hören. Er ist auf der Rückreise vom Reichstag in Worms, wo er sich auf sein Gewissen berufen hat. Deshalb gedenken wir 2021 dieser europäischen Sternstunde des erwachten individuellen Gewissens. Trotz auferlegten Predigtverbots redet Luther – ausgehend vom Wort Christi, aus dem er Kraft schöpft, nicht gegen sein Gewissen zu handeln. Eine Sternstunde der Predigt, die Menschenherzen berührt. Daneben stehen Erfahrungen, dass die Predigt Anlass zum Gähnen und zum Kirchenschlaf geben kann. „Hört die Predigt mit der Erwartung: Was ist der eine Satz, der mich heute Morgen berührt?“, sage ich meinen Konfirmanden. Mit dieser Erwartung sind auch heute kleine und große Sternstunden der Predigt zu erleben.

Trost des biblischen Wortes

Hören weitet den eigenen Erlebens- und Erfahrungshorizont. Im Hören wird meine Lebensgeschichte mit den Worten und der Lebensgeschichte Christi verknüpft. Hören ereignet sich nicht nur während der Kanzelrede, sondern auch im Gespräch von Mensch zu Mensch. Der Satz des Paulus kann nämlich auch so übersetzt werden: „So kommt der Glaube aus dem Hören, aus dem verkündigten und gehörten Wort Gottes.“ Sosehr uns in den letzten Monaten digitale Verkündigungs-Formate bereichert haben, so sehr haben wir den Wert persönlicher Begegnung neu schätzen gelernt. Hören in Präsenz schafft in besonderer Weise Erfahrungsräume für den Glauben, in denen Resonanzen ausgelöst und Herzen berührt werden. Auf dem Konfirmandenwochenende, wenn Konfirmanden mit Jugendmitarbeitern ins Gespräch kommen: „Was bedeutet dir der Glaube an Jesus Christus?“ Oder im seelsorglichen Vieraugengespräch: „Kann der Glaube auch in dieser Grenzsituation tragen?“ Oder im Frauentreff oder Männerkreis: „Wie krieg ich die Jahreslosung mit meinem Alltag zusammen: ‚Seid barmherzig…‘?“ Im Wechselspiel von Hören und Reden machen Menschen sich auf den Weg, Glauben zu wagen. Denn das Evangelium ist im Tiefsten eine Beziehungs-Botschaft, die sich in direkter Anrede vollzieht.

Gebet. Auf Gott hören. Foto: Andrea Don, pixabay Foto: Andrea Don, pixabay

Gebet

Herr, hilf, dass wir unter den vielen Worten, die an unsere Ohren dringen, dein Wort hören.

Hilf uns, es so zu hören, dass wir Glauben wagen.

Dass wir erkennen, dass die Aufgabe, die vor uns liegt, nie so groß ist wie deine Kraft, die hinter uns steht.

Amen.