Christliche Themen für jede Altersgruppe

Hoffnung trägt - Impuls zur Predigt

Jesaja 49,1-6 (in Auszügen) Und Gott sprach zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch den ich mich verherrlichen will. Ich aber dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst. Und nun spricht der Herr, dass ich Jakob zu ihm zurückbringen soll und Israel zu ihm gesammelt werde – und ich bin vor dem Herrn wert geachtet, und mein Gott ist meine Stärke. Gott spricht: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten, sondern ich habe dich auch zum Licht der Völker gemacht, dass mein Heil reiche bis an die Enden der Erde.

Hoffnung trägt

Impuls für den 17. Sonntag nach Trinitatis: Jesaja 49,1-6.

Von Thomas Oesterle

Thomas Oesterle ist Pfarrer an der Pauluskirche in Schorndorf. Foto: Breusch

 

Immer wenn wir mit Niederlagen umgehen, sind wir schon mittendrin in dieser Geschichte. Denn der Prophet hatte keinen Erfolg. Wie reagiert nun sein Auftraggeber? Trotz des Misserfolgs vertraut Gott ihm eine noch umfassendere Aufgabe an. Deshalb lohnt es sich, diesen Verlierer, der am Ende dazugewinnt, näher anzuschauen.

Thomas Oesterle ist Pfarrer an der Pauluskirche in Schorndorf. Foto: BreuschWas war geschehen? Das Unausdenkbare war zur Zeit des Jesaja passiert: Jerusalem und der Tempel waren 587 vor Christus von der babylonischen Militärmacht zerstört worden. Viele Juden wurden ins Land der Sieger verschleppt. Unter ihnen auch unser Prophet. Die äußere Lage war dort gar nicht so dramatisch, aber die Gemütsverfassung der Juden war tiefdunkel. Was ihnen besonders zusetzte, war das Gefühl, hier in diesem fremden Land Babylon gänzlich von Gott abgeschnitten zu sein. Im ganzen Volk Israel sind die Vorräte an Hoffnung ausgegangen, nur bei Jesaja nicht. Während ringsherum Resignation herrscht, sprudelt seine Hoffnungsquelle. Gott hat ihn zu seinem Knecht auserwählt. Wir denken, als Knecht sei man abhängig und unterdrückt. Aber von Gott abhängig zu sein, das bedeutet an der Hoffnungsquelle trinken zu können! Deshalb schaut dieser Gottesknecht nach vorn: „Im Namen Gottes sage ich euch: Gott wird euch bald in die Heimat zurückführen und als Volk sammeln.” Diese Zusage wird unter dem Perserkönig Kyros wahr werden. Aber wie erging es Jesaja, als er seine Hoffnung an sein Volk weitergeben wollte? Das wurde keine Erfolgsgeschichte. Er muss erleben, wie seine Worte – diese Hoffnungspfeile – nicht die Herzen erreichen, sondern im Panzer der Resignation stecken bleiben. Doch der Prophet setzt darauf, dass Gott ihm – zu seiner Zeit – sein Recht verschafft.

Gott reagiert unerwartet auf den Misserfolg seines Propheten. Statt ihm das Vertrauen zu entziehen, vertraut er ihm eine noch viel größere Aufgabe an: „Ich habe dich zum Licht der Völker gemacht.“

Gott hat etwas vor

Fast alle Ostererzählungen sind von einem ähnlichen Umschwung geprägt. Die Jünger stehen noch unter dem Schock des Karfreitags. Doch der Auferstandene tritt in ihre Mitte und gibt sich zu erkennen. Und dann passiert etwas ähnlich Überraschendes wie bei dem Propheten: Ausgerechnet dieses Häuflein verzagter Jünger, erhält einen großen Auftrag: „Gleich wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Johannes 20,21).

Das alles ist uns nicht fremd. Wir erleben Vergeblichkeit auf unsere ganz eigene Weise, etwa wenn Gottesdienste trotz aller Anstrengungen leerer werden. Wenn in Europa ein Land, das seine Atomwaffen abgab, überfallen wird. Doch Gott sagt in solche Situationen hinein: „Meint nicht, ihr seid wegen eurer Misserfolge von mir abgeschrieben. Nein, ihr seid meine Leute. Ich habe noch viel mit euch vor. Denn Glaube, Hoffnung und Liebe sind Mangelware in dieser Welt. Und ihr habt große Vorräte! Gebt sie weiter! Ich bin an eurer Seite. Euch wird mehr gelingen als ihr denkt!“

Foto: unsplash/Brad WestFoto: unsplash/Brad West

Gebet

Vater unser Schöpfer, Bruder Christus, Kraft des Geistes in mir.

Ich lebe in Zeiten, in denen die Hoffnung klein und die Angst groß geworden sind.

Trotzdem rufst du mich, Menschen mit neuer Sehnsucht auf Zukunft zu erfüllen.

Alleine kann ich das nicht.

Aber dort, wo du nahe bist, kann ich aus dem Berg der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung herausschlagen.

Gib mir Mut dazu.

Amen.