Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ihr Kinderlein singet

HEILBRONN – Bald steht das große Adventssingen in der Heilbronner Kilianskirche an und natürlich wird auch an Weihnachten gesungen. Dafür proben die drei Kinder- und Jugendchöre der Kilians- und der Friedensgemeinde derzeit fleißig. Seit acht Jahren gibt es die Kooperation zwischen den beiden Heilbronner Kirchengemeinden, die stetig wächst. 


Kantorin Rahel Braunwarth geht mit den Mittleren die Gesten für die Lieder beim Adventssingen durch. (Foto: Stefanie Pfäffle)

Im kleinen Raum des Friedensgemeindehauses sitzen die Kurzen, im großen die Mittleren und später werden die Langen proben. Ab vier Jahren wird hier bereits das gemeinschaftliche Singen angeboten und der derzeit Älteste ist tatsächlich schon 17 Jahre alt. Eine weite Spanne. „Seit dem Start sind die Chöre stetig gewachsen, so dass wir mittlerweile bei diesen drei Gruppen sind“, freut sich Rahel Braunwarth, Kantorin der Friedensgemeinde.

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Sie dirigiert die Mittleren, während sich Kirchenmusikerin Judith Wiesebrock unter Begleitung von Kilianskantor Stefan Skobowsky um die anderen beiden Chöre kümmert. „Das Schöne ist, wenn alle drei Gruppen zusammen auftreten“, erklärt Braunwarth das Prinzip. Das sei vor allem für die Kleinen gut, die oft ganz frisch dabei sind und sich noch nicht so richtig trauen. „Es ist toll zu sehen, wie die sich entwickeln, da werden die schüchternsten Kinder ganz keck.“

Diese gar nicht so schüchtern erscheinenden Knirpse rennen und rennen durch den Saal. Energie abbauen vor der Probe, das tut gut. Jetzt kann es losgehen. Die Mittleren starten mit „Hey hallo, Musik lässt dich heut‘ nicht in Ruh‘“ und springen ausgelassen dazu herum. Das ist immer der Anfang. Zackig geht es weiter.

Nur drei Töne muss Braunwarth am Klavier anspielen und schon beginnen die Kinder „Eine kleine Kerze“ zu singen. Auswendig natürlich. In diesem Alter funktioniert alles nur übers Vorspielen und Nachsingen sowie reichlich Wiederholungen. Jetzt ist der letzte Ton irgendwie schief. „Wir war das nochmal?“ hakt die Kantorin nach und Luise weiß es gleich. „Beim ersten Mal hoch und bei der Wiederholung runter.“ Genau, also nochmal von vorne – und dann auch gleich mit Bewegungen. Die müssen schließlich sitzen.

Die Kinder hängen mit ihrem Blick an ihrer Chorleiterin, die alles mitmacht. Gesungen wird ohne Klavier, das dient nur zum Einüben. Wie beim zweiten Vers, da müssen sie nochmal an die Melodie erinnert werden.

Die Chöre treten vor allem in den eigenen Kirchengemeinden, aber auch manchmal in anderen auf. Im Oktober hatte der Jugendchor zum Beispiel ein Projekt, das er sowohl in der Kilianskirche als auch in Schwaigern dargeboten hat. Das Liedgut ist geistlich und weltlich gemischt, wird je nach Anlass oder themenbezogen etwa für einen bestimmten Gottesdienst ausgewählt. „Das Ziel ist, dass sie von vielen Bereichen etwas mitbekommen“, erklärt Braunwarth. Mal große geistliche Werke, dann wieder schöne Hits.

Im vergangenen Jahr stand auch hier die Reformation im Mittelpunkt und so wurde das Martin-Luther-Musical einstudiert. Dabei sind die jungen Sängerinnen und Sänger nicht alle evangelisch. „Es darf jeder mitmachen, alle sind herzlich willkommen“, betont die Kantorin. Natürlich sind einige Kinder Nachwuchs aus den Kirchenchören, aber sie kommen aus vielen unterschiedlichen Gemeinden, manche wollen mehr singen als nur in der Schule und stoßen so dazu. Da Braunwarth mal einen Kindergartenchor geleitet hat, sind auch da ein paar hängen geblieben.

Schon beginnt das nächste Lied: „Sind die Lichter angezündet“. Da gehe es darum, auch an die Kinder zu denken, denen es nicht so gut geht, erklärt Braunwarth den Kleinen. Sofort erzählt eine von der Aktion „Kinder helfen Kindern“, die sie in der Schule machen und altes  Spielzeug für andere in einem Karton spenden. „Wir machen einen Basar für die Armen in Heilbronn“, hakt eine zweite ein. Ein bisschen erzählen muss sein, auch wenn die Probe nur 45 Minuten geht.

Also schnell weiter. Heute gehen sie das gesamte Programm für den dritten Advent durch. Da geht auch schon die Tür auf. Skobowsky setzt sich ans Klavier. Die Kurzen kommen rüber und alle stellen sich in zwei Schlangen oder vielmehr in zwei Tausendfüßlern auf. Nochmal was Spaßiges zum Schluss, dann stürmen sie alle zu ihren Eltern oder Großeltern.

Kurz darauf sind auch schon die Jugendlichen dran. Hier werden Noten ausgeteilt, man singt mehrstimmig. „His Praises we’ll sing“ ist das erste. „Setzt euch mindestens vorne an die Stuhlkante, sonst steht ihr mir“, fordert Wiesebrock lächelnd auf und zack, rutschen alle ein Stück nach vorne. Ganz zufrieden ist sie nach dem ersten Durchgang noch nicht. An zwei Stellen funktioniert die zweite Stimme nicht so richtig. Also nochmal von vorne und jetzt klappt es auch. Das wird. Bis zum dritten Advent ist ja noch ein bisschen Zeit.