Christliche Themen für jede Altersgruppe

Intimste Seite des Glaubens - Impuls zur Predigt

Matthäus 6,6-8 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

Intimste Seite des Glaubens

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Rogate: Matthäus 6,5-15.

Von Katrin Haas

Katrin Haas ist Schulpfarrerin an der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule in Stuttgart.

Katrin Haas ist Schulpfarrerin an der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule in Stuttgart. Foto: Privat„Fällt leider aus!“ So stand es seit dem 16. März in vielen Schaukästen von Kirchengemeinden. Was sollte nicht alles in den letzten beiden Monaten stattfinden? Ostergottesdienste, Konfirmationen, Taufen und Hochzeiten sind nur ein Bruchteil dessen, was geplant war. Doch auf einmal ist alles anders. Das Leben abrupt gestoppt. Aus der Bahn geworfen und angehalten. Nicht nur in der Kirche. Überall. Der Urlaub, auf den sich viele gefreut haben, kann nicht angetreten werden. Der Arbeitsplatz ist plötzlich in Gefahr. Existenzängste entstehen. Vieles von dem, was wichtig ist, können wir nicht mehr machen. Es ist auf unbestimmte Zeit verschoben oder entfällt ganz. Alles fällt aus, weil wir zuhause bleiben müssen. Es sind Einschnitte, die uns als schmerzhafte Erfahrungen im Gedächtnis bleiben.

Auch wenn es Lockerungen gibt, ist manches anders als vorher. Ob und wann wir unser gewohntes Leben, auch in den Gemeinden, wieder bekommen, wissen wir nicht. Und wollen wir das wirklich? Überhitzt und allein auf seine Außenwirkung konzentriert, so erscheint auch manches Projekt der Kirche vor der Zeit des Stillstands. Aber was bleibt uns positiv in und aus solchen Erfahrungen? Was bleibt für unseren Glauben ohne Sonntagsgottesdienste im Kirchenraum, ohne Events und Gemeinschaft mit anderen? Wie können wir Glauben lebendig gestalten, wenn wir zuhause bleiben müssen?

Auf diese Fragen gibt uns Jesus in seinen Gedanken zum Beten eine Antwort: „Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir‘s vergelten.“ Zuhause bleibt uns das Beten. Beten ist die intimste Seite unseres Glaubens. Es geschieht im Verborgenen des Herzens. Dort, wo nur Gott hineinsieht und wo wir auch nur Gott hineinsehen lassen.

Zuhause bleibt uns das Beten

„Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott in Bitte und Fürbitte, Dank und Anbetung“, so formulierten es die beiden Reformatoren Johannes Brenz und Martin Luther im Katechismus. Um zu beten, brauchen wir keine Veranstaltung, keine Gruppe und sogar nicht ein- mal einen Gottesdienst. Das Gebet prahlt nicht. Es braucht kein Publikum und will keinen Applaus. Gebet will nicht gesehen oder bewundert werden. Es hat keine Entsprechung in unserer auf Effizienz getrimmten Spaß- und Leistungsgesellschaft. Es will niemanden überholen und braucht keine großen Worte. Unser Gebet muss sich auch nicht vor Gott beweisen.

Im Gegenteil: Das Gebet ist der bescheidenste Teil unseres Glaubens. Beten können wir auch, wenn wir zuhause bleiben müssen. Beim Beten lassen wir bewusst alle Unruhe und allen Lärm draußen vor der Tür. Nur unser Herz und Gott begegnen sich. Das Gebet ist der Ort, an dem wir Gott anvertrauen, was uns im Innersten bewegt: Sehnsüchte, Unbegreifliches, Sorgen um uns und andere, aber auch Dank und Hoffnung. Im Gebet sind wir mit Gott verbunden und bekommen von ihm Kraft. Er weiß, was wir brauchen, auch wenn wir kaum Worte finden. Deswegen tut uns beten gut. Es ist die Wegzehrung, die wir für unser oft ängstliches Herz und unseren rastlosen Körper brauchen. Damit wir, wenn alles wieder stattfindet – allein oder gemeinsam –, ins Vaterunser einstimmen und neue Schritte ins Leben wagen können. □

Kleinkind auf der Brücke Foto: Japheth Mast/UnsplashFoto: Japheth Mast/Unsplash

Gebet

Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um die Kraft für den Alltag.

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

Antoine de Saint-Exupéry

 

 

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