Christliche Themen für jede Altersgruppe

Hoffnung auf Gerechtigkeit - Impuls zur Predigt

Lukas 23,32-49 (in Auszügen) Es wurden aber auch andere hingeführt, zwei Übeltäter, dass sie mit ihm hingerichtet würden. Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun! Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes.

 

Hoffnung auf Gerechtigkeit

Impuls für den Karfreitag: Lukas 23,32-49.

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Von Monika Renninger

Pfarrerin Monika Renninger leitet das Evangelische Bildungszentrum Hospitalhof in Stuttgart. Foto: Privat

„Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Jesus vergibt den Soldaten, den Spöttern, den Verbrechern, den Tätern, den Mitläufern. Für seine Zeitgenossen ein selbstverständlicher Anblick: Als einer, der politisch gefährlich werden konnte, hing Jesus am Kreuz. Flavius Josephus, Geschichtsschreiber jener Zeit, erzählt, die Straßen nach Jerusalem seien gepflastert gewesen mit Kreuzen, an denen Frauen wie Männer hingen, die den Römern gefährlich zu werden drohten.

Pfarrerin Monika Renninger leitet das Evangelische Bildungszentrum Hospitalhof in Stuttgart. Foto: PrivatAuch Jesus hing da als einer, der das sensible Gefüge aus religiöser Souveränität und Ordnung gegenüber der Besatzungsmacht ins Wanken brachte. Er hing da als einer, der für Unruhe sorgte, denn seine Anhänger sagten, er würde Gottes verändernde Macht durchsetzen.

Jesu Kreuz mitten zwischen anderen Kreuzen: Gewalttaten sichern Macht. Kreuze werden aufgestellt aus politischem Kalkül, aus Rache, Fanatismus oder Verzweiflung, die in Hass umschlägt. Im Kreuz Jesu verdichten sich Gewalt- und Leiderfahrungen der Menschheit. Was Menschen zu tragen haben in ihrem Leben, verschwindet nicht angesichts dieses Kreuzes, als seien ihre Erfahrungen weniger wichtig. Im Gegenteil: Was Menschen zu tragen haben in ihrem Leben, wird sichtbar in diesem Kreuz.

Wo Menschen zu Opfern von Hass und Gewalt werden, steht Jesu Kreuz. Bei den in Terror und ständiger Sorge gehaltenen Menschen in den Krisengebieten der Welt. Bei denen, die vor dem Krieg aus der Ukraine fliehen müssen. Bei denen, die in Russland protestieren und sich dem Regime von Putin nicht beugen wollen. Bei denen, die lebensbedrohend erfahren, was ist, wenn kein Friede ist.

„Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes.“ Spricht nicht alles gegen Jesu Botschaft, dass Gott durch ihn wirke? Denn wenn Jesus der Messias Gottes wäre, dann könnte er sich doch retten – und alle anderen auch. Wenn Jesus Gottes Sohn wäre, dann müsste Gott sich gegen sein unschuldiges Leiden stellen und eingreifen. Gott soll sich beweisen. Ist das so?

Glauben unter Vorbehalt

Nur wenn Gott die Erwartungen erfüllt, verdient er den Glauben der Menschen? Nur wenn es alles nicht mehr gibt, was gegen ihn spricht – Leid, Schmerzen, Tod – dann erst kann man glauben? Glauben unter Vorbehalt. Glaube, der Bedingungen stellt. Glaube, der an hellen Tagen leichtfällt und in dunklen Zeiten verweht. Gebe uns Gott die Kraft des Glaubens, der auch in Not und Angst an Gott festhält – an Gott als Ort der Klage und des Widerstandes gegen das Leid.

Dazu ein Gedanke von Navid Kermani, Friedenspreisträger, Schriftsteller und Muslim: „Auch wenn wir es vielleicht niemals vollständig begreifen, spüren wir, dass ein Geheimnis im Martyrium liegt. ... Jesu Klage, Gott habe ihn verlassen, war bereits die Klage Davids im Alten Testament und wird auch in Zukunft die Klage aller sein, die auf Erden unterdrückt, gemartert oder mit Leid überzogen werden. Und die Auferstehung bewahrt die Hoffnung, dass den Leidenden im Jenseits Gerechtigkeit widerfährt.“

Kreuz, Ostern, Erlösung. Foto: Geralt, pixabayFoto: Geralt, pixabay

Gebet

Kein Schmerz ist in uns oder in der Welt, den du nicht kennst, Gott.

Denn du hast die tiefsten Dunkelheiten der Welt berührt.

Wir trauern mit dir um alles, was in den Tod gerissen wird.

Gib uns nicht her.

Kein Ort ist im Himmel, an dem du nicht bist, Gott.

Denn du erfüllst Himmel und Erde.

Lass uns erfahren, dass du gegenwärtig bist, auch in Leiden und Angst und Einsamkeit.

Gib uns nicht verloren.

Amen.

 

Farbe an Karfreitag: Schwarz