Christliche Themen für jede Altersgruppe

Im Einklang leben - Sonnenwald in Schernbach, Schwarzwald

SCHERNBACH (Dekanat Freudenstadt) – Auf der Hochebene des Schwarzwalds lebt eine christliche Gemeinschaft, die im Einklang mit der Schöpfung handeln möchte. Viele Lebensmittel produzieren sie selbst. Wichtig ist ihnen die Bereitschaft zu Umkehr und Versöhnung.

Schonende Landwirtschaft, Schwarzwald, Sonnenwald. Foto: Waltraud GüntherDie Gemeinschaft hat auch Vieh. Immer wieder kommen Besucher vorbei, um sich über die schonende Landwirtschaft zu informieren. Foto: Waltraud Günther

Die Gemeinschaft Sonnenwald hat sich dem einfachen Leben verschrieben. 60 Erwachsene und elf Kinder gehören der 2017 gegründeten Genossenschaft an. Sie alle eint der Wunsch nach gemeinschaftlichem Leben und Wohnen, ökologisch, nachhaltig und im Einklang mit der Schöpfung.

Zu den Gründungsmitgliedern der Genossenschaft gehört das Ehepaar Annette Keimburg und Martin Schmid-Keimburg, zwei Theologen. Während Annette Keimburg vor ihrem Ruhestand als Gemeindeund Krankenhauspfarrerin tätig war, arbeitete Martin Schmid-Keimburg viele Jahre lang als Gefängnispfarrer in Hohenasperg bei Ludwigsburg. Wie die beiden berichten, gestaltete sich die Suche nach einer Immobilie schwierig und langwierig. Finanzkräftige Investoren verhinderten in letzter Minute ein bereits geplantes Projekt im Remstal.

Erfolgreich verliefen hingegen die Verhandlungen mit der Bruderhaus Diakonie über ein leer werdendes Gelände in Schernbach. Fast 160 Jahre lang hatten Menschen mit Behinderung in den Einrichtungen der Bruderhaus Diakonie in Schernbach gelebt. 2017 fanden sie in drei Einrichtungen in der Umgebung eine neue Heimat. Die frei werdenden Gebäude und Grundstücke übernahm 2019 die „Gemeinschaft Sonnenwald Schernbach e. G.“.

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In dieser Gemeinschaft hat jedes Mitglied nur eine Stimme, unabhängig von den eingebrachten Anteilen, erklärt Martin Schmid-Keimburg. Er erinnert sich noch gut an die hohen Hürden bei der Gründung der Genossenschaft. So mussten er und seine Mitstreiter einen Wirtschaftsplan für die kommenden fünf Jahre vorgelegen.

Inzwischen sind alle Hürden überwunden. Emsiges Hin und Her, Arbeiten, Leben und Kinderlachen beleben die Gebäude. Im Alltag der Gemeinschaft Sonnenwald ist fast schon Routine eingekehrt.

Eine wichtige Säule der Gemeinschaft ist der „Hof Sonnenwald für regenerative Agrikultur“, der 80 Hektar bewirtschaftet. Die Hälfte ist Eigentum der Genossenschaft. Dort wird nachhaltige Produktion mit Klima- und Naturschutz und solidarischer Verantwortung verbunden, streng nach Biolandrichtlinien und „enkeltauglich“, wie Schmid-Keimburg erläutert. Im Seminarhaus finden Kurse statt, denn die Gemeinschaft engagiert sich auch in der Bildungsarbeit.

Wichtig sind allen Bewohnern die gemeinsam verbrachten Zeiten, sei es bei den regelmäßigen Sitzungen oder bei den gemeinsamen Mahlzeiten. Während Frühstück und Abendessen individuell in den Wohnungen und Appartements eingenommen werden, wird das Mittagessen im großen Speisesaal serviert. Ein Küchenteam bereitet dies in der Großküche zu, jeder „Sonnenwäldler“ ist zweimal pro Woche zum Mithelfen eingeteilt. Gekocht wird mehrheitlich mit Nahrungsmitteln aus der eigenen Produktion, und zwar vegetarisch und vegan. An den Feiertagen gibt es auch einmal Fleisch, „alle anderen Essensvorlieben werden dann in den Wohngemeinschaften umgesetzt“, sagt Schmid-Keimburg.

Ehepaar Schmid-Keimburg, Theologen, Landwirte, Sonnenwald Foto: Waltraud GüntherWas den Grundsatz der selbst produzierten Lebensmittel anbelangt, sind die Genossen konsequent: „Dieses Jahr sind unsere Zucchini nichts geworden, dann gab es bei uns halt keine“, erklärt der Pfarrer im Ruhestand. Für die individuellen Mahlzeiten bedient sich jeder kostenlos aus dem Vorratskeller der Gemeinschaft, Alkohol und Süßigkeiten finden sich jedoch dort nicht. Bei Bedarf wird dies entweder privat oder im hauseigenen Kiosk gekauft. Neben dem Küchendienst ist jeder verpflichtet, 20 Stunden pro Monat gemeinnützige Arbeit zu verrichten. Das reicht vom Schneeschippen bis zur Mitarbeit in einer der 17 Arbeitsgruppen.

Die finanziellen Kosten für jeden Bewohner werden individuell nach folgenden Kriterien festgelegt: Was braucht die Genossenschaftskasse für Gebäude, Verpflegung und die Unterstützung der eigenen Landwirtschaft? Wie viel kann jeder geben? Hierdurch, sagt Schmid-Keimburg, werden extreme Lösungen wie „Alle teilen alles“ und „Jeder wirtschaftet für sich“ vermieden.

Die Gemeinschft Sonnenwald ist christlich. Dass sich viele Aspekte des Glaubens im Alltag der Gemeinschaft widerspiegeln, machen die beiden Theologen an vielen Beispielen deutlich: Dazu gehört der Wille, durch die im Hof praktizierte Art der Landwirtschaft die Schöpfung zu bewahren. Dazu gehört auch die finanzielle Solidarität, indem jeder das gibt, was er kann und von Herzen geben will.

Wichtig ist außerdem die gegenseitige Unterstützung und Hilfe, die sich alle Bewohner gewähren, sowie die Bereitschaft zur Umkehr und Versöhnung, die regelmäßig auf Gemeinschaftsbildungstagen eingeübt wird. Die Bewohner treffen Entscheidungen im Konsens, also gemeinsam. Und natürlich feiern sie auch die Feste des Kirchenjahres zusammen.

◼Mehr unter www.gemeinschaftsonnenwald.de