Christliche Themen für jede Altersgruppe

Inbegriff der Barmherzigkeit

Martinsgans, Martinsumzug, Martinstag: Martin von Tours ist bis heute eine sehr präsente Gestalt innerhalb und außerhalb der Kirchen. Doch wer war jener Heilige überhaupt, der einem Bettler seinen ­Mantel gab und Luther den Vornamen? 


Jährlich am 11. November finden Laternenläufe und Martinsumzüge statt. (Foto: epd-bild)


Um das Jahr 335 ritt ein blutjunger römischer Gardeoffizier namens Martinus durch das Tor der französischen Stadt Amiens. Dort begegnete ihm ein frierender, unbekleideter Bettler. Der Offizier fackelte nicht lange, nahm sein Schwert und teilte seinen Mantel.
In der darauf folgenden Nacht erschien ihm Christus im Traum, in der Gestalt eben jenes Bettlers, der sein Mantelstück trug. Der Offizier war tief berührt und ließ sich taufen. Nach dem Ende seiner Dienstzeit widmete er sein Leben ganz dem Glauben, gründete Klöster und wurde schließlich Bischof der französichen Stadt Tours.

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Es gibt eine große Zahl von Geschichten und Legenden, die sich um das Leben des Heiligen Martin ranken. Viele von ihnen haben sich verselbstständigt, sind Teil eines überaus lebendigen Brauchtums geworden. Dazu gehört auch St. Martin auf dem Pferd mit dem Mantel, der bis heute bei vielen Laternenumzügen vorausreitet.

Geboren wurde Martin von Tours um 316/317 in der heutigen ungarischen Stadt Szombathely. Sie war damals römische Provinz und Martin schlug als Sohn eines römichen Militärtribuns die Soldatenlaufbahn ein. Wie jeder Legionär musste er sich 25 Jahre verpflichten und es ist nicht klar, ob er diese Militärzeit wirklich zu Ende gebracht hat. Jedenfalls gibt er bald nach Taufe und Mantelteilung zu erkennen, dass er sich als Soldat einem anderen Herrn verpflichtet fühlt.

Spätestens 356 scheidet er aus dem Dienst aus und wird Priester. 361 soll er im französischen Ligugé das erste Kloster des Abendlandes gegründet haben. Er wird zum Missionar und Wohltäter und bald für seine ebenso asketische wie heilsbringende Lebensweise bekannt. Als 371 in Tours ein neuer Bischof bestimmt werden muss, fällt die Wahl auf Martin.

Der will das Amt zunächst gar nicht, versteckt sich verschämt in einem Gänsestall, doch die schnatterenden Gänse verraten ihn. Es ist die Wurzel der Geschichte mit der Martinsgans, die alljährlich am Martinstag (und danach) verspeist wird. Der wiederum geht auf den Tag der Bestattung des wohltätigen Martin zurück: Im hohen Alter von 81 Jahren stirbt er auf einer seiner vielen Fahrten durchs Land und wird schließlich am 11. November in Tours beigesetzt.

Es soll eine große Lichtprozession gewesen sein, was eine der vielen Erklärungen für den Laternenumzug ist, der jährlich an St. Martin stattfindet. Andere Vermutungen sagen, dass zum Ende des bäuerlichen Jahres im November und dem Beginn der dunklen Jahreszeit ohnehin schon eine diesbezügliche Tradition bestand.

Augrund seines vielfältigen Wirkens und seines barmherzigen Handelns, das in der Szene der Mantelteilung seinen Höhepunkt findet, wird Martin von Tours bald nach seinem Tode heiliggesprochen. Er fungiert fortan als Schutzpatron zahlreicher Regionen und Gruppen wie etwa der Reisenden, der Armen und der Reiter.

480 wird sein Gedenk- und Namenstag auf den 11. November festgelegt. Am 10. November kommt im Hause Luther ein Sohn zur Welt, der am 11. November auf den Namen eben jenes Heiligen getauft wird. Es ist der spätere Reformator Martin Luther, in dessen Person Martin von Tours ebenso weiterlebt wie in den zahlreichen Bräuchen, die es bis heute gibt.