Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Im Herzen ist er für uns da“

Wer ist Gott und wer ist Jesus? Ist er Mensch oder Auferstandener? Hat er magische Kräfte? Auch Kinder haben eine eigene Theologie. Gemeint ist damit die Art und Weise, wie sie von Gott und seinem Sohn denken. Erwachsene können einiges lernen. 



Im Kindergarten wird das Kirchenjahr spielerisch vermittelt. (Foto: epd-bild)

Die Auferstehung ist wie das Kreuz eine Station auf dem Lebensweg Jesu. Gleichzeitig stellen Kinder die Auferstehung in den Kontext des Glaubens an Jesus als den Sohn Gottes. Sie verbinden die Auferstehung mit dem Gedanken der Hoffnung und zeigen, dass sie zu eigenen christologischen Überlegungen fähig sind.

Christologie zu treiben heißt, sich auf eine bestimmte Perspektive einzulassen, sich für eine bestimmte Dimension der Wirklichkeit zu öffnen. Was das für uns heißen kann, macht die Emmauserzählung im Lukasevangelium 24, 13–35 deutlich: Die Bedeutung Jesu Christi ist nicht auf die Vergangenheit beschränkt. Der Auferstandene ist weiterhin gegenwärtig, aber in anderer Weise als zu seinen irdischen Lebzeiten.

Texte von Kindern der vierten Klasse zeigen, dass Jesus als der auferstandene und damit unsichtbare Christus auch für ihr Jesusbild bestimmend ist: „Er ist nur noch im Herzen für uns da, aber sehen kann man ihn nicht! Wir müssen unseren Weg ohne ihn fortsetzen, aber wenn wir Hilfe brauchen, hilft er uns“, sagt ein neunjähriger Junge.

Jesus ist also nicht nur ein Ereignis der Vergangenheit. Er ist im „Herzen“ erfahrbar, man kann ihn heute noch spüren. Doch die Erfahrung ist alles andere als selbstverständlich: Wir müssen uns an das „Gute“, das er getan hat, erinnern und versuchen es „uns zu merken“, sagen Kinder. Ihr christologisches Bild zielt auf Vergegenwärtigung und Beziehung.

Wahrer Mensch und wahrer Gott: Die Frage der Christologie sprengt die Grenzen unserer Logik. So sagt Lukas aus der vierten Klasse zu Recht: „Aber er kann doch nicht beides gleichzeitig sein! Das ist doch irgendwie unlogisch.“ Kinder ringen um die „Logik“ Gottes. Jesus als Mensch und Gott ist – so Manuel aus derselben Klasse – „ein Sonderfall“. Und Kim entwickelt die Theorie einer wechselnden Wesensbestimmung: „Manchmal ist er ein bisschen Mensch und manchmal ein bisschen Gott.“

Für Jana und Constantin ist Jesus als Gott plausibel aufgrund seiner übermenschlichen Fähigkeiten: „Wenn er die Menschen heilt, ist er vielleicht Gott.“ Dieses „Vielleicht“ markiert den kritischen Vorbehalt: Der reinen Vernunft bleibt die Rede von Jesus als Mensch und Gott unzugänglich.

Der Weg der Kinder kreist um die Gottesfrage: Was kann ich Gott zutrauen? Wie viel Vertrauen habe ich in seine die Grenzen menschlichen Denkens übersteigende Kraft? Sie suchen nach Vorstellungen und Begründungen, die die Besonderheit Jesu jenseits der Vorstellung einer „Zwei-Naturen-Lehre“ erfassen.

Im Gegensatz zu Kindern verstehen sich Jugendliche eher als Suchende, die tastend bestimmte Positionen ausprobieren. Der Aspekt der Hoffnung ist aber auch ihnen bei der Frage wichtig, wie Jesus Christus heute bei den Menschen sein kann.

Sie fügen jedoch weitere Aspekte hinzu. Jugendliche antworten auf die Frage, wie Christus heute bei den Menschen sein kann: „Indem er den Menschen Hoffnung und Glauben schenkt. Indem man in die Kirche geht, an ihn glaubt und zu ihm betet. Indem man Feste feiert. Indem man spirituelle Gegenstände hat – etwa ein Kreuz oder Bild. Und indem man seine Geschichte weitererzählt.“

Deutlich wird aus diesen Aussagen, dass Jugendliche eine mögliche Präsenz Christi an menschlichem Verhalten festmachen. Es geht weniger darum, was Jesus Christus tut, sondern darum, was „man“ tun kann beziehungsweise muss, damit er bei einem ist. Aus diesen Formulierungen spricht vielleicht der Wunsch oder auch die Überzeugung, Dinge selbst beeinflussen zu können.

Wichtig ist aber auch, was die Formulierungen implizit – und damit für Jugendliche scheinbar selbstverständlich – voraussetzen: Jesus Christus ist, für Christinnen und Christen, in der Kirche, im Gebet, in Festen, in spirituellen Gegenständen sowie in Erzählungen von ihm und über ihn anwesend und auch erfahrbar.

Jüngere Kinder neigen – im Gegensatz – dazu, Jesus zu überhöhen mit gleichsam magischen Kräften: Er ist der, der hilft und alles zum Guten wendet. Die religionsdidaktische Herausforderung besteht darin, ein Bild von Jesus Christus zu zeigen, das dem Glaubens- und Denkhorizont der Kinder gemäß ist und zugleich biblisch und theologisch-systematisch gestützt ist.

Jesus Christus ist Gottessohn und „normaler“ Mensch, erst wenn man diese beiden Naturen als widersprüchlich und sich doch gleichzeitig ergänzend betrachtet, können falsche Alternativen und ein Entweder-oder-Denken überwunden werden.

Die religiöse Bildung in Schule und Gemeinde sollte die unterschiedlichen Vorstellungen der Kinder und Jugendlichen aufnehmen und mit ihnen weiterentwickeln. So wird eine Theologie der Kinder und Jugendlichen sowie ein Theologisieren mit ihnen ergänzt durch eine Theologie für Kinder und Jugendliche.

 

 

 

 

 

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