Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ich bin getauft - Impuls zur Predigt

 

Matthäus 3,17 Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

Ich bin getauft

Impuls zum Predigttext für den 1. Sonntag nach Epiphanias: Matthäus 3,13-17.

Von Siegfried Jahn (Foto: Privat)

Dekan Siegfried Jahn, BlaufeldenAls einmal bei einem Gespräch Martin Luthers mit seinen theologischen Kontrahenten die Fetzen flogen und sich das geistige Durcheinander seiner zu bemächtigen drohte, da nahm Luther – so wird berichtet – ein Stück Kreide und schrieb auf den Tisch vor sich hin: Ich bin getauft!

Ich bin getauft

„Ich bin getauft!“ – das könnten wohl viele auch ganz sachlich-nüchtern sagen. Das muss man sich aber mitunter ganz bewusst sagen, wenn die Wogen des Lebens über einem zusammenschlagen. Und wenn Luther es sich nicht mehr sagen konnte, so schrieb er es sich mit Kreide auf den Tisch.

Wenn mir jemand so zusetzt, dass ich mich selbst zu vergessen drohe, dann sage ich mir: Ich bin getauft!

Wenn der Alltag mit seinen Geschäften, Anforderungen und Kompromissen meine christliche Identität zu verbiegen droht, dann gilt: Ich bin getauft!

Wenn mir eine Krankheit zu schaffen macht, meine Tage verdüstert und ich in meinem Krankenbett viel grüble und mich gräme, dann hilft mir zu wissen: Ich bin getauft.

Durch die Taufe gehöre ich zu Jesus Christus. Ich lebe im Machtbereich des dreieinigen Gottes, gehöre zur Familie Gottes. Durch die Taufe bin ich Bruder oder Schwester zu jemand, der in China oder Australien, in Indien oder im Kaukasus auch getauft ist. Das war immer wieder meine Erfahrung bei Besuchen ausländischer Gemeinden. Wir haben nicht Fremde besucht, sondern Geschwister. Und wir haben im Austausch viel Ermutigung im Glauben geteilt. Weil wir getauft sind, gehören wir als Christenmenschen weltweit zusammen.

Und wie war das bei Jesus selbst? Er wurde auch getauft. Darüber gibt der Predigttext dieses Sonntags Auskunft. Aber es ist keine sozusagen „christliche“ Taufe, die Jesus Christus erfährt. Was bedeutet die Johannes-Taufe dann? Ein paar Verse vor unserem Predigtwort spricht Johannes zu den Menschen, die zu ihm an den Jordan hinausgezogen waren: „Ich taufe euch mit Wasser zur Buße.“ Die Taufe des Johannes war also eine Taufe zur Sündenvergebung und zur Umkehr. Die Menschen erwarteten in naher Zukunft das Hereinbrechen des Gottesreiches. Und um für den umfassenden Anbruch seines Reiches auf Erden bereit und vorbereitet und würdig zu sein, kleidete man seine Seele und sein Herz neu ein mit dem Taufkleid der Buße. Diesem Ritual wollte sich auch Jesus unterziehen.

Die Taufe Jesu kündigt einen neuen Bund an

Er steigt in den Fluss, denn wer Ertrinkende retten will, der muss ins Wasser springen. So geht Jesus besonders zu den in Sünde gefallenen Menschen, also zu den „Ertrinkenden“. So lässt er sich auch taufen. Jesus steht nicht abseits menschlicher Schuld, er steht an der Seite der Sünder, jedoch ohne Sünde. Seine himmlische Gottheit besitzt eine zutiefst menschenfreundliche Kraft. Seine Hoheit beugt sich in die Tiefe der Menschen. Weil er sich neben uns stellt, gehören wir zu ihm.

Da lässt Gott seine himmlische Bestätigung nicht auf sich warten. „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“, so endet die Taufe Jesu. Jüdische Ohren wurden bei diesem Wort an das Inthronisations-Ritual der israelitischen Könige erinnert. Dieser Satz wurde dem neuen König zugesprochen. Bei der Taufe Jesu verwendet, bedeutet es, dass nun Jesus der König Israels sein soll. Mit der Taufe ist Jesus inthronisiert.

Die Taufe Jesu kündigt einen neuen Bund an. Er gilt allen Menschen, Juden wie Christen, Heiden wie Atheisten. Dieser Bund Jesu ist gültig gemacht durch seinen Tod. Auch in der Nähe des Weihnachtsfestes darf es nicht vergessen werden. Das Kind kommt, um sich für uns zu opfern und uns Frieden mit Gott zu bringen. Es kommt, um die Werke des Teufels zu zerstören (1. Johannes 3,8) und die Macht des Todes für uns zu brechen. Und so erinnert mich meine Taufe schon von klein auf an Tod und Auferstehung Christi für mich. Jesus lässt sich taufen. Er wird inthronisiert zum König der Welt, um als solcher für mich zu sterben. Unsere Taufe von einst gilt und schließt uns ein in den Machtbereich des lebendigen Gottes, der mich einmal aus meinem Tod zum Leben ruft.

Aus der Tiefe dieses Geheimnisses will ich voller Freude und Dankbarkeit singen und sagen: Er wird ein Knecht und ich ein Herr; das mag ein Wechsel sein. Wie könnt es doch sein freundlicher, das herze Jesulein, das herze Jesulein (EG 27,5).

Taufbecken - Foto: Wilfried Giesers/pixelio/Strückhausen

 

Gebet

Herr, ich danke dir für meine Taufe. Sie verbindet mich mit dir. Dein Leben wird meines, deine Auferstehung wird einmal meine sein. Drum darf ich leben, auch wenn ich sterbe. Danke für solche unerschütterliche Hoffnung.

Amen.

 

 

 

 

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