Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Humor ist heilsam“

Er kann sich Jesus nur als lebensfrohen Mann vorstellen, sagt Søren Schwesig, Stuttgarter Stadtdekan und Mitglied des Kabarettduos „Die Vorletzten“. Warum es in der Bibel trotzdem wenig humorvolle Stellen gibt, welche Schlussfolgerungen die Kirchenväter daraus zogen und warum Lachen im heutigen Gemeindealltag so wichtig ist, erklärt Schwesig im Gespräch mit Frank Lutz.


Stadtdekan und Kabarettist: Søren Schwesig (links) und sein Bühnenpartner Peter Schaal-
Ahlers von „Die Vorletzten“. (Fotos: privat)


Gibt es dann überhaupt einen typisch christlichen Humor?
Søren Schwesig:  Das könnte ich nicht sagen. Das Befreiende am Humor ist, dass ein Mensch über sich selbst lachen kann. Das ist eine hohe Kunst: Ich trete neben mich und bekomme so eine leichtere Haltung zu mir und zur Welt. Das ist heilsam und rückt die Dinge wieder an die richtige Stelle. Der Glaube hilft, die Welt ernst zu nehmen, aber nicht zu ernst. Dazu gibt es einen schönen Satz aus einem Psalm des Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch: „Was macht, dass ich so unbeschwert, und mich kein Trübsal hält, weil mich mein Gott das Lachen lehrt, wohl über alle Welt.“

Wie geht die Kirche mit dem Thema Humor um?
Søren Schwesig: Lange Zeit war nach den Vorstellungen vieler Kirchenväter das Thema Humor tabu. Origenes war überzeugt, dass Jesus nicht gelacht habe. Er folgerte daraus, dass das Lachen in der Kirche nichts zu suchen habe. Augustinus wollte im fünften Jahrhundert sogar alles Fröhliche aus der Gemeinde verbannen. Vielleicht fürchteten die Kirchenväter das Phänomen, dass ein Mensch, der in unkontrolliertes Lachen ausbricht, nicht mehr Herr seiner selbst ist. Wer heute so lachen kann, genießt wohl eher diesen Kontrollverlust. Damals hatte man Angst davor und sah das Lachen als Ausfluss des Teufels. Die Kirche nutzte aber ein Schlupfloch: das Osterlachen, bei dem der Tod ausgelacht wurde. Dabei ging es oft sehr derb zu. Eine ähnliche Funktion hatte und hat ja auch der Karneval.  

Wann hat sich die Kirche dem Humor mehr geöffnet?

Søren Schwesig: Nach den Tischreden Martin Luthers und anderer seiner Schriften weiß man, dass der Reformator sehr humorvoll war. Von ihm stammt der Satz: ,Ein Heiliger, der traurig ist, ist ein trauriger Heiliger.‘ Luther hat ja als Mönch erst asketisch gelebt. Später wurde er zu einem Menschen, der ein nach außen gewöhnliches Leben führte und etwa Bier, Wein und Fleisch genoss. Heute habe ich den Eindruck, dass unsere Gemeindemitglieder mit dem Humor sehr offen umgehen. Humor gehört zu ihrem Leben und bereichert es. Die vielen Kirchenkabarettisten, die es heute gibt, sind ein Indiz dafür, dass das Thema Humor längst auch Einzug in die Kirche gehalten hat.

Bei vielen kirchlichen Kabarettgruppen fällt auf, dass sie nur aus Pfarrern bestehen. Muss christlicher Humor immer von Pfarrren ausgehen?
Søren Schwesig: In der Tat gibt es unter den kirchlichen Kabarettisten nur wenige „normale“ Gemeindemitglieder. Warum das so ist, kann ich Ihnen nicht erklären. Aber viele Kabarettgruppen bestehen aus Diakonen oder Pastoralreferenten. Nach dem Besuch mancher Vorstellungen habe ich ein bisschen den Eindruck, dass manche ein Stück weit auch ihren persönlichen Frust an der Kirche loswerden wollen.

Sie selbst sind seit fast 15 Jahren als Kabarettist aktiv. Setzen Sie seitdem Humor bewusster im Gottesdienst ein?
Søren Schwesig: Nein, das gehört zu meinem Wesen. Ich bin ein humorvoller Mensch. Das Lachen ist schon immer ein Teil meines Lebens gewesen.

Gibt es für Sie auch Tabus?
Søren Schwesig: Ja, Judenwitze und Überlegenheitswitze, bei denen ich Menschen auslache. Über Menschen zu lachen finde ich nur dann in Ordnung, wenn es auf eine liebevolle Weise geschieht. Es ist aber oft ein ­schmaler Grat, ob ein Witz verächtlich ist oder ob die Betroffenen darüber lachen können.

Und bei Witzen über die Kirche?
Søren Schwesig: Natürlich darf man die Kirche auf die Schippe nehmen, aber auch da wird es schwierig, wenn es gehässig, hasserfüllt oder abwertend zugeht. Das Magazin „Titanic“ etwa finde ich oft sehr derb, aber damit muss ich und kann ich leben.

Nimmt sich die Kirche auch heute noch zu ernst?
Søren Schwesig: Ich möchte hier nicht von „der Kirche“ sprechen. Weil unsere Kirche eben aus Menschen besteht, sind wir sicher oftmals in Gefahr, gewisse Dinge zu bierernst nehmen. Dabei kann man Themen wie Strukturfragen und Ressourcenrückgang auch mit fröhlichem Ernst angehen. In den Gremien, die ich leite, wird eigentlich in jeder Sitzung gelacht. Dazu fällt mir eine Stelle aus Psalm 26 ein: „Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein.“ Das gefällt mir, denn Humor wird hier als etwas Gottgefälliges gesehen.


Würden Sie uns zum Abschluss noch Ihren Lieblingswitz erzählen?
Søren Schwesig: Aber gerne. Treffen sich zwei katholische Pfarrer. Fragt der eine: „Meinst du, wir erleben noch die Abschaffung des Zölibats?“ Antwortet der andere: „Wir nicht, aber vielleicht unsere Kinder.“


Information
Søren Schwesig (53) ist seit 2013 Stadtdekan von Stuttgart. Vorher war er Pfarrer und stellvertretender Dekan an der Schwäbisch Haller Johannes-Brenz-Kirche sowie als Schuldekan für die Kirchenbezirke Leonberg und Ditzingen tätig. 2001 begründete Schwesig mit Peter Schaal-Ahlers und Kurt Enßle die Kabarettgruppe „Die Vorletzten“. Ursprünglich nur für einen Auftritt geplant, haben Schaal-Ahlers und Schwesig seitdem als Duo in ganz Württemberg und vielen anderen Regionen auf der Bühne gestanden. Schwesig ist verheiratet und hat zwei Töchter.





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Steffen Schulz (Hr.)
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